Baden
«Das Bedürfnis für einen Mittagstreff hat rasant zugenommen»

Auf das neue Schuljahr soll in der Stadt Baden ein zweiter Mittagstreff mit einem Verpflegungsangebot für die Oberstufe eröffnet werden. Die Nachfrage steigt immer mehr.

Roman Huber
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Der Mittagstreff Oberstufe im «Falken» wird täglich überrannt. nbo

Der Mittagstreff Oberstufe im «Falken» wird täglich überrannt. nbo

Der Einwohnerrat soll im Hochhaus Linde einen zweiten Mittagstreff für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe ermöglichen. Der Stadtrat unterbreitet ihm eine entsprechende Vorlage, die einen Betriebskredit von 71800 Franken und einen Kredit für die Einrichtung im Betrage von 60000 Franken beinhaltet.

Seit August 2010 führt die städtische Abteilung Kinder Jugend Familie (KJF) im «Falken» einen Mittagstreff für Oberstufenschüler. Der für 45 angemeldete Schüler ausgerichtete Betrieb wird heute täglich von 60 bis 70 Jugendlichen besucht.

«Das Bedürfnis hat rasant zugenommen, seit es diesen Mittagstreff gibt», sagt Stadtammann Stephan Attiger. Es sei weit grösser als das Angebot. Bis die geplante Mensa im neuen Oberstufenzentrum Burghalde in Betrieb gehen wird, dauert es allerdings noch länger. «Wir müssen nun reagieren und können nicht länger zuwarten», sagt Attiger.

Bereits existiert eine Warteliste für den Mittagstreff. Die Fachstelle Jugendarbeit betreibt ihn auch als niederschwelligen Treffpunkt. Es stehen ein Raum für Hausaufgaben, PC-Arbeitsplätze, eine Lese- und Ruheecke sowie verschiedene Spiele zur Verfügung.

Anteil auswärtiger Schüler steigt

Die Schüler können gegen eine kleine Entschädigung sogar im Betrieb helfen und machen dabei erste Arbeitserfahrungen. Nicht angemeldete Schüler können den Treff spontan besuchen und ihr Essen von zu Hause mitnehmen.

Die Schüler, die den Treff heute nutzen, wohnen zu 70 Prozent in Baden. Der Anteil auswärtiger Schüler steige jedoch, stellt die Fachstelle Jugendarbeit fest. «Eine Beteiligung an den Betriebskosten ist für auswärtige Schüler nicht über die Schulgelder geregelt», sagt Stadtammann Attiger.

Man müsse jedoch über kurz oder lang diesbezüglich das Gespräch mit diesen Gemeinden suchen. 69 Prozent der Schüler besuchen die Bezirksschule, 28 die Sekundar- und 3 Prozent die Realschule.

Künftige Unterstützung ungewiss

Der bestehende Mittagstreff wird von Bund, Kanton und der Katholischen Kirchgemeinde Baden-Ennetbaden bis ins Schuljahr 2013/2014 finanziell unterstützt. Für die Stadt fallen jährlich Nettokosten von durchschnittlich 65000 Franken an. Der Aufwand für die Mahlzeiten wird durch die Elternbeiträge von 10 Franken pro Essen abgegolten. Beim zweiten Mittagstreff ist es noch offen, ob Kanton und Bund etwas beisteuern werden; in der Vorlage an den Einwohnerrat ist keine Mitfinanzierung eingerechnet.

Unbefriedigende Situation

Stadtammann Attiger spricht von einer unbefriedigenden Situation, nachdem der Grosse Rat unlängst eine Vorlage zu den Tagesstrukturen bachab geschickt hat. Derzeit sind im Grossen Rat mehrere Vorstösse hängig. Ein kantonales Gesetz, das die Unterstützung beziehungsweise die Mitfinanzierung regeln würde, ist zwar in den meisten politischen Kreisen erwünscht, wird aber wohl noch eine Weile auf sich warten lassen.

Die Stadt Baden werde so oder so bei der Schulraumplanung die notwendigen Räume für die Strukturen der Tagesbetreuung berücksichtigen, schickt der Stadtammann voraus. Die Tagesbetreuung sei in der heutigen Gesellschaft ein Bedürfnis geworden, das nicht ignoriert werden könne. Funktionierende Tagesstrukturen gehören laut Attiger ausserdem zur Standortattraktivität.