Glosse

Da ist man mal ein paar Monate weg, und dann: Alles anders in Baden!

Zurzeit ein gewohntes Bild an der Badstrasse und Weiten Gasse.

Leere Ladenfläche in Baden

Zurzeit ein gewohntes Bild an der Badstrasse und Weiten Gasse.

Läden kommen und gehen, eine neue Gross-Überbauung wird aufgezogen, und dann natürlich der Schulhausplatz: Patrik Müller erkennt sein Baden kaum wieder.

Wenn Grosseltern einen Enkel ein paar Wochen nicht mehr gesehen haben, begrüssen sie ihn beim nächsten Besuch meistens mit dem Spruch: «Du bist aber gewachsen!» Mit zeitlicher Distanz fallen einem Veränderungen viel eher auf. Nicht nur bei Menschen.

Ich war fünf Monate in Boston (USA). Als ich nach der Rückkehr die US-Ländereinstellungen auf meinem iPhone nicht mehr wegbrachte, fuhr ich mit dem Velo an die Weite Gasse, um die hilfsbereiten Apple-Spezialisten von Dataquest zu fragen. Die lösten noch jedes Problem. Doch wo nur bleibt dieser Laden? Weg! Hier ist nun Kovats Optik eingezogen.

Was wohl aus dem alten Kovats-Standort an der Badstrasse wurde? Der Laden ist leer. Nebenan: Ein Nagelstudio. War da nicht ein Steingeschäft? Auf der anderen Strassenseite: Noch ein Nagelstudio. Diese Branche boomt anscheinend nicht nur in den USA. Ich versuchte, nicht sentimental zu werden: Als ich klein war, lockten hier noch ein Franz Carl Weber, ein Beck mit Müüsli-Zopfbrötchen und der Lieblingsladen meines Grossvaters, das Eisenwarengeschäft Looser. Und natürlich, bis vor wenigen Jahren, die Papeterie Höchli.

Meine iPhone-Helfer fand ich auch an der Badstrasse nicht, aber ich brauchte noch Rindsghackets vom Metzger Müller, also zurück an die Weite Gasse. Aha, Ex Libris ist jetzt geschlossen. Das war ja angekündigt. Ebenso das Modegeschäft OVS, vormals Vögele. Aber die leere Fläche neben der Metzgerei: Was war da schon wieder? Stimmt, ein Chicorée. Ein wohliges Gefühl umströmte mich in der Metzgerei: Alles vertraut.

Den Schulhausplatz – endlich fertig! – hatte ich oben schon mit dem Auto befahren und mich gefragt: Was ist jetzt eigentlich so viel besser als vor der 100-Millionen-Franken-Sanierung? Vielleicht findet sich die Erklärung in der Fussgängerpassage. Auch hier viel Leere. Auf Blumenkistchen wird für das Eröffnungs- fest (18. August) geworben. «Ciao, Ciao, Piazza Insalata!» steht drauf. Es klingt unfreiwillig romantisch.

Für die Lebensmittel trampte ich hinauf auf die Allmend, zum «Chrättli». Gewaltig, wie in fünf Monaten die Überbauung Belvédère aus dem Boden gestampft wurde. Da verändert sich gerade ein ganzes Quartier und man möchte rufen: Du bist aber gewachsen! Mein Blick schweifte zum Schloss Stein. Gut, weht noch immer die Badener Fahne.

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