Baden
Das Aus für das renommierte Möbelgeschäft ist ein Hammerschlag für die Branche

Möbelunternehmer aus der Region bedauern die Schliessung des Familienbetriebs Form+Wohnen – «City Com» reagiert. Trotzdem ist man noch überzeugt, dass kleine Möbelgschäfte in Baden überleben können.

Sabina Galbiati
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Alle bedauern die Schliessung des Familienbetriebs Form+Wohnen.

Alle bedauern die Schliessung des Familienbetriebs Form+Wohnen.

Carla Stampfli

Nach 47 Jahren geht die Ära des Möbelgeschäfts Form+Wohnen zu Ende. Als am Mittwoch die Schliessung des Badener Familienbetriebs bekannt geworden war, bekam Geschäftsinhaber Reto Schmid weit über 100 Rückmeldungen, wie er im Interview sagte.

Auch die Badener Möbelbranche hat die Nachricht hart getroffen. «Für uns ist die Schliessung ein Hammerschlag, und ich persönlich bedauere das sehr», sagt Willi Glaeser, der das Dättwiler Möbelunternehmen Glaeser WOGG AG gegründet hat. «Wir sind langjährige Partner und ‹Form+Wohnen› ist das einzige Möbelgeschäft in der Region, in dem WOGG-Design verkauft wird – unser Badener Aushängeschild also», fasst Glaeser zusammen. «Wir werden in Baden und der Umgebung einen neuen Partner suchen müssen», sagt er.
Selber ein Möbelgeschäft in der Stadt zu eröffnen, steht für den Möbeldesigner nicht zur Debatte. «Wir sind Möbelhersteller und machen Innenausbauten, da sind wir stark», sagt der 75-Jährige. Auch die vermeintlichen Konkurrenten bedauern den Entscheid von Reto Schmid. «Es ist für alle eine schlechte Nachricht – für uns, die Stadt, die Kunden», sagt Raoul Burger, der seit 20 Jahren das Möbelgeschäft In!Baden beim Kino Sterk führt. «Wir hatten über all die Jahre einen guten Austausch, haben zusammengearbeitet und geschaut, dass wir uns nicht gegenseitig das Wasser abgraben», sagt er.
Burger blickt besorgt in die Zukunft: «Der Ladenmix darf nicht weiter abnehmen, sonst verliert Baden seine Attraktivität. Das wirkt sich wiederum auf das Einkaufsverhalten und die kulturelle Vielfalt aus.» Dass die Möbelbranche leidet, ist kein Geheimnis. Von 20 Prozent Umsatzeinbussen allein im letzten Jahr spricht Reto Schmid. «Wir machen ähnliche Erfahrungen», sagt Burger.
Auch Sophie Jeuch, die seit bald 40 Jahren das Licht- und Möbelgeschäft Halde 14 in Baden führt, kämpft mit der Frankenstärke, Einkaufstourismus und Online-Handel. Keine Auskunft gab es beim Möbelhaus Lüscher. Wie bei allen Geschäften in der Stadt nagt zusätzlich der Schulhausplatzumbau am Umsatz. «Und seit kurzem die Schliessung der Tunnelgarage», sagt Burger. «Doch die Laufkundschaft hat bereits seit Anfang 2015 abgenommen», sagt er. Jeuch merkt dies mit ihrem Geschäft in der Unteren Halde nicht ganz so stark: «Es gehen zwar Stammkunden verloren, aber dafür kommen Neukunden dazu.»
«City Com» kündigt Massnahmen an
Bei der «City Com», der auch die Badener Ladengeschäfte angeschlossen sind, ist man sich der schwierigen Situation bewusst: Präsident Robert Sailer kündigt gezielte Massnahmen an. So sollen unter anderem 10 000 vergünstigte Parktickets an die Kunden verteilt werden. Gestern Abend hat die «City Com» über weitere Projekte beraten.
Trotz der schwierigen Lage wird im Gespräch mit Sophie Jeuch schnell klar: Jammern hilft nicht. «Schlechte Zeiten gibt es immer wieder, da braucht es vor allem Durchhaltewillen», sagt die 66-Jährige, die so lange weitermachen will, wie es ihr im Geschäft Spass macht. Der Online-Handel macht der Möbelfachfrau keine grosse Angst: «Nach einem gefloppten Einkauf im Internet suchen Kunden nicht selten Beratung bei mir und sind froh, wenn sie einen Sessel ausprobieren oder einen Schrank in natura sehen können.» Burger ergänzt: «Wir versuchen, mit unseren Produkten Alleinanbieter zu sein. Ausserdem verkaufen wir Accessoires aus saisonalen und limitierten Produktionen.»
Grösster Konkurrent der High-End-Möbelanbieters ist nach wie vor der Einkaufstourismus. «Doch wir führen längst Europreislisten und sind teilweise sogar günstiger als das Ausland.» In den Köpfen der Leute sei diese Botschaft noch nicht angekommen, bedauert Burger.
Jeuch geht das Risiko des Wechselkurses schon seit Jahren nicht mehr ein. «Was ich von meinen Lieferanten aus Deutschland oder Italien bekomme, verkaufe ich in Euro – und zwar zum selben Preis wie im Ausland.» Zu ihren Lieferanten pflegt sie freundschaftliche Beziehungen.
Und überhaupt: Jeuch arbeitet nur mit kleinen und, wie sie sagt, «zuverlässigen Partnern» zusammen. «Die Produkte vieler meiner langjährigen Lieferanten kann man nicht im Internet bestellen, sondern nur bei mir kaufen.» Jeuch ist überzeugt, die kleinen Möbelgeschäfte mit Charme und professioneller Beratung haben in Baden eine Überlebenschance.