Als Adrian Schoop vor zwei Jahren das Amt als Gemeindeammann von Turgi antrat, war die Finanzsituation «äusserst angespannt»: 2 Millionen Franken hatte das Minus im abgelaufenen Jahr betragen.

Wie schwer ein Minus in dieser Höhe für eine kleine Gemeinde wie Turgi mit knapp 3000 Einwohnern wiegt, zeigte der Gemeindeammann mit einem Vergleich auf: «Wir müssten den Steuerfuss theoretisch um nicht weniger als 33 Prozentpunkte anheben, um ein Defizit von 2 Millionen Franken Jahr für Jahr decken zu können.»

Eine Steuererhöhung von drei Prozent kam zwar indirekt zustande, indem der Steuerfussabtausch mit dem Kanton nicht an die Bevölkerung weitergegeben wurde. Doch abgesehen davon kam für den Turgemer Gemeinderat eine Steuererhöhung nicht infrage. Schoop, der auf kantonaler Ebene für die FDP und in Turgi für die bürgerliche Vereinigung politisiert, erklärte: «Ein Unternehmen kann seine Preise auch nicht beliebig anheben. Wir brauchen eine Strategie mit Massnahmen, um den Finanzhaushalt wieder in den Griff zu bekommen», sagte er kurz nach seinem Amtsantritt.

Vermögen statt Schulden

Heute, ziemlich genau zwei Jahre nach dem «2-Millionen-Schock», wie es Schoop nennt, konstatiert er: «Die Finanzen von Turgi sind wieder im Lot, haben sich stabilisiert.» Als Beleg hierfür dient die Jahresrechnung 2018, die seit dieser Woche vorliegt und ein Plus von 2,769 Millionen Franken aufweist. Budgetiert war ein Defizit von 179'000 Franken.

Im Vergleich zum Rechnungsabschluss vor zwei Jahren hat sich das Resultat somit um fast 5 Millionen Franken verbessert. Das Plus des vergangenen Jahres wirkt sich auch auf die Vermögenssituation aus: Aus der Nettoschuld von Ende 2017 ist zwölf Monate später ein Nettovermögen von 2,16 Millionen Franken geworden. Und dies, obwohl Turgi auch in den vergangenen zwei Jahren nicht darauf verzichtete, Investitionen zu tätigen und beispielsweise den Dorfplatz aufwertete.

Vom Sorgenfall zum Wunderkind innert zweier Jahre – die Frage liegt auf der Hand: Wie war es für Turgi möglich, der finanziell prekären Situation zu entrinnen? Es ist eine Frage, die dem Gemeinderat inzwischen auch regelmässig von Vertretern anderer Orte gestellt wird. Dass das Ergebnis 2018 derart gut ausfiel, lag zwar unter anderem an der Marktwertanpassung der Grundstücke und Liegenschaften von rund 2 Millionen Franken.

Daneben hat Turgi in den letzten Jahren aber «jeden Stein umgedreht», so Schoop. Als wichtigsten Faktor für die Wende bei den Finanzen nennt er das Personal. «Wir verfügen über ein hochkompetentes Team, das seine Aufgaben sehr ernst nimmt. Es tönt wie eine Floskel, aber die Aufgaben einer Gemeinde sind so komplex, dass man auf sehr gut ausgebildete Angestellte angewiesen ist.»

Als sich das Millionendefizit abzeichnete, zog der Gemeinderat die Notbremse – das Arbeitsverhältnis mit dem Leiter Finanzen wurde in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst. Wenige Wochen später zogen sich Gemeinderat und Verwaltung zu einer Klausur zurück; diese fand, der finanziellen Lage entsprechend, nicht in einem teuren Hotel, sondern in einer Beiz in Würenlingen statt.

Beschlossen wurden diverse Massnahmen, die nun offenbar ihre Wirkung entfaltet haben. Schoop: «Wir haben auf der Verwaltung alle Prozesse überprüft. Es zeigte sich dabei auch, dass scheinbar kleine Massnahmen Wirkung entfalten können.»
Steuern rigoros eingetrieben

Inzwischen hat nicht mehr jeder Mitarbeiter seinen eigenen Drucker, es wird auf den Papierverbrauch geachtet und nicht bei jedem technischen Problem sofort ein externer Mitarbeiter gerufen.

Auf Internetanschlüsse, die nicht mehr gebraucht werden, wird verzichtet, und Verträge mit Anbietern von Kopierern vereinheitlicht. Hinzu komme, dass alle Mitarbeiter in der rund 25-köpfigen Verwaltung grosse Budgetdisziplin an den Tag legten: «Bei vielen Ausgabenposten haben wir das Budget unterschritten», so Schoop.

Daneben hätten die einzelnen Abteilungen ein Augenmerk darauf gelegt, alle Gelder abzuholen, die der Gemeinde zustehen. «Ein entscheidender Punkt sind die Steuerausstände. 2016 trieben wir noch 24'000 Franken von Bewohnern ein, die Steuerschulden bei uns hatten. Vergangenes Jahr belief sich die Summe auf 300'000 Franken.» Das war mittels rigorosen Steuerinkassos möglich sowie auch, indem Gespräche mit den säumigen Steuerzahlern geführt und gemeinsam Abzahlungspläne erarbeitet wurden.»

Auch bei den Alimenten hat die Gemeinde Massnahmen ergriffen: «Es kommt regelmässig vor, dass zahlungspflichtige Väter im Ausland leben und keine Alimente zahlen, sodass die Gemeinde einspringen muss. Wir haben eine externe Firma beauftragt, diese Leute aufzuspüren und das Geld einzutreiben.»

Darüber hinaus hat Turgi auch Einsparungen getroffen, die in der Region nicht nur gut ankamen; so wurden die Beiträge fürs Kurtheater oder die Stadtbibliothek gekürzt. «Wichtig war uns aber immer, dass wir Einsparungen treffen, ohne dass die Bevölkerung darunter leidet», sagt Schoop.

Noch sei es zu früh zu behaupten, Turgi sei finanziell saniert. «Aber wir sind stabil und auf gutem Weg. Und wir dürfen sicher von uns behaupten, dass wir ein gesunder Partner für eine Fusion wären.» Vergangenen Mai gab der Gemeinderat Turgi bekannt, eine Fusion mit Baden prüfen zu wollen. «Finanziell gut dazustehen, ist meines Erachtens eine wichtige Voraussetzung dafür, dass eine Partnergemeinde einem Zusammenschluss zustimmen würde.»