Baden

Coronakrise bereitet Hope-Geschäftsleiterin Sorgen: «Manche standen hilflos vor der Tür»

«Hope»-Geschäftsleiterin Daniela Fleischmann im jetzt geschlossenen Restaurant.

«Hope»-Geschäftsleiterin Daniela Fleischmann im jetzt geschlossenen Restaurant.

Wegen der Coronakrise fehlt Menschen in schwierigen sozialen Verhältnissen in Baden gerade ein Treffpunkt. Das sei entwürdigend für diese Menschen, findet «Hope»-Geschäftsleiterin Daniela Fleischmann.

Menschen am Rande der Gesellschaft trifft die Coronakrise schwer. Viele sind durch ihre Lebensgeschichten ohnehin schon isoliert, deshalb sind sie auf Orte angewiesen, an denen sie einander treffen können oder etwas Warmes zu essen bekommen. Ein solcher Treffpunkt ist das Restaurant des Christlichen Sozialwerks Hope an der Stadtturmstrasse in Baden. Doch mit den bundesrätlichen Anordnungen Mitte März fiel dieser weg. «Viele Menschen, die keine eigene Küche haben, kamen normalerweise zu uns zum Mittagessen», so Geschäftsleiterin Daniela Fleischmann. «So manche standen nach der Schliessung hilflos vor unserer Tür», sagt sie.

Das Hope bietet nun vor dem Restaurant einen Suppen-Take-away für diese Menschen an. Nur: «Ich sehe unsere Leute vor der Tür in der Kälte sitzen und ihre Suppe löffeln. Sie verstehen nicht, warum sie draussen bleiben müssen», sagt Fleischmann. Es sei entwürdigend für diese Menschen, alle Begegnungsräume seien geschlossen. «Die Leute, mit denen wir unterwegs sind, haben Angst und gerade jetzt keinen Ansprechpartner.» Entsprechend würden Einzelne bereits mit psychischen Problemen reagieren.

Leere Betten in der Notschlafstelle

Die Suppenküche vor dem Hope werde gut genutzt – ganz im Gegensatz zur Notschlafstelle in der unteren Altstadt Badens: «Da sind fast alle Betten leer», sagt Fleischmann, die das im August 2019 eröffnete Angebot mit dem Hope initiiert hat. Es ist die einzige Notschlafstelle im Kanton. Im Haus Erhart ­finden sich insgesamt zwölf ­Schlafplätze: Sechs Betten stehen der Notschlafstelle zur Verfügung, sechs der Notpension. Letztere bietet eine längerfristige Unterkunft und wird durch die IV oder Sozialhilfe finanziert. Aktuell sind dort sieben Personen.

Die Notschlafstelle hingegen bietet kurzfristige Übernachtungsmöglichkeiten, gehört dem Verein Notschlafstelle Aargau und wird unter anderem durch die Aargauer Landeskirchen finanziert. «Dort haben wir nun auch die Bestimmung eingeführt, dass man länger als die normalerweise maximal zwei Wochen bleiben darf», so Fleischmann. Hier könnten sechs Personen schlafen.

Doch niemand nimmt die Betten in Anspruch: «Die Menschen, welche die Betten hin und wieder nutzen, sind fort, wie vom Erdboden verschluckt», zeigt sich Fleischmann erstaunt. «Es ist gespenstisch», auch weil man nicht wisse, ob sie vielleicht Unterstützung benötigen. Fleischmann fragt sich, ob es vielleicht eine Solidaritätswelle unter ihnen gegeben hat, sie untereinander nach Lösungen gesucht haben und zum Beispiel bei Freunden untergekommen sind. Sie kann es sich nicht erklären.

Auch leer sind die beliebten Treffpunkte im Casinopark und am unteren Bahnhofplatz – ganz dem Versammlungsverbot von mehr als fünf Personen folgend. Beim Bahnhofsplatz gab es bis letzte Woche noch einen Unterstand, der nun aber entfernt wurde: «Damit sich die Leute nicht trotzdem darunter versammeln», sagt Stephan Grossenbacher, der den sozialen Dienst des Hope leitet und aktuell von zu Hause aus arbeitet. Er ist in Kontakt mit Badener Gassenarbeitern und am Dienstagmorgen wieder einmal nach Baden gekommen, um sich mit ihnen auszutauschen. Er hat dabei die beliebtesten Treffpunkte besucht und niemanden angetroffen: «Es ist verrückt», sagt er dazu.

Kontakt über die sozialen Netzwerke

Grossenbacher hält Kontakt mit denjenigen, von denen er eine Telefonnummer hat. Das Hope hat eine Helpline eingerichtet, die er betreut: «Ausserdem ­schicke ich jeden Morgen ein Whatsapp und frage nach, wie es den Menschen geht», sagt er. Langsam werde das digitale ­Angebot öfters genutzt: «Ich denke, die Sörgeli kommen nach und nach. Ich erhalte immer mehr Rückmeldungen auf ­meine Nachrichten von Menschen, die dankbar für diese Austauschmöglichkeit sind.» Diese hätten zwar ein Dach über dem Kopf, seien aber oft isoliert und leben am Existenzminimum.

Wo sich die Obdachlosen befinden, kann auch er nicht sagen. Sollte sich die Situation verschärfen und diese Menschen an Corona erkranken, erarbeitet das Hope gerade einen Notfallplan. Dieser beinhaltet Räumlichkeiten, in denen sie betreut werden könnten. «Im Moment sieht es aber nicht danach aus, als ob das benötigt würde», sagt Daniela Fleischmann. Aber man werde bereit sein.

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