Baden
Das Badener Publikum erlebte einen lachenden, «zwägen» Florian Ast

In Baden war das Nordportal keineswegs rappelvoll: Der Multiinstrumentalist und Sänger Florian Ast gab ein solides Konzert in einer beinahe familiären Ambiance .

Marc Reinhard
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Florian Ast bei seinem Konzert in Baden.

Florian Ast bei seinem Konzert in Baden.

Marc Reinhard

«Der wird eine Riesennummer in der Schweiz», wusste vor 18 Jahren schon Rolf Gersbach, der einen jungen «Giel» namens Florian Ast ins Inox auf die Bühne holte. Gersbachs Musikkeller, der exakt am Samstag als «Promi» seinen allerletzten Live-act erlebte, musste damals frühzeitig den Einlass stoppen, weil sich, noch bevor ein Ton gespielt war, 140 Leute im Kiffernebel auf den Füssen herumstanden. Sie konnten den Liveauftrittdes Mundart-Senkrechtstarters kaum erwarten. Ein paar Boulevard-Stories und vor allem neun Alben später knackt es im Triebwerk der Riesennummer.

Am Freitag waren es gnädig gerechnet etwa dieselbe Anzahl Zuschauer, die ins Nordportal tröpfelten, wo gut 600 Platz hätten. Da half es auch nichts, gegenüber der az von der Bühne herab die Vulgärsprache zu bemühen. Diese hatte in einem Artikel moniert, der Grund dafür, dass Ast nur noch in halb leeren Hallen spiele, sei möglicherweise, dass ihm die Fans seine Liebes-Eskapaden übel nähmen. Oder ist es die schwache Live-Präsenz seit Release des neuen Albums «Flöru» im Sommer 2012?

Während Ast in fotomontierter Bodybuilder-Pose von den PC-Regalen grinste, vermissten ihn seine Fans live. Ast hatte hierzulande sehr wenige Konzerte gespielt, seine Arbeit als Produzent in Kalifornien nimmt offenbar mehr Zeit in Anspruch.

Definitiv kein Grund für den dürftigen Aufmarsch ist die musikalische Entwicklung des Berners. Mit «Bundesrat» zeigt er, dass er ansprechende Popsongs schreiben kann, mit «Wie am erschte Tag» präsentiert er sich als empathischer Texter: Als Badener fühlt man sich hier intuitiv an Adrian Sterns «Amerika» erinnert.

Natürlich dürfen Stimmungsgaranten wie «Grossvatter», das «Eifache Meitschi» und natürlich «Sex» nicht fehlen im Nordportal. Die Band fällt dann und wann mit kurzen Soli auf, hält sich aber sonst als solide Einheit im Hintergrund, damit ihr Frontmann die Nähe zum Publikum suchen kann: Direkt beim Mischpult steht ein Klavier, wohin Ast für die Balladen wechselt. Und ein Meitschi aus dem Publikum darf ihn am Bühnenrand auf der Gitarre begleiten. Gepaart mit träfen Sprüchen und seinem gewinnenden Charme, sind das die Momente, die den Künstler sympathisch und nahbar machen.

Sein authentisches und bodenständiges Image mag gelitten haben, aber was das Badener Publikum zu sehen bekam, war ein lachender, «zwäger» Florian Ast. «S’läbe isch schön» kann er nicht nur jeden Tag als Tattoo auf seinem Unterarm lesen, sondern kann es auch überzeugend ins Nordportal hinaus rufen. Dabei nehmen die Hundert Fans vom Nordportal aber auch eine weitere Liedzeile von Florian Ast gerne wörtlich: «Ich chume wieder use zu de Lüt.»