Seit Anfang April ist im ehemaligen Restaurant Metropol an der Schartenstrasse wieder Leben eingekehrt. Dies, nachdem das ehemalige Restaurant über ein Jahr leer stand. Zwar hat nicht etwa ein neues Restaurant seinen Betrieb aufgenommen. Dennoch sind Lebensmittel im Spiel: Die Arwo – die Stiftung für Menschen mit Beeinträchtigung – hat sich mit ihrer Lebensmittelproduktion im «Metropol» eingerichtet.

«Bisher haben wir unsere Produkte – Teigwaren, Gewürzmischungen, Dörrfrüchte oder Saucen – in unserer Küche im Wohnheim hergestellt», sagt Felix Pente, Abteilungsleiter Gastronomie und Hauswirtschaft bei der Arwo.

 

Doch der Platz sei immer enger geworden, zumal man in der Arwo-Küche auch immer mehr Mahlzeiten zubereitet. «Deshalb waren wir schon länger auf der Suche nach einem geeigneten Raum», so Pente, der seit fünf Jahren bei der Arwo ist und vorher während sieben Jahren das Restaurant Roter Turm in Baden führte.

Stadt hat langfristige Pläne

Im ehemaligen «Metropol» erinnert nur noch die Ausschanktheke an ein Restaurant. Überall stehen Kartonschachteln, gefüllt mit Teigwaren; eine grosse Teigwaren-Trocknungsanlage dominiert den Raum. Arwo-Bewohner bekleben die Schachteln mit der jeweils richtigen Etikette. Das alles geschieht unter der Aufsicht von Heinz Ammann, dem Leiter der Teigwarenmanufaktur. Eigentlich wäre der ehemalige Küchenchef schon im Rentenalter. «Doch ich wollte nochmals etwas Sinnvolles machen und bin glücklich, hier etwas aufbauen zu können», so Ammann.

Felix Pente bestätigt denn auch, man werde dank der neuen Produktionsstätte das Angebot weiter ausbauen. Dies nicht zuletzt vor dem Hintergrund, des eigenen Web-Shops der ab Anfang Juni aufgeschaltet wird (siehe rechts). «Alle Produkte, die wir hier frisch herstellen, können ab nächsten Monat auf dem Web-Shop – aber natürlich auch in unserem Laden Arwola – bezogen werden», so Pente.

Nach welchen Kriterien werden den die geeigneten Manufaktur-Mitarbeiter gesucht? «Das ist natürlich kein Wunschkonzert», sagt Pente lachend. Aber selbstverständlich achte man darauf, dass es Bewohner sind, die über eine gewisse Fingerfertigkeit verfügten. «Ich kann Ihnen aber versichern, die Arbeit hier gefällt unseren Mitarbeitern», sagt Pente.

Tatsächlich: Manuel Steiner und Daniel Bule, beide angelernte Bäcker und Konditoren, macht die Arbeit sichtlich Spass. «Wir wollten schon immer etwas mit Lebensmittel machen.» Und auch Fatbardhe Bardheca sagt: «Hier zu arbeiten ist eine gute Abwechslung und ich bin stolz, bei der Produktion dabei zu sein.»

Wäre es gar denkbar, dass die Arwo im «Metropol» dereinst wieder eine Beiz führt? Immerhin betrieb sie während acht Jahren das Restaurant und den Kiosk im Terrassenschwimmbad Baden. «Abgesehen davon, dass es sich hier nur um eine Zwischennutzung handelt, ist das ausgeschlossen», betont Pente. «Erstens hat es genügend Beizen in der Region, da müssen wir nicht auch noch mittun.

Und zweitens haben uns die Erfahrungen der Badi-Beiz gelehrt, dass es nicht ganz einfach ist, Personen mit Einschränkungen ein Restaurant führen zu lassen.»

Das Gebäude gehört der Stadt Baden. Der Leiter der Abteilung Liegenschaften Manfred Schätti bestätigt auf Anfrage: «Ja, es handelt sich lediglich um eine Zwischennutzung.» Man werde dem Stadtrat diesen Sommer/Herbst Pläne für die Nutzung des gesamten Grundstücks vorlegen. Die Zwischennutzung sei eine klassische Win-win-Situation. «Uns war es wichtig, das Lokal wieder zu beleben, bis eine definitive Lösung steht. Auf der anderen Seite konnten wir der Arwo mit einem moderaten Pachtzins entgegenkommen», so Schätti.

Arwo-Geschäftsführer Roland Meier zeigt sich denn auch sehr erfreut über die neue Manufaktur. «Es ist nicht ganz einfach, in der Region passende Räumlichkeiten zu finden; wir sind froh, fürs Erste eine Lösung gefunden zu haben.» Auf die Dauer wäre aber auch das ehemalige «Metropol» zu klein. «Wir wollen künftig unser Angebot noch weiter ausbauen im Bereich der Lebensmittelproduktion. Denn die heutigen Arbeitsplätze in der Industrie geraten immer mehr unter Druck», sagt Meier.

Mit einem grösseren Angebot könnten einerseits Arbeitsplätze geschaffen und wichtige Erträge erwirtschaftet werden. «Dabei spielt auch der neue Web-Shop eine wichtige Rolle. Nicht nur, weil wir so unsere Produkte besser verkaufen können, sondern weil mit ihr auch neue Arbeitsplätze in der Logistik entstehen könnten», ist Meier überzeugt.

Gaucho-Projekt zurückgezogen

Vor Jahr gab es noch Pläne, das «Metropol» wieder als Restaurant zu betreiben. Doch ein Interessent zog sich dann wieder zurück. Das «Metropol» war bei seinen Stammgästen vor allem wegen der exotischen Küche und nicht zuletzt wegen der köstlichen Pides bekannt und geschätzt. Zudem lockte das «Metropol» Filmliebhaber und Gourmets während über zehn Jahren in den lauschigen Hinterhof, wo im Open-Air-Kino Filme aus aller Welt gezeigt wurden. Das Spezielle: Aufgetischt wurden jeweils immer Köstlichkeiten aus dem Land, von dem an diesem Abend auch der Kinofilm handelte.