Zuerst die gute oder die schlechte Nachricht? Beginnen wir mit der Guten. Das ehemalige Kino Royal an der Haselstrasse wird nun doch nicht einer Grossüberbauung weichen müssen. Die schlechte Nachricht für die «Royalisten»: Der Kulturbetrieb wird spätestens Ende Juni 2016 eingestellt, dann läuft der Mietvertrag zwischen der Eigentümerin und der Stadt Baden aus.

«Eine Verlängerung der Zwischennutzung, wie es die Stadt Baden vorgeschlagen hat, ist vonseiten der Grundeigentümerin nicht vorgesehen», heisst es in einer Mitteilung der Stadt, die das ehemalige Kino an den Verein Royal untervermietet. Die Stadt Baden bedauere den Entscheid. «Wir haben uns um eine Fristerstreckung der Zwischennutzung bemüht, bis eine konkrete Planung des Postareals vorliegt», ergänzt Stadtrat und Bauvorsteher Markus Schneider.

Gleichzeitig relativiert er: «Es war immer von einer kulturellen Zwischennutzung die Rede.» Die Stadt habe denn auch nie eine Dauerlösung angestrebt. «Eine solche wäre mit grossem finanziellem Aufwand verbunden», so Schneider. Man sei aber im Zusammenhang mit der Planung des Postareals weiterhin mit dem Eigentümer im Gespräch.

Schockstarre bei Betreibern

Jean-Pierre Gallati, Anwalt der Grundeigentümerin Zuriba AG, bestätigt die Pläne: «Die Eigentümerin plant, im jetzigen Gebäude Verkaufsläden mit verlängerten Öffnungszeiten für den täglichen Bedarf einzurichten.» Auf die Frage, weshalb die Zuriba AG ihre Idee einer Gesamtüberbauung begraben hat und nun stattdessen auf Verkaufsläden im Gebäude des ehemaligen Royals setzt, gibt Gallati keine Auskunft.

Die Nachricht des Erhalts des Royals und des gleichzeitig definitiven Endes des Kulturbetriebes wird in Baden mit gemischten Gefühlen aufgenommen. «Es gibt zwei Betrachtungsweisen», sagt Einwohnerrat Hannes Streif (Team Baden). Streif wollte im Dezember 2013 mit einer Anfrage vom Stadtrat wissen, ob er gewillt sei, bei der Planung des Badener Postareals den Erhalt und die Integration des Kinos Royal zu prüfen. «Aus städtebaulicher und kulturhistorischer Sicht ist der Erhalt des Kinogebäudes eine sehr gute Nachricht.»

Er sei immer überzeugt gewesen, dass man das Postareal neu gestalten und trotzdem Altes erhalten könne. «Was die kulturelle Nutzung betrifft, ist der Entscheid aber bedauerlich», so Streif. Es sei kaum möglich, an einer solch zentralen Lage einen Ersatz zu finden. Streif: «Das Lamento des Stadtrats bringt gar nichts: Das Royal ist ein weiterer Beweis, dass sich die Stadt Baden zu wenig für solche Brachen einsetzt. Einmal mehr verschlingt der Hunger nach Kapitalrendite einen etablierten kulturellen Wert.» In erster Linie müsse darum der Stadtrat planerisch alles daransetzen, einen solchen kulturellen Ort zu ermöglichen.

Cindy Wittmer von der Gruppe «Baden ist. Royal.», welche sich für den Erhalt des Kulturbetriebs starkmacht, hat kein Verständnis für den Entscheid des Eigentümers. «Klar, es ist schön, dass das Royal stehen bleibt.» Aber es sei völlig unverständlich, dass an dieser Lage Geschäfte für den täglichen Bedarf geplant seien. «Wir hätten uns gewünscht, dass der Eigentümer zusammen mit der Stadt Baden die Anforderungen an die Nutzung des Gebäudes vor dem Entscheid klar kommuniziert», so Wittmer. Man werde aber jetzt erst recht weiter für den Erhalt des Kulturbetriebs im Royal kämpfen. «Wir haben bereits rund 5000 Unterschriften für unsere Petition zusammen, die wir dem Stadtrat bald überreichen werden», stellt Wittmer in Aussicht.

Marc Angst, Mitglied der Betriebsgruppe vom Verein Royal Baden: «Zuerst habe ich mich gefreut, als sich gelesen habe, das Royal soll erhalten bleiben.» Doch diese Freude sei schnell einer Schockstarre gewichen. «Der Entscheid, dass Ende Juni 2016 endgültig Schluss sein soll, erreicht uns ohne Ankündigung und aus heiterem Himmel; es sind keine Gespräche mit der Stadt oder der Eigentümerschaft gelaufen.» Angst weist darauf hin, dass eine weitere Verlängerung des Mietvertrages nicht ausgeschlossen war. «Nun ist diese diskussionslos vom Tisch, was mich entsetzt. Dies umso mehr, als sich das Royal zurzeit so grosser Beliebtheit wie noch nie erfreut», so Angst.

Bedauern auch bei Kulturchefin

Auch die Badener Stadträtin und Kulturchefin Daniela Berger bedauert, dass mit der Eigentümerin keine Lösung gefunden werden konnte: «Was hier im Royal in den drei Jahren entstanden ist, hat für die Stadt Baden einen sehr hohen Wert.» Der Stadtrat habe mit der Eigentümerin intensive Gespräche geführt und auf eine Verlängerung der Zwischennutzung gehofft – leider ohne Erfolg. «Wir werden uns im Rahmen unserer Möglichkeit dafür einsetzen, die Betreiber bei der Suche nach einem allfälligen neuen Standort zu unterstützen», sagt Berger.