Wird einem das Velo geklaut, reagiert man meist ziemlich sauer. Nicht so Daniel Peyer. Als er und seine Frau kürzlich Campingferien in Italien genossen, waren die Velos eines Tages verschwunden. Der 43-Jährige liess sich davon nicht lange aus der Ruhe bringen. «Auf einer Ärger-Skala von eins bis zehn war das eine Eineinhalb», sagt Peyer mit einem Lachen.

Die Anekdote steht sinnbildlich für sein Wesen. Wenn er spricht, wirkt er bedacht, ruhig und weitsichtig. «Ein Richter muss in jeder Situation die Fassung bewahren und auf Menschen eingehen können», sagt Peyer. Egal, mit wem er es zu tun habe und wie schwer der Fall sei. Damit bezieht er sich auf seine Kandidatur als Gerichtspräsident am Bezirksgericht Baden: Am 25. September stellt sich Daniel Peyer zur Wahl – als Nachfolger des in Pension tretenden Guido Näf (CVP) (siehe Box links).

Es ist kurz vor acht Uhr morgens. Daniel Peyers Blick schweift von der Ruine Stein aus in die Weite. Das Plätzchen oberhalb der Stadt gefällt ihm besonders gut, weshalb er es für das Gespräch mit dem «Badener Tagblatt» ausgewählt hat. «Es ist schön zu sehen, dass Baden das Altstadtbild weitgehend erhalten hat», sagt der im Baselbiet aufgewachsene Peyer. Die engen Gassen, die Balkone, die Gärten auf den Dächern und das mittelalterliche Flair imponieren ihm. Man merkt, er fühlt sich wohl in Baden. Seit bald zehn Jahren wohnt er in der Stadt. Hier hat er auch seine Frau kennen gelernt.

Abwägen ist nicht einfach

In Basel studiert und dort das Anwaltspatent erworben, ist er heute als Gerichtsschreiber beim aargauischen Handelsgericht in Aarau beschäftigt. Gleichzeitig amtet er seit vier Jahren als Ersatzrichter am aargauischen Obergericht, wo er grösstenteils zivilrechtliche Fälle bearbeitet.

Die Arbeit als Richter hat es ihm angetan. «Am Gericht beurteilt man meist Vergangenes. Es geht darum, für ein Geschehen einen gerechten Abschluss zu finden», sagt Peyer. Im Vergleich zum Anwalt, der nur eine Seite vertritt, müsse der Richter objektiv bleiben, verschiedene Standpunkte anhören und schliesslich aufgrund des gesetzlichen Rahmens einen Entscheid fällen, wie er sagt. Dies sei herausfordernd. Auch die Konfrontation mit jeglicher Art von Fällen – traurige, beeindruckende, erschütternde. «Damit ich urteilen kann, muss ich den einzelnen Fall und das einzelne Schicksal gründlich erfassen, aber das Ganze objektiv werten.»

Abwägen sei in vielen Fällen nicht einfach, sagt Peyer: «Aber wenn ich urteile, muss ich hinter meinem Entscheid stehen können.» Dass sich die Gedanken zu Hause weiter drehen können, schliesst er nicht aus: «Manche Fälle beschäftigen mich am Wochenende. Das ist tatsächlich so, das gehört aber dazu», sagt er.

Peyer wirkt zwar ruhig, seine Meinung bringt er aber klar auf den Punkt. Auch, als er auf das Wort «Kuscheljustiz» angesprochen wird. «Das Wort ist in Mode», sagt er und fügt an: «Einfach, dass das klar ist: Der Richter hat das Gesetz anzuwenden, es aber nicht selbst zu schaffen.» Das Letztere sei allein Aufgabe des Gesetzgebers, also des Parlaments und gegebenenfalls des Volkes. «Bei der Bestrafung soll der Richter aber je nach Schwere des Falles auch an das obere Limit gehen», meint Daniel Peyer.

Auf die Frage, wie er denn mit dem Gefühl des Mitleids umgehe, antwortet er: «Selbst wenn eine schuldige Person im Strafprozess geltend macht, ein schwieriges Leben gehabt zu haben, muss eine Strafe ausgesprochen werden.» Peyer ergänzt: «Man muss auch an das Opfer denken.» Dafür brauche es Entschlossenheit und eine gewisse Härte. Apropos Härte: Er ist der Ansicht, dass Dynamik in das Rechtswesen gekommen sei. «Es werden heute in der Tendenz härtere Strafen ausgesprochen als früher», sagt er.

Beim Wandern abschalten

Für Daniel Peyer würde die Wahl zum Gerichtspräsidenten einen Karriereschritt bedeuten. «Ich bin überzeugt davon, dass ich der Aufgabe gewachsen bin.» Seit mehr als zehn Jahren als Gerichtsschreiber verschiedener Aargauer Gerichte tätig, kenne er den aargauischen Justizbetrieb und die Abläufe sehr gut. «Ich weiss, was in dieser Führungsaufgabe auf mich zukommt.» Peyer hat zusätzlich ein Nachdiplomstudium für angehende Richterinnen und Richter absolviert. Auch deshalb fühlt er sich vorbereitet auf das, was mit dem Richteramt und dem Umgang mit den Medien auf ihn zukommen würde.

Um von der Arbeit abzuschalten, geht er vor allem in die Natur: Laufen, gemeinsam mit seiner Frau wandern oder Velo fahren – wenn die Räder nicht gerade gestohlen worden sind. «Die neuen Velos sollten jeden Moment eintreffen», sagt Peyer mit einem Lachen. Apropos Freizeit: Ob er den Anzug auch dann trage? «Nein, nein, da habe ich ihn nur selten an», sagt er. Auch auf der Arbeit präsentiere er sich nicht immer nur mit Anzug und Krawatte. «Es darf manchmal gerne ‹Business casual› sein.»

So auch während des Fotoshootings auf der Ruine Stein. Die Krawatte hat Daniel Peyer weggelegt, eine Hand lässig in die Hosentasche gesteckt. Zwei, drei Posen und die Aufnahmen sind im Kasten. Dann, bevor er sich auf den Weg zur Arbeit macht, blinzelt er in die Morgensonne und geniesst ein letztes Mal die Aussicht von seinem Lieblingsplätzchen.

In einer zweiteiligen Serie stellen wir Ihnen die beiden Kandidaten vor, die sich am 25. September zur Wahl eines Gerichtspräsidenten am Bezirksgericht Baden stellen. Heute: Daniel Peyer (CVP). Morgen: Christian Fischbacher (SP).