Baden
Das 230-Millionen-Paket ist geschnürt - jetzt muss nur noch «Ja» gesagt werden

Mit der Schulraumplanung 2020 legt der Stadtrat den grössten je gemachten Wurf vor. 230 Millionen Franken sollen im Verlauf der nächsten zehn Jahre für Sanierung, Erweiterungen und Neubauten der Volksschule investiert werden.

Roman Huber
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«Blaue Blume», Siegerstudie des Sekundarstufenzentrums Burghalde.

«Blaue Blume», Siegerstudie des Sekundarstufenzentrums Burghalde.

Trotz 230 Millionen kein Rolls-Royce - Kommentar von Roman Huber

Seit 2005 hat die Schulraumplanung in Baden nahezu geruht. Die Gründe lagen auf der Hand: der damals ausstehende Entscheid über das Bildungskleeblatt und dann die lange Ungewissheit über die Zukunft des kantonalen Bildungssystems. Diese Kritik ist aber am Platz: Die Stadt hätte einzelne Sanierungen an Schulbauten vorausnehmen sollen. Über den Gesamtbetrag von 230 Millionen Franken hinweg gesehen ist dies aber ein zu vernachlässigender Anteil.

Es war darum ein kluger Entscheid, die Schulraumplanung der Volksschule Baden als Gesamtpaket zu schnüren. Der Betrag ist zwar erschreckend hoch, jedoch gut begründet. Der Bericht beantwortet jede bedeutende Frage. Der hohe Preis darf auch nicht über die Realität hinwegtäuschen: Die Schule erhält hier keinen Rolls Royce. Der Stadtrat trägt den Bedürfnissen der auf die Quartiere verteilten Schulstandorte nur so weit Rechnung, als es die schulischen Notwendigkeiten und die prognostizierten Kinderzahlen verlangen.

Der Spagat, die Ansprüche der Schule und der Gesellschaft (Tagesstrukturen) zu erfüllen und dabei sparsam mit den Finanzen umzugehen, ist gelungen. Einziger Wermutstropfen für die Architektenstadt: Mit dem Einzug der Modul- und Systembauweise sind die Zeiten prägender Schulbauten wohl oder übel beendet.

roman.huber@azmedien.ch

www.twitter.com/romanhuber1

«Burghalde» hat erste Priorität

Einige Sanierungen (Burghalde, Kappelerhof) gehören zu den Sofortmassnahmen, so auch die geplanten Provisorien in Rütihof, im Meierhof und beim Ländli (Tagesschule). Aufgrund des akuten Platzmangels wird die Schulanlage in Rütihof in Modul- oder Systembauweise vorgezogen. In Dättwil können bei der Höchi Wohnungen in Schulraum umgenutzt werden.

Bei den grossen Brocken wird laut Bauvorsteher Markus Schneider die Sanierung und die Erweiterung des Sekundarstufenzentrums priorisiert. Ebenso muss die Erweiterung des Kindergarten Allmend/Sankt Ursus und der Schulanlage Meierhof zügig angegangen werden, wobei im Meierhof ebenfalls aus Kosten- und Zeitgründen ein Neubau in Modul- oder Systembauweise vorgesehen ist.

Politische Entscheide folgen noch

Die grosse Sanierung der Pfaffechappe in der Innenstadt und der Schulhausneubau in Dättwil können in zweiter Priorität erfolgen, zumal in Dättwil die Überbauung Galgenbuck erst in Planung steht. Die Realisierung hänge ausserdem davon ab, wie zügig die politischen Entscheide durch den Einwohnerrat und an der Urne erfolgen können, fügt Schneider an. Insgesamt sollen 230 Millionen Franken im Verlaufe der nächsten zehn Jahre für Sanierungen, Erweiterungen und Neubauten bei Schulanlagen investiert werden. Allein für das Sekundarstufenzentrum Burghalde sind 108,7 Mio. Franken budgetiert.

Auch für die Tagesschule gerüstet

Die Entwicklung sei sehr schwierig abzuschätzen, erklärt Stadtrat Schneider. Prognosen liessen sich nicht immer so einfach machen. «Wollten noch vor zehn Jahren junge Eltern mit ihren Kindern in die Aussengemeinden ins Grüne ziehen, so stellen wir seit 2007 einen Trend zurück in die Stadt fest», ergänzt Stadtammann Geri Müller, der lange Zeit dem Schulressort vorgestanden hat.

Geplant wurde mit einer mittleren Schülerzahl von 18 Kindern pro Klasse. Die vom Einwohnerrat beschlossenen Betreuungsstrukturen sind integriert. Dabei habe man Synergien gesucht und den Bedarf von fünf Quadratmetern pro betreuten Schüler auf zwei reduziert. Bei allen Vorhaben wurde die Entwicklung im Bereich Tagesschule eingerechnet. «Wenn es die Gesellschaft erwünscht, können wir den Raumbedarf sicherstellen», so Schneider

«Stand der heutigen Weisheit»

«Die Schulraumplanung 2020 zeigt den Stand der jetzigen Weisheit auf», so Schneider. In die komplexe Planung seien mehrere Abteilungen involviert. Obschon sich diese verspätet habe, könne nicht von «verschleppt» die Rede sein, stellt Schneider klar. Ein Grund sei die lange Ungewissheit über die aargauische Bildungslandschaft gewesen.

Es liege hier keine Luxuslösung vor, erklärt Schneider. «Wir präsentieren nur Salami am Stück und nicht in Tranchen.» Unter dem Aspekt einer qualitativ hochwertigen Volksschule habe man alle gestellten Raumbedürfnisse überprüft, hält Schneider fest. Dabei habe die Schule auch Abstriche hinnehmen müssen. So soll unter anderem auf den Aussensportplatz des Sekundarstufenzentrum Burghalde verzichtet werden, nicht aber auf die geforderte Dreifach-Turnhalle.

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