Die Nachricht, wonach das Möbelgeschäft Form+Wohnen schliesst, sorgte vor drei Monaten für viel Gesprächsstoff in der Stadt. Nach 47 Jahren macht das traditionsreiche Möbelgeschäft gleich neben dem Stadtturm dicht. Als Hauptgründe gab Inhaber und Geschäftsführer Reto Schmid unter anderem das veränderte Kundenverhalten – Stichwort Onlinehandel – und den hart umkämpften Markt in Kombination mit dem derzeit starken Franken an.

Fünf Tage vor dem endgültigen Ende trifft das Badener Tagblatt den 42-Jährigen in seinem Reich. Noch stehen einzelne Möbel im Geschäft, viele davon mit stark reduzierten Preisen. «In den letzen drei Monaten sind wir fast alle Lagerbestände losgeworden», resümiert Schmid. Aufgrund der reduzierten Preise hätte die Nachfrage nochmals markant angezogen. «Viele Kunden realisierten, dass die Möbel jetzt sogar deutlich billiger sind als in Deutschland», sagt er lachend. «Einmal musste ich fast einen Streit schlichten, weil zwei Kunden die gleiche Lampe wollten.»

Doch nicht nur Möbelstücke vor Ort seien gefragt gewesen. «Im März und April gingen nochmals sehr viele Neubestellungen ein.» Das habe auch zur Folge, dass das Geschäft zwar wie angekündigt am 30. Juni die Läden dichtmachen wird, «wir aber noch bestimmt bis September ausliefern und wo gewünscht auch Montagen vornehmen werden», sagt Schmid.

Trotz des temporären geschäftlichen Hochs sei er aber nie ins Grübeln gekommen, ob die Geschäftsschliessung der richtige Schritt ist. «Längerfristig hätte ich mit den Einnahmen den Unterhalt der Liegenschaft nicht mehr stemmen können. Ich glaube nicht, dass sich der Markt langfristig auf das frühere Niveau erholt.»

Abschluss-Fest in Barcelona

Doch auch emotional seien die letzten Monate intensiv gewesen, so Schmid. «Wir erhielten sehr viele Reaktionen. Vor allem unsere Stammkunden reagierten bei allem Bedauern mit sehr viel Verständnis.» Es habe auch emotionale Momente gegeben. «Als plötzlich zwei ehemalige Lehrtöchter mit einer Magnumflasche bei mir im Geschäft standen – da sind auch bei mir ein paar Tränen geflossen.» Viele Kunden hätten ihm ausserdem zum Mut gratuliert. «Hinzustehen und einzuräumen, dass es nicht mehr wie gewünscht läuft, war in der Tat nicht einfach.»

Besonders erfreut ist Schmid, dass alle seine Mitarbeiter eine neue Stelle gefunden haben. Seine langjährige Mitarbeiterin Diana Schmid werde sich im Bereich Vorhänge und Textilien sogar selbstständig machen. «Sie bedeuten mir alle sehr viel und werden mir entsprechend am meisten fehlen.» Als Dankeschön habe er seine Belegschaft Ende Mai für vier Tage nach Barcelona entführt, wo man gemeinsam lachend und weinend das Ende «gefeiert» habe.

Gross-Detaillist klopfte an

Und nun zur Frage, die wohl manchen Badenern unter den Fingernägeln brennt: Wer zieht in die Räumlichkeiten beim Stadtturm ein? «Im ersten Obergeschoss wird das Reisebüro Twerenbold bleiben. Und auch meine Eltern bleiben in der Wohnung im obersten Stock.» Zu vermieten sind demnach noch das EG (heutiger Schauraum) sowie das 2. und 3. Obergeschoss. «Ohne, dass wir je etwas ausgeschrieben haben, wurden wir mit Anfragen überhäuft», verrät Schmid. Sogar ein grosser Detailhändler habe kurz Interesse für einen Foodbereich signalisiert.

Um es vorneweg zu nehmen: Der oder die neuen Mieter stehen noch nicht fest. «Aber es laufen Verhandlungen; ich gehe davon aus, dass bis spätestens im August klar ist, wer hier einziehen wird.» Schmid betont dabei, dass er sich sehr wohl bewusst sei, dass die Bevölkerung ein sehr grosses Interesse an einem attraktiven Ladenmix habe. «Und nicht zuletzt achten wir bei der Auswahl möglichst darauf, angrenzende Geschäfte – teils von Freunden von mir betrieben – mit dem neuen Angebot nicht unnötig zu konkurrenzieren.»

Kommenden Donnerstag schliesst das Traditionshaus nun endgültig. Reto Schmid betont aber: «Die Firma wird nicht liquidiert. Ich werde bestimmt noch bis Ende Jahr für die Kunden da sein für Privatberatungen und Neubestellungen; es gibt einfach keinen Schauraum mehr. Zu tun gebe es sowieso noch viel in den nächsten Monaten. «Wir werden das Gebäude umfassend sanieren, damit das Haus wieder für die Zukunft gewappnet ist.»

Und wie sieht es mit seiner persönlichen Zukunft aus? «Ich arbeite an verschiedenen neuen Ideen; konkret ist aber noch nichts», so Familienvater Schmid. Er werde sich aber die nötige Zeit geben, die richtigen Entscheide zu fällen. «Nur eines ist sicher. Auf der faulen Haut werde ich nicht liegen. Das kann ich gar nicht.»