Baden

Corona-Virus verdrängt Naturschutz: Nun gibt es doch wieder Plastikflaschen

Die Plastikzentrale in Baden musste ebenfalls schliessen.

Die Plastikzentrale in Baden musste ebenfalls schliessen.

Im März waren die Badener dazu aufgerufen, einen Monat lang auf Plastik zu verzichten. Der Corona-Virus hat diesen Plan durchkreuzt.

Monatelange Vorbereitung und Vorfreude sind dahin: Das Badener Plastikexperiment, das die Bevölkerung dazu aufforderte, einen Monat lang auf Plastik zu verzichten, hat einen denkbar schlechten Zeitpunkt erwischt. Das Projekt musste aufgrund der Corona-Krise in der Halbzeit abgebrochen werden. Über 100 Badener Dienstleistungsbetriebe aus diversen Bereichen beteiligten sich ebenfalls und wollten im ganzen Monat März die Kundschaft speziell auf ihre plastikfreien, plastikreduzierten und unverpackten Produkte aufmerksam machen. Die vom Bund verordneten vorübergehenden Laden- und Geschäftsschliessungen haben das Mitte März aber zunichte gemacht.

Doch: Von Scheitern könne deshalb nicht die Rede sein, betont Brunhilde Mauthe, verantwortlich für die Kommunikation. Im Gegenteil: «Wir haben Detailhändler, Gastrobetriebe, Grossunternehmen und mehrere tausend Menschen erreicht, für ihren Plastikkonsum sensibilisiert und dazu motiviert, Alternativen zu Plastik zu finden», bekräftigt sie. Auch wenn das Experiment nun leider nicht mehr so sichtbar sei, seien weiterhin viele Menschen motiviert mit dabei: «In meinem Umfeld wird immer noch sehr auf den Plastikkonsum geachtet. Auch Detailhändler und Gastrobetriebe wie auch Grossunternehmen wie GE, UBS und Axpo setzen die von den dortigen Mitarbeitenden gestarteten Massnahmen um.»

Sie habe selbst noch einige Ideen, wie das Plastikexperiment in der Zeit nach Corona fortgesetzt und auf weitere Städte ausgeweitet werden könne: «Jetzt mussten wir aber eine Pause einlegen und die Plastikzentrale, genau wie alle anderen Badener Geschäfte, schliessen. Wir hätten weder Workshops durchführen noch das Bistro weiterbetreiben dürfen.» Auch die «Nachher»-Bluttests, welche die Auswirkungen des Plastikverzichts auf die Blutwerte hätten testen sollen, werden auf unbestimmte Zeit verschoben: «Die neuen Daten werden auf der Website aufgeschaltet», so Mauthe. Diese bestehe weiterhin und werde laufend aktualisiert. Dort ist auch die «Plastik Adé App» zu finden, die aktiv genutzt wird. Wer einen Blick hineinwirft, entdeckt tägliche Einträge. Hier halten die Nutzer ihre Aktivitäten rund ums Plastiksparen bildlich fest. Auch ein Plastik-Wiki, eine Art Lexikon, ist auf der Website zu finden.

Mit viel Enthusiasmus gestartet

Das Experiment hatte im November 2019 viel versprechend begonnen: Aus anfänglich sieben Initianten, welche die Idee des Badener Hausarztes Christoph Broens nach aussen trugen, waren in nur wenigen Wochen rund 120 aktive Personen geworden, die sich in verschiedenen Arbeitsgruppen organisierten. Mit dem Start am 1. März wurden die ersten Massnahmen zur Eindämmung des Virus verkündet. Der Auftakt in den einmonatigen Plastikverzicht hätte in der eigens dafür eingerichteten Plastikzentrale im «Vaudoise»-Haus in Baden gross gefeiert werden sollen. Da die Bewilligung des Kantons zu spät eintraf, entschieden sich die Organisatoren, kleiner zu starten. Man freute sich daraufhin auf das folgende Wochenende, an dem in der Trafo-Halle 37 an zwei Tagen ein Forum, eine Podiumsdiskussion sowie ein Ideen-Markt stattgefunden hätte, doch man wollte kein Risiko eingehen, sagte auch diese Veranstaltung ab und organisierte etwas in kleinerem Rahmen in der Plastikzentrale.

Trotz diesem Pech sind die Initianten überzeugt, dass das Experiment nicht nur im Geiste weiterlebt, sondern von allen Beteiligten aktiv weiterbetrieben werde.

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