Filmfestival

Das «Fantoche» ist ganz in Frauenhand - und zum ersten Mal auch online

Erstmals nicht nur im Kinosaal: Das 18. Internationale Festival für Animationsfilm in Baden ist gestern eröffnet worden. Auch zu Coronazeiten zieht das «Fantoche» ein internationales Publikum an.

Wenn das «Fantoche» jeweils nach Baden lädt, wird die Stadt zum Zentrum der nationalen und internationalen Filmszene. Unter den Gästen und Teilnehmern sind regelmässig Oscar- und Golden-Globe-Gewinner. Wegen Corona fallen diese hoch dotierten Veranstaltungen in diesem Jahr weg.

Die Filmschaffenden reisen trotzdem an – auch wenn sie bei ihrer Rückkehr Zuhause in Quarantäne müssen. Trotz Pandemie eröffnete das Internationale Festival für Animationsfilm die 18. Ausgabe gewohnt originell und schrägt. Im Zentrum der Jubiläumsausgabe − das «Fantoche» fand vor 25 Jahren zum ersten Mal statt − stehen Heldinnen jeglicher Couleur und Gastland Dänemark mit seiner herausragenden Animationsfilmindustrie. Eine Retrospektive widmet sich der deutschen Scherenschneiderin und Animationsfilmpionierin Lotte Reiniger.

Das «Fantoche» war bereits bei der Eröffnung am Dienstagabend fest in Frauenhand. Bühnenkünstlerin Jane «the Pain» Mumford im schwarzen Superheldinnen-Umhang mit silbernen Leggins und Schauspielerin Momo «the Maniac» Kunz in pinker Powerfrau-Lederkluft starteten die 18. Ausgabe lautstark mit Bonnie Tylers «I need a Hero».

Unter Trommelwirbeln übergaben die beiden Moderatorinnen das Wort an Christine Egerszegi, Vorstandspräsidentin des «Fantoche» und frühere National- und Ständerätin. An das Publikum gewandt sagte sie: «In einer Zeit, in der die Kultur durchgeschüttelt wird, ist es umso ermutigender, heute Ihre Vorfreude auf das Festival zu spüren.»

Wie Ivo Kummer, Filmchef des Bundesamtes für Kultur und einziger Mann auf der Bühne, gratulierte Christine Egerszegi zu einem Vierteljahrhundert «Fantoche», das sich auch durch Pandemien nicht unterkriegen lasse.

Keine geringere als die höchste Aargauerin, Grossratspräsidentin Edith Saner, hiess das Animationsfilmfestival im Namen des Kantons willkommen. «2012 wurde das Fantoche zu einem der Kulturleuchttürme des Aargau ernannt», erinnerte sie die rund 300 Gäste, die alle Masken trugen. Zwar wegen den Coronamassnahmen, aber doch auch passend zum diesjährigen Festivalthema. Für alle Heldinnen, «die schliesslich auch Hunger haben», nahm Edith Saner Müesli aus ihrem Wohnort Birmenstorf mit.

Pippi Langstrumpf ist die Heldin der Festivaldirektorin

In der Städtischen Agenda sei das «Fantoche» seit 25 Jahren eines der Höhepunkte, sagte auch die Badener Frau Vizeammann Regula Dell’Anno-Doppler. «Aus dem zarten Pflänzchen der Pionierjahre ist ein richtiger Garten entstanden: lebendig, vielfältig, überraschend, wild und gleichzeitig akkurat gepflegt, mit vielen geheimen, lauschigen Ecken, mit knalligen Farben, mit feinen, fast unscheinbaren Blüten», ergänzte sie. Dass dieser Garten hier in Baden existiere und gedeihe, freue und ehre die Stadt.

Wer ihre persönlichen Heldinnen seien, wollte Moderatorin Jane Mumford von Festivaldirektorin Annette Schindler wissen. «Eine meiner Heldinnen ist Pippi Langstrumpf. Sie hat mega viel Kraft, ist unabhängig und hat Humor.» Auch auf der Leinwand gebe es an der diesjährigen Ausgabe des «Fantoche» viele Heldinnen zu entdecken, von gefährlichen Hexen übe kluge Forscherinnen zu wilden Cowgirls. Bis Sonntag zeigt das Festival 338 Kurzfilme und 23 Langfilme, erstmals einen Teil auch online.

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