Geht sich ein Künstlerpaar, das zusammen lebt, seit 15 Jahren immer gemeinsam ausstellt und im gleichen Atelier malt, nicht hin und wieder auf die Nerven? «Nein», sagen Guido Gläser und Nelly Frei bestimmt, «wir schätzen jede Minute zusammen und inspirieren uns gegenseitig.» Freimütig gestehen die Zwei, dass sie beim gemeinsamen Schaffen nicht umhinkämen, sich zu beeinflussen, und sich ihre Werke berühren. Exponate des kreativen Duos sind bis zum 28. November 2015 im Showroom der Glaeser Wogg AG ausgestellt. Willi Gläser, Ehrenpräsident der Firma für die Entwicklung von Design- und Spezialmöbel, ist Guidos Bruder. Aber auch ohne familiäre Beziehungen können die beiden Kunstschaffenden einen beachtlichen Ausstellungskatalog in namhaften in- und ausländischen Galerien vorweisen.

Auf die Spitze getrieben

Wenn Gläser und Frei nicht in ihrer Wohnung in Baden sind, leben sie in einem Landhaus in Ostra (Italien). Einmal im Jahr unternehmen sie gemeinsam eine mehrwöchige Wanderung durch ihre Wahlheimat. Die grosse Naturverbundenheit kommt vor allem in Freis Ölmalereien zum Ausdruck. Sie ist fasziniert von Äckern, seien sie mit Weizen bewachsen, abgeerntet, nass und lehmig oder verschüttet. Die unterschiedliche Beschaffenheit und das je nach Jahreszeit wechselnde Kolorit münzt sie in abstrakte, von geometrischen Flächen, Linien, Wellen und haarnadelfeinen Mustern geprägte Bilder um. «Landschaftsbearbeitung ist eine sehr strukturierte Arbeit. Wenn ein Bauer mit seinem Pflug nicht ganz exakt durch sein Feld fährt, kann das Wasser nicht versickern», erläutert Frei. Bewusst richtet die Malerin den Blick des Betrachters auf die Spuren, die Menschen hinterlassen und macht ersichtlich, wie zerbrechlich und rar die Natur durch das Einwirken der Zivilisation wird. Auch Guido Gläser hat sich der Abstraktion verschrieben. Er setzt seinen Fokus auf Oberflächenstrukturen von alltäglichen Materialien wie Holz, Polster und Maschengitter. Ihre Beschaffenheit stellt er wie unter einem Mikroskop vergrössert dar und verleiht ihnen damit eine ganz neue, faszinierende Optik. Immer wieder malt er Gitter in einer so raffinierten Perspektive, dass der Betrachter rätseln muss, ob er sich nun ein- oder ausgeschlossen fühlt. «Als ich meine Exponate kreierte, wusste ich noch nicht, wie brandaktuell diese Thematik mit der ganzen Flüchtlingskrise wird», sagt Gläser dazu. Als «Umbruch» bezeichnet der gebürtige Badener die kürzlich entstandene Serie von poetisch anmutenden Ölmalereien, in denen er nicht mehr mikroskopisch genau malt, sondern Distanz zum Raum nimmt. Objekte wie Möbel, Vorhänge und Decken verschwimmen zu rätselhaften Szenarien, die zu freiem Assoziieren einladen.

Die Malereien von Nelly Frei und Guido Gläser können noch bis zum 28. November 2015 besichtigt werden.

Ausstellung Glaeser Wogg AG

Montag bis Freitag: 9-12 und 14-17 Uhr

Samstag, 21. und 28 November: 13-16 Uhr in Abwesenheit der Künstler