Weihnachtsfeier des christlichen Sozialwerks Hope

«Das hier ist meine Familie.» Mit diesen wenigen Worten brachte der 71-jährige Karl auf den Punkt, was wohl einige Gäste an der Weihnachtsfeier des christlichen Sozialwerks Hope in Baden gespürt haben. Es war die Chance für Menschen, die keinen Kontakt zu ihren Verwandten haben, trotzdem Weihnachten in Gemeinschaft zu feiern. «Dieser Abend hat für mich eine grosse Bedeutung. Hier fühle ich mich willkommen», sagte er, der bereits seit 21 Jahren im Hope seinen Zufluchtsort gefunden hat. Ähnlich erging es Gabi (53), einer freiwilligen Helferin der Essensabgabe. «Ich kam zum Hope, weil ich verarmt und vereinsamt war und sozialen Kontakt brauchte. Seither bin ich sozusagen hängen geblieben», erzählte sie. Ohne Geld, um an Weihnachten zu ihrer Mutter zu fahren und ohne Kontakt zu ihrer Schwester, sieht auch sie im Hope ihren Familienersatz. «Mir geht es heute Abend darum, das Fest, das alle anderen sonst feiern, auch feiern zu können.»

«Was ist denn das Gute?»

«Wir spüren eine grosse Dankbarkeit», sagte Stephan Grossenbacher, Leiter Soziale Arbeit im Hope, der die Weihnachtsfeier im Gemeindezentrum Bethel der Pfingstmission Baden-Wettingen angeführt hat. Für das Sozialwerk war der Abend auch eine Art Jahresabschluss, an dem vom Vorstand über die freiwilligen Helfenden bis zu den Gästen vom Treffpunkt alle nochmals zusammenkamen. Serviert wurde ein komplettes Menü mit Vorspeise, Hauptgang und Dessert. Zwischen den Gängen erzählte Monika Koch-Hess, Leiterin des Wohnzentrums, die Weihnachtsgeschichte «Der vierte König». Dabei hielt sie an gewissen Stellen der Geschichte inne und besprach diese mit den Gästen. «Ist das Gute auch immer das Richtige?», fragte sie etwa das Publikum. «Was wäre denn dieses Gute? Das ist doch stets Ansichtssache», antwortete eine Dame auf die Frage und es entstand eine gute, fast philosophische Diskussion. «Ob das Gute auch das Richtige ist, wissen wir nicht. Aber es ist sicher gut, wenn man mit dem Guten vorausgeht», sagte eine andere Dame.
An einer anderen Stelle, an der es um Geschenke ging, fragte Monika Koch-Hess: «Habt ihr mal etwas verschenkt, das ihr gerne selber behalten hättet?» Darauf erzählte eine Dame, wie sie einmal eine Blume für sich selbst gekauft hatte. Danach sei sie zufällig einer Bekannten begegnete und habe ihr spontan die Blume geschenkt. «Das war eine schöne Erfahrung», sagte sie. Und eine andere Dame fügte hinzu: «Man verliert nie, was man gibt. Es bleibt immer etwas an uns hängen.»

Backen, jassen und eine Silvesterparty

Das Weihnachtsprogramm des Hope geht weiter mit einem «Guetzlibacken», das am Samstag stattfindet und einem Werknachmittag mit Raclette an Weihnachten. Danach folgen ein Jass-Nachmittag und dann ein Abendessen. Es gibt eine Silvesterparty und zuletzt einen Neujahrsapéro. Das Lokal in Baden bleibt ansonsten geschlossen und nimmt seine normalen Tätigkeiten am 2. Januar wieder auf.

Weihnachten im Spital

Im Kantonsspital Baden versammelten sich Patienten und Seelsorger für ein kurzes Fest.

Im Kantonsspital Baden versammelten sich Patienten und Seelsorger für ein kurzes Fest.

Weihnachten im Spital zu verbringen, ist das Wunschprogramm von wohl kaum jemanden. Manchmal hat man aber einfach nicht die Wahl. Entsprechend sei es besser, sich auf die positiven Dinge zu konzentrieren innerhalb des Schicksals, das uns gegeben ist. In dem Sinne las Seelsorger Jürgen Heinze an der Patientenweihnacht im Kantonsspital Baden einen Text zum Thema «mit anderen Augen sehen».

«Es gibt Momente, da bleibt der Blick hängen auf das, was schmerzt oder stört», sagte er. Deshalb sei es wichtig, manchmal die Perspektive zu wechseln. «Es ist klar eine Herausforderung, die Dinge mit anderen Augen zu sehen und es braucht einen bewussten Beschluss dazu.» Doch auch mal das Gute an den Dingen zu sehen, könne Mut machen. «Damit verdrängt man übrigens nicht die Wirklichkeit. Die drängt sich nämlich sowieso auf», sagte er mit einer Prise Humor.

Erster Eindruck: Lauter Infusionsbeutel

Die unschöne Wirklichkeit war denn auch auf den ersten Blick im Saal klar ersichtlich. Rund 50 Patientinnen und Patienten sassen gemeinsam in der Personalkantine des Kantonspitals, einige unter ihnen lagen gar auf ihren Betten, ein paar sassen auf Rollstühlen. Mehrere Infusionsmasten prägten zunächst das Bild der kleinen Feier. Wer aber weiter beobachtete, sah etwa neben den Infusionsbeuteln auch kleine Anhänger, Schutzengelchen oder Fotos und Handzeichnungen von den Enkeln der Patienten. Und vor allem sah man trotz der schwierigen Zeit, die sie gerade durchmachen, auch glückliche Gesichter. «Advent heisst nicht nur Feiern. Advent heisst ja eigentlich warten», sagte Jürgen Heinze.

Man solle die Zeit also nutzen, um etwas in Ruhe zu kommen an diesen Tagen. Und während draussen der Regen niederprasselte, spielten drinnen Sonja Jeck mit ihren Söhnen Benjamin und Manuel Weihnachtslieder mit Klavier, Cello und Trompete.

«Ich bin zufrieden und glücklich hier»

An den Feiertagen herrscht eine besondere Atmosphäre im Spital, weil der Betrieb etwas ruhiger läuft und manchmal etwas mehr Zeit da ist, sagt Jürgen Heinze. Ein Patient, der dies nun zum ersten Mal erleben wird, ist der 80-jährige Walter Meier. Nach einer Operation hätte er schon vor Weihnachten nach Hause können. Doch auf ärztlichen Rat hin entschied er, noch bis zum Stephanstag zu bleiben. «Ich bin zufrieden und glücklich hier, das Personal schaut gut zu mir», sagt er. «Ich war schon wegen so vielen Dingen im Spital», sagt er und zählt die ganze Liste auf. «Es nimmt mich nun nur noch Wunder, was als Nächstes kommt», sagt er mit Humor.

Heilig Abend wird er im Zimmer mit einem 96-jährigen Patienten verbringen, mit dem er sich bereits etwas angefreundet hat. Am Tag kämen seine Töchter vorbei, doch er besteht darauf, dass sie am Abend wieder zu Hause bei ihren Familien sind. «Ich habe zwei wunderbare Töchter, ohne sie wäre ich schon lange nicht mehr da.» Am 29. feiern dann alle gemeinsam ein grosses Geburtstagsfest: er seinen 80. und eine seiner Töchter ihren 50.