Baden
Dagobert singt von Liebe und Enttäuschungen

Der Aargauer Sänger Dagobert hat das Badener Publikum mit seinem Gesang zum Träumen gebracht.

Salomé Meier
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Dagobert sang in seinem Konzert in Baden von Liebe und Leid und riss das Publikum mit.

Dagobert sang in seinem Konzert in Baden von Liebe und Leid und riss das Publikum mit.

Salomé Meier

Zugegeben: Hätte Sänger Dagobert in den Pausen nicht ein paar Sätze auf Schweizerdeutsch ins Publikum geworfen, hätte niemand je daran gezweifelt, dass vor ihnen ein Deutscher von verflossener Liebe singt. So akzentfrei sind die Strophen, die der gebürtige Aargauer, der heute in Berlin lebt, auf Hochdeutsch singt. So deutsch ist der Musikstil, eine Art poppiger Schlager, deren Strophen sich mit Vorliebe auf «Liebe», «einsam» und «Vergangenheit» reimen.

Von Liebe und Hoffnung zu Leid und Enttäuschung

Ein Konzert, in dem es nicht nur in den meisten, sondern in jedem einzelnen Lied um betrauerte Liebe geht, ist mutig. Das Ganze auf Deutsch und ohne Scheu vor formelhaften Liebesreimen, erst recht. Für den 37-jährigen Lukas Jäger, wie Dagobert abseits der Bühne heisst, ist aber genau das musikalisches Konzept. Von den Hoffnungen und Enttäuschungen in Liebesbelangen singt er, als würde er sie in diesem Moment noch einmal durchleben. Kein ironisches Zwinkern, kein Lächeln. Nicht einmal bei der Strophe «Wenn wir nicht zueinanderfinden, muss irgendwer die Welt neuerfinden.»

Konzert Dagobert Baden Dagobert hat das Badener Publikum gepackt und zum Mitsingen gebracht.

Konzert Dagobert Baden Dagobert hat das Badener Publikum gepackt und zum Mitsingen gebracht.

Salomé Meier

Dagegen blickt er mit ernster Miene an einen imaginären Punkt über dem Publikum und schaut innerlich wahrscheinlich wirklich die Angebetete an, die leider bereits vergeben ist oder ihn auf dem Fahrrad vorbeifahrend keines Blickes gewürdigt hatte.

Von einem Sänger, der sich Dagobert nennt, hätte man vielleicht etwas mehr Ironie erwartet. Und doch scheint das Konzept aufzugehen. «Welt ohne Zeit» ist bereits das dritte Album Dagoberts. Bei allen Liedern handle es sich um real erlebte Geschichten, sagt er, und man möchte es ihm sogar glauben, denn die Geschichten klingen in seinem Kern nur allzu vertraut. Immer wieder, so glaubt man, erkennt man Szenarien, die man selbst durchlebt hat oder die man von engen Freunden erzählt bekommen hat.

Die Liebe macht gemeinsam einsam

Die Verbindung zu seinem Publikum schafft Dagobert über diese geteilten Gefühle von Verlust und Einsamkeit. Es ist eine Verbindung, die eben nicht in ironischen Blicken und lyrischen Umwegen vermittelt wird, sondern die wie eine unsichtbare Wolke über den Köpfen des Publikums schwebt.

Dabei entsteht vieles, was man nüchtern betrachtet vielleicht als naiv beschreiben könnte. Im Zusammenspiel mit der nostalgischen Musik und dem richtigen Publikum entsteht mitunter aber auch das: Gegen Ende des Konzerts singt Dagobert von dem Paradox, dass gerade wenn man verliebt ist und sich einem Menschen am nächsten fühlt, die Einsamkeit am grössten sein kann. Und als Dagobert den Refrain singt «Dass ich sie so liebe / deswegen fühle mich so einsam», stimmt das Publikum immer wieder zum Wort «einsam» mit ein.