Corona
Fitnessinstruktorin hätte 6300 Franken zahlen müssen – doch: Ihr Training im privaten Kursraum ist zulässig

Eine Personaltrainerin stand wegen Missachtung der Covid-19-Verordnung vor Gericht – sie wurde freigesprochen.

Corinne Wiesmann
Drucken
Teilen
«Die Bezeichnung ‹Fitnessstudio› ist schlicht falsch», sagte die Verteidigerin bei der Verhandlung – und der Richter folgte dieser Argumentation.

«Die Bezeichnung ‹Fitnessstudio› ist schlicht falsch», sagte die Verteidigerin bei der Verhandlung – und der Richter folgte dieser Argumentation.

Symbolbild: Adrian Baer

Der angeklagte Sachverhalt, mit dem sich Gerichtspräsident Florian Lüthy an diesem Nachmittag zu beschäftigen hatte, schien eigentlich simpel. An einem Samstagnachmittag im April 2020 – mitten im ersten Corona-Lockdown – hatte eine Polizeipatrouille bei der Kontrolle eines Fitnessstudios in der Region Baden festgestellt, dass sich dort zwei Kundinnen aufhielten und trainierten. Die Kundinnen lebten nicht im gleichen Haushalt und trugen keine Masken. Die Polizisten waren demnach der Ansicht, die Betreiberin des Studios, die an besagtem Nachmittag ebenfalls anwesend war, habe gegen die Covd-19-Verordnung 2 verstossen.

Fitnessinstruktorin hätte 6300 Franken zahlen sollen

Später flatterte der selbstständig erwerbenden Fitnessinstruktorin ein Strafbefehl – ausgestellt von der Aargauer Oberstaatsanwaltschaft – ins Haus. «Vorsätzliches Offenhalten von öffentlich zugänglichen Einrichtungen für das Publikum» lautete der Vorwurf. Die 46-Jährige wurde für dieses Vergehen per Strafbefehl zu einer bedingten Geldstrafe von 30 Tagessätzen à 210 Franken sowie einer Busse von 1500 Franken verurteilt. Dagegen wehrte sich die Frau und erhob Einsprache.

Bei der Verhandlung vor dem Zofinger Bezirksgericht – das Bezirksgericht Baden hatte den Fall aus Kapazitätsgründen abgegeben – stellte die Beschuldigte klar, dass es sich bei den Räumlichkeiten keinesfalls um ein Fitnessstudio handle. Es gebe keine Fitnessgeräte, sondern sie biete in diesem Raum verschiedene Sportkurse und Personaltrainings an. Und ihre Kunden hätten dort auch nur auf Anmeldung Zutritt – dies sei bereits vor Corona so gewesen. «Die Abstände sowie die Hy­gienemassnahmen wurden zu jedem Zeitpunkt eingehalten», beteuerte sie weiter.

Eine Kundin, die als Auskunftsperson bei der Verhandlung vor Gericht befragt wurde, bestätigt diese Aussagen. «Die Bezeichnung ‹Fitnessstudio› ist schlicht falsch», hielt die Verteidigerin der Frau denn auch fest. «Es handelt sich um einen privaten Kursraum.» Ein solcher Raum sei in den Bestimmungen der Covid-19-Verordnung aber nicht aufgeführt. Demnach habe die Personaltrainerin auch nicht gegen den angeklagten Punkt verstossen können. Die Anwältin forderte daher einen Freispruch für ihre Klientin. Und Gerichtspräsident Lüthy folgte den Anträgen der Verteidigerin. Auch er sah den angeklagten Punkt als nicht erfüllt. Der Richter sprach die Personaltrainerin daher vollumfänglich frei. Die Gerichtskosten gehen zu Lasten des Staates.

Aktuelle Nachrichten