Freienwil
Dank Unicef-Label: In Freienwil können die Kinder jetzt mitreden

Wunschbox, Workshop, Jugendparlament: Die Gemeinde hat die Rahmenbedingungen für die Kinder verbessert. Dafür hat Freienwil das Label «kinderfreundliche Gemeinde» der Unicef erhalten.

Stefanie Garcia Lainez
Merken
Drucken
Teilen
Letzte Woche hat Freienwil das Unicef-Label "kinderfreundliche Gemeinde" erhalten

Letzte Woche hat Freienwil das Unicef-Label "kinderfreundliche Gemeinde" erhalten

zvg/Unicef

Freienwil darf sich ab sofort offiziell «kinderfreundliche Gemeinde» nennen – nach Baden, Rekingen und Zetzwil als vierte Gemeinde im Kanton. Das kleinste Dorf im Bezirk hat das Unicef-Label für sein Bestreben erhalten, Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen stärker zu berücksichtigen.

Um das geht es beim Unicef-Label

Seit 20 Jahren ist die UN-Kinderrechtskonvention in der Schweiz verbindlich. Sie verpflichtet die unterzeichnenden Staaten, die Kinderrechte mit gesetzlichen Massnahmen zu schützen.

Alle Kinder haben ein Recht darauf, angemessen versorgt, gefördert und geschützt zu werden und sich am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen. In der Schweiz liegt die Verantwortung zur Umsetzung bei den Kantonen und Gemeinden.

Mit der Initiative «Kinderfreundliche Gemeinde» stellt Unicef Schweiz ein Instrument zur Verfügung, um ihre Programme und Projekte auf die Auswirkungen auf Kinder zu überprüfen und die Kinderfreundlichkeit zu verbessern. (az)

Damit werde die 1000-Seelen Gemeinde mit über 100 Schülern sicher attraktiver für Familien, sagt Gemeinderat Daniel Aeschbach. Doch das Ziel ist ein anderes: «Unser Hauptanliegen ist es, für die Kinder bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.» Diese habe man bereits auf dem Weg zum Label deutlich verbessern können.

Gemeinderat will kinderfreundlich sein

Doch von Anfang an: Vor drei Jahren beschloss der Gemeinderat nach einer Bürgerveranstaltung, noch kinderfreundlicher zu werden. Ein Jahr später entschied man sich, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, die sich mit dem Unicef-Label auseinandersetzt.

«Das Schöne daran ist, man kann sich schrittweise herantasten», sagt Aeschbach. Als Erstes füllte die Arbeitsgruppe den kostenlosen Fragebogen der Unicef aus als Selbsteinschätzung zu verschiedenen Themen wie Schule, Verkehr oder Elternmitarbeit.

«Bereits dort haben wir festgestellt, dass wir einiges besser machen können.» So hat man erkannt, dass in der Bau- und Nutzungsordnung zwar festgehalten ist, dass bei neuen Mehrfamilienhäusern 15 Prozent der Fläche als Spielfläche für die Kinder genutzt werden sollte. «Dem haben die Baukommission und der Gemeinderat bei Gesuchen bisher aber zu wenig Beachtung geschenkt.»

"Erstaunlich"

Die Arbeit mit dem Label kam gut an und die Gemeinde entschied sich, auch die weiteren Schritte anzugehen: den Fragebogen von der Unicef auswerten zu lassen und einen Workshop für die Kinder und ihre Eltern zu veranstalten.

Dort konnten sie sich dazu äussern, was ihnen besonders gefällt oder was zu verbessern wäre. «Erstaunlich war, dass die Kinder die Strassen grundsätzlich als sicher empfinden – im Gegensatz zu den Eltern», sagt Aeschbach. Auch kam heraus, dass ein Begegnungsplatz mit Spielplatz und Sitzmöglichkeiten fehlt.

Um sich schliesslich zertifizieren zu können, hat die Arbeitsgruppe einen Aktionsplan erstellt. Einen Teil davon hat die Gemeinde bereits umgesetzt: Das Leitbild wurde angepasst und seit Januar 2016 steht bei der Schule eine Wunschbox für die Kinder. Die neu eingesetzte «Kommission Unicef» wertet die eingeworfenen Ideen aus.

Kinder sollen mitreden

Generell sollen die Kinder vermehrt die Möglichkeit erhalten, mitzureden. Deshalb wird auch der Workshop alle zwei Jahre wiederholt. Und in Zusammenarbeit mit der Regionalen Jugendarbeitsstelle Surbtal ist ein Jugendparlament geplant.

«Bei jeder Gemeinderatssitzung liegt der Aktionsplan jetzt mit auf dem Tisch – sozusagen als Drehbuch», sagt Aeschbach.

Letzte Woche hat die Unicef das Label übergeben. Damit habe der Gemeinderat nun ein Instrument, mit dem er jeden Entscheid ganz strukturiert überprüfen kann, so Aeschbach. Kostenpunkt: einmalig 5000 Franken auf drei Jahre verteilt. Alle vier Jahre erfolgt die Rezertifizierung. Der Kanton übernimmt rund die Hälfte der Kosten.