Mägenwil

Dank Finanzausgleich: Fonds bezahlt einen Teil der Unterbringung von Boi-Mörder Kris V.

Kris V. kommt Mägenwil nun doch nicht so teuer zu stehen.

Kris V. kommt Mägenwil nun doch nicht so teuer zu stehen.

Die Steuerzahler können aufatmen: Ab 2018 übernimmt ein Fonds zwei Drittel der Unterbringungskosten für den Boi-Mörder Kris V.

Die Mägenwiler hatten am Sonntag einen finanzgewichtigen Grund zur Freude: Nach dem Ja zum Finanzausgleich und dem Ja zur Optimierung der Aufgabenteilung müssen sie ab 2018 lediglich noch 60'000 Franken jährlich für die Unterbringung von Kris V., dem Mörder der 17-jährigen Boi, aus der eigenen Tasche zahlen. Denn die neue Aufgabenteilung beinhaltet unter anderem einen Fonds für kostenintensive Einzelfälle. Dank ihm müssen Gemeinden für eine fürsorgerische Unterbringung pro Fall und Jahr maximal 60'000 Franken zahlen. Kris V. ist seit seinem Ausbruch im vergangenen Jahr in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg untergebracht und kostet die Gemeinde derzeit rund 190'000 Franken jährlich. Ab 2018 werden 130'000 Franken aus dem Fonds beglichen. In Mägenwil mit seinen rund 2100 Einwohnern entspricht dieser Betrag drei Steuerprozenten.

Gemeindeammann Daniel Pfyl (SVP) erfuhr am Sonntag via SMS-Dienst von der Annahme der Vorlage. «Ich habe aufgeatmet, als ich vom Ja erfahren habe», sagt Pfyl. Das Resultat sei in diesem Fall auch ein Zeichen von Solidarität der Aargauer Bevölkerung mit Gemeinden wie Mägenwil.

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Ausbruch Kris V.: Wie konnte das passieren? (1. Juni 2016)

Seit Samstag ist Kris V. auf der Flucht. Der Mörder von Boi ist aus der Psychiatrischen Klinik Königsfelden gewaltsam ausgebrochen. Über Gründe und die Rechtslage diskutieren Regierungsrat Urs Hofmann, SVP-Nationalrat Luzi Stamm und Thomas Knecht, Leiter Forensik des Psychiatriezentrums Herisau.

Steuersenkung denkbar

Was den Steuerfuss betrifft, so kann Pfyl noch keine verbindlichen Aussagen machen. Zur Erinnerung: Als die Gemeinde 2015 neu mit dem Fall von Kris V. konfrontiert wurde, hat der Gemeinderat aufgrund der ersten Rechnungen, die er aus der Klinik Königsfelden erhalten hatte, mit Kosten von jährlich 240 000 Franken gerechnet. Das Volk musste eine Steuerfusserhöhung von 90 auf 96 Prozent schlucken. «Wir werden nun prüfen, ob und um wie viele Prozentpunkte wir den Steuerfuss korrigieren können», sagt Pfyl. Laut Finanzplan wäre in Mägenwil ab 2018 ein Steuerfuss von 110 Prozent vorgesehen. Durch den Steuerfussabtausch zwischen Kanton und Gemeinden von drei Prozent und jene drei Prozent, welche die Gemeinde dank des Fonds spart, dürfte dieser neu eher bei 104 Prozent liegen.

Trotz dieser positiven Aussichten lag der Ja-Stimmen-Anteil mit 60 Prozent bei der Optimierung der Aufgabenteilung und 62,3 Prozent beim neuen Finanzausgleich nur leicht über dem Wert des Kantons mit 57,2 beziehungsweise 57,5 Prozent. «Mir zeigt dieses Resultat, dass viele Mägenwiler, die Nein stimmten, nicht einfach nur die Sparmöglichkeit durch den Fonds im Auge hatten, sondern sich auch solidarisch zeigten mit Kleinstgemeinden, die mit dem Finanzausgleich vermutlich zu den Verlierern gehören.» Immerhin sei Mägenwil selber auch eine kleine, ländliche Gemeinde.

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