Ehrendingen

CVP-Frau will Gemeinderätin werden – doch die CVP unterstützt ihren Konkurrenten

Neide Zimmermann vertritt die CVP in der Schulpflege. Jetzt will sie in den Gemeinderat einziehen. Ihre Partei unterstützt allerdings Heiner Hossli, den Kandidaten von Pro Ehrendingen.

Auf den ersten Blick sieht es nach einer gewöhnlichen Gemeinderats-Ersatzwahl aus: Richard Fischer tritt per Ende Jahr ab, Heiner Hossli will den Sitz in den Reihen von «Pro Ehrendingen» halten, und Neide Zimmermann will ihm das Amt streitig machen.

Doch schon lange nicht mehr sorgte eine Gemeinderatswahl im Dorf für so viel Gesprächsstoff. Das hängt mit der Kandidatur der 50-Jährigen zusammen, die in mehrfacher Hinsicht unter besonderen Vorzeichen steht. Erstens wegen der Parteien-Diskussion: Zimmermann ist Mitglied der CVP Aargau und sitzt für die Ortspartei in der Schulpflege.

Bei der Gemeinderatswahl muss sie nun aber ohne die Unterstützung ihrer Partei auskommen, ja gar gegen sie ankämpfen – die CVP unterstützt Heiner Hossli.

Sie sei nicht enttäuscht, sagt Zimmermann dazu. «Die Unterstützung der Partei kann wichtig sein, aber eine Gemeinderatswahl ist eine Persönlichkeitswahl. Und ich bin überzeugt, dass ich der Bevölkerung als Gemeinderätin einen Mehrwert bringen kann.»

Sie fühle sich der Sache verpflichtet und habe beschlossen, auch ohne ihre Partei im Rücken zu kandidieren; portiert wurde sie von den «Bürgern von Ehrendingen.»

Stellt sich die Frage, warum die CVP ein Parteimitglied im Regen stehen lässt. «Das würde ich so nicht formulieren», sagt Daniel Hehl, Vorstandsmitglied der Ortspartei. Heiner Hossli habe seine Kandidatur früh bekannt gegeben.

«Er ist zweifellos ein valabler, guter Kandidat für dieses Amt, bringt als langjähriger Chef der Regionalpolizei Brugg Führungserfahrung mit. Das teilten wir auch Pro Ehrendingen mit.»

CVP: «Der Schritt käme für sie zu früh»

Als sich danach auch noch Neide Zimmermann für das Amt zur Verfügung stellte, habe man nicht Wort brechen wollen und die Empfehlung für Hossli aufrechterhalten, erklärt Hehl. «Wir sind zudem der Ansicht, dass der Schritt für Neide Zimmermann zu früh käme.

Sie verfügt noch nicht über die politische Erfahrung, die es für das Amt als Gemeinderätin braucht.» In der Schulpflege verrichte sie aber gute Arbeit, «und wir würden uns wünschen, dass sie für das frei werdende Amt als Schulpflege-Präsidentin kandidiert», sagt Daniel Hehl.

Zu reden gibt Zimmermanns Kandidatur auch wegen ihrer Tätigkeit in der Schulpflege, die sie im Fall einer Wahl in den Gemeinderat beibehalten würde. Konrad Schneider, Koordinator von «Pro Ehrendingen», kritisierte in einem Leserbrief, das Doppelmandat wäre rechtlich zwar möglich, aber unter den augenblicklichen Umständen nicht wünschbar.

Der Datenschutz zwischen den Gremien wäre nicht mehr gewährleistet, sollte Zimmermann das Doppelmandat ausüben. Dazu sagt die Kandidatin: «Den Entscheid, im Falle einer Wahl ein Doppelmandat auszuüben, habe ich ganz bewusst gefällt.» Aus rechtlicher Sicht gebe es kein Problem; sie sei zudem überzeugt, dass alle nur profitieren könnten.

«Dass ich den Datenschutz einhalte, versteht sich von selbst.» Sie nehme das Schulpflege-Amt ernst, ebenso seriös würde sie das Gemeinderatsamt ausüben. Zimmermann erinnert daran, dass sich der Grosse Rat für eine Auflösung der Schulpflegen ausgesprochen habe – dadurch drohe viel Know-how verloren zu gehen.

«Als Gemeinderätin könnte ich das Wissen und die Erfahrungen einbringen, die ich in den vergangenen zwei Jahren als Schulpflegerin gesammelt habe.»

Heiner Hossli sagt, er unterstütze die Diskussion um das mögliche Doppelmandat seiner Konkurrentin, die Konrad Schneider von pro ehrendingen ausgelöst hat. Er sei froh und dankbar, dass die CVP an ihn glaube und ihn zur Wahl empfehle.

Er habe die CVP mit seinem beruflichen Leistungsausweis und mit der bisherigen Zusammenarbeit in der Gemeinde überzeugen können, ist Hossli überzeugt. Weil er seit kurzem pensioniert sei, habe er genügend Zeit und Energie für das Amt, so der 65-Jährige.

Ihm komme zugute, dass er während seiner beruflichen Tätigkeit vor allem als Chef der Regionalpolizei Brugg oft mit Gemeindevertretern in verschiedenen Bereichen zusammengearbeitet habe. Diese Erfahrungen könnte er in das Gemeinderatsgremium einbringen, sagt Heiner Hossli weiter.

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