Baden
Das Badener «Ventil» macht endgültig dicht

Das Badener Partylokal «Ventil» schliesst trotz eines Neuanfangs vor einem Jahr die Tore. Der Enthusiasmus und das Herzblut ist bei den Besitzern verschwunden.

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Philipp Fischer, Philipp Wuillemi, Demian Schneider und Jürg Peter

Philipp Fischer, Philipp Wuillemi, Demian Schneider und Jürg Peter

Corinne Rufli

Baden wird um ein Kulturlokal ärmer - das «Ventil» schliesst Ende Juni seine Tore. «Wir werden das ganze Inventar des ‹Ventils› verkaufen und suchen einen Nachmieter. Es läuft die letzte Runde der Verkaufsgespräche», sagt Philipp Fischer. Er ist zusammen mit Jürg Peter, Philipp Wuillemin und Demian Schneider Geschäftsleiter vom «Ventil». Die vier Überdreissiger verwandelten vor fünf Jahren einen Kleiderladen in das hippe Lokal.

Die Nachricht von der Schliessung kommt überrascheBand: Mit dem Umbau und den neu eingesetzten Geschäftsführern vor einem Jahr schien die Zukunft des Partylokals gesichert. Die zwei kulturerprobten jungen Männer Dominic Chenaux und Michi Rohrbach wurden als Geschäftsführer eingesetzt und nahmen mit Praktikant Nico Schulthess die Fäden in die Hand.

Der Laden läuft gut

Das «Ventil» sollte seinen Ruf, ein Kommerz-Schuppen geworden zu sein, abschütteln und wieder mehr Badener Kulturleben reinbringen. Und das haben die Neuen auch geschafft. Der Laden läuft wieder gut.

Trotzdem will die Geschäftsleitung einen Schlussstrich ziehen. «Wir sind älter geworden und fragten uns auf einmal: ‹Wollen wir mit 35 wirklich noch Clubbesitzer sein?›», sagt Wuillemin. «Der Enthusiasmus und das Herzblut waren verschwunden.» Es habe sich in diesem Jahr ein Prozess vollzogen. Die Neuen hätten vieles anders gemacht. Es sei nicht einfach gewesen, Entscheidungen abzugeben, sind sich die vier einig. Fischer: «Das ‹Ventil› war unser Baby. In diesem Jahr haben wir zu ihm Distanz gewonnen. Der Zeitpunkt ist gekommen, es loszulassen.» Zu diesem Ablösungsprozess kamen auch noch Differenzen mit den Geschäftsführern. «Wir hatten andere Ansichten als sie», sagt Schneider. Eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr möglich.

Neue Geschäftsführer enttäuscht

Schwer enttäuscht vom plötzlichen Ende sind die neu eingesetzten und jetzt entlassenen Geschäftsführer. «Wir hatten so viel Energie ins ‹Ventil› investiert», sagt Chenaux. «Unser Konzept war auf Langfristigkeit und Zusammenarbeit angelegt, eine Geschäftsübernahme braucht Zeit und Einsatz von allen Beteiligten.»

Mit einigen Veranstaltungsserien hatten sie bereits Erfolg. Das ‹Ventil› sei wieder mehr für die Badener geworden. Der Beginn verlief aber harzig. «Wir hatten nicht die gleiche Philosophie wie die Geschäftsleitung», sagt Schulthess. Es sei eine schleppende Übernahme gewesen. «Wir mussten mehrere Dämpfer einstecken und dann kam die Nachricht vom Verkauf», sagt Chenaux. «Unsere Motivation hat dadurch sehr gelitten. Ich bin jetzt froh, ist die Saison fertig.»

Dass aber nie mehr getanzt wird im ‹Ventil›, ist auszuschliessen: «Wir suchen einen Nachmieter, der den Club weiterführt», sagt Jürg Peter. Es gibt mehrere Interessenten. Auch die Stadt Baden hatte sich das Lokal angeschaut. «Wir haben das ‹Ventil› als möglichen Standort für das Kulturlokal merkker geprüft», sagt Sacha Studer, Leiter Jugendarbeit. «Aber so wie das Haus gebaut ist, passt es nicht in das ‹merkker›-Konzept. Die Kosten für einen Umbau wären zu hoch und die Lage im Wohnquartier ist nicht ideal.»