Man schrieb das Jahr 1954: Nach dem Krieg boomte die Industrie, in Baden allen voran die BBC. Arbeitskräfte aus Italien wurden in grosser Zahl angeworben, die Frauen mussten mitverdienen, aber was passierte mit den Kindern? Diese Not der Arbeiterfamilien bewegte einige Badener Frauen zur Gründung eines Vereins mit dem Ziel, in Baden eine Krippe zu errichten. 

Im Dezember 1954 beschloss die Gemeindeversammlung unter dem damaligen Stadtammann Max Müller mit grossem Mehr, dem Krippenverein das Haus Fürst-Frey an der Zürcherstrasse sowie 40 000 Franken für die Einrichtung zu Verfügung zu stellen.

Weiter sollte die Stadt jährlich die Hälfte an die Betriebskosten bezahlen. Das Thema könnte aktueller nicht sein, denkt man an die aktuelle Grossrats-Debatte rund um das Kinderbetreuungsgesetz.

Man kann sagen, die Badener waren damals schon einen Schritt weiter. Dies umso mehr, wenn man bedenkt, dass die Gemeindeversammlung damals nur aus Männern bestand.

Im Sommer 1955 organisierten die Gründerinnen dann den berühmten Krippenbasar in der Halde, der zu einem eigentlichen Stadtfest ausuferte und die Tradition der Haldenfeste begründete. Der Erlös von 45 000 Franken erlaubte schliesslich die Eröffnung der Krippe am 1. November 1955 – es war die erste in der Region Baden.

Angestellte wohnten im Haus

Schon bald nach der Eröffnung betreuten eine Kinderschwester und zwei Angestellte über 20 Kinder. Die Nachfrage war so gross, dass bald über 40 Kinder betreut wurden und 1958 im Dachstock das Kinderzimmer ausgebaut werden musste.

Vier Franken kostete damals ein Krippentag, wovon die Eltern zwei Franken bezahlten; die andere Hälfte übernahm die Stadt. Von 5.30 bis 19 Uhr war die Krippe geöffnet – auch samstags.

Trotz der Eröffnung der BBC-Krippe platzte das Haus in den 60er-Jahren aus allen Nähten, fast 40 Kinder wurden täglich betreut. Im Jahr 1967/1968 konnte dann das hintere Zimmer angebaut werden.

Blättert man in den Archiven, stösst man auf Interessantes. So liest man im Jahresbericht von 1959: «Sehr interessant ist der Bericht von Schwester Helen über die neue Methode, die Kinder nicht mehr nach Alter getrennt zu beschäftigen, sondern ältere und jüngere so zu mischen, dass sie eine Art Familie bilden.»

Und ein Problem gibt es definitiv nicht mehr: Die Angestellten wohnen nicht mehr im ersten Stock der Krippe und so muss ein allfälliger Herrenbesuch nicht mehr an der Vorstandssitzung traktandiert werden.

Zurück in die Gegenwart: Heute bietet die Kinderkrippe Baden 26 Tagesplätze an. Seit rund 18 Jahren führt Judith Holzer die Krippe. Viel habe sich getan in dieser Zeit. «Die Eltern erlebe ich heute als sehr engagiert, aber auch unter einem grossen Druck stehend, auch zu genügen und die Förderung ihrer Kinder nicht zu verpassen.»

Und auch bei der Kinderbetreuung habe ein Umdenken stattgefunden. «Heute sollen Kinder mehr ausprobieren können, statt einfach nur das zu erfüllen, was man ihnen vorgibt.» Am Samstag lädt die Krippe die Bevölkerung ein, gemeinsam den 60. Geburtstag zu feiern.(mru/az)