Baden
Das Franzosenhaus soll neu erbaut werden

Mit der Busbefreiung der Weiten Gasse liesse sich der historische Zustand beim 1945 abgerissenen Franzosenhaus in Baden wieder herstellen. Die CVP hat ein entsprechendes Postulat eingereicht.

Roman Huber
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«Wiederaufbau Franzosenhaus»

«Wiederaufbau Franzosenhaus»

Zur Verfügung gestellt

Mit seinem Postulat «Wiederaufbau Franzosenhaus» bittet CVP-Einwohnerrat (und Parteipräsident) Matthias Gotter den Stadtrat, zu prüfen, ob ein Wiederaufbau des 1845 abgerissenen Franzosenhauses sinnvoll und möglich sei und welche Kosten dabei anfallen würden. Das Franzosenhaus stand am südlichen Ende der Weiten Gasse und schloss diese ab. Der Vorstoss wird von der ganzen CVP-Fraktion unterstützt.
Illusion wird nachträglich Realität?

Die Aussichten für die weitgehende Verkehrsbefreiung der Weiten Gasse stünden nach dem Ja der Badener zum Schulhausplatz-Projekt gut, erklärt Gotter. «Die historische Achse soll nun dem Langsamverkehr gehören und ihren wahren Charme wiederbekommen, fernab vom Lärm des Durchgangsverkehrs.»
Das Franzosenhaus erlebte bereits an der Badenfahrt 1982 eine Renaissance, wenn auch nur als Kulissenbau. Die Cordulazunft liess es durch den Wettinger Bühnenbildner Toni Businger als Kulisse aufbauen, passend zum Badenfahrt-Motto «Illusionen». Und dieser Eingriff - wenn er auch nur von befristeter Dauer war - hinterliess seine Spuren, weckte Gelüste und wirkt offensichtlich bis heute nach.
Kaum war die Attrappe im September 1982 verschwunden, forderte man in den damaligen Zeitungen «Badener Tagblatt» und «Aargauer Volksblatt» mittels Leserbriefen die den Wiederaufbau des Franzosenhauses. In den Badener Neujahrsblättern 1983 schrieb Erich Radecke unter dem Titel «Hat die Vergangenheit eine Zukunft»: «Zu viele haben gesehen, wie es wäre, wenn an der Weiten Gasse . . . Dieses Wenn lässt sich nicht mehr ausradieren. Es ist eine Kraft geworden.»
Eine Altstadtreparatur
Das Franzosenhaus schloss die Weite Gasse nach Süden ab. Dadurch bildete sich in der historischen Altstadt ein geschlossener Marktplatz. Die Verkehrsachse - auch zur Zeit der Pferdefuhrwerke sprach man bereits davon - führte nämlich durch die Mittlere Gasse zum Cordulaplatz und dort durch das Tor des Mellingerturms in die im 19. Jahrhundert entstandene Vorstadt und Richtung Lenzburg und Mellingen.
«Die grossen Neuerungen in Staat und Wirtschaft erzeugten auch in der Geisteshaltung der Menschen einen förmlichen Umbruch, in dem bisher als wertvoll erachtete Zeugen der Vergangenheit geopfert wurden», schrieb Historiker Otto Mittler in seinem zweiten Band über die Stadtgeschichte zum Wandel des Stadtbildes im 19. Jahrhundert.
So wurde das Franzosenhaus 1845 dem zunehmenden Verkehr geopfert. Damit wurde die Weite Gasse zur Durchgangsstrasse für die linksufrige Route nach Zürich sowie für die wichtigere Verbindung nach Lenzburg. Es seien «fortschrittsbegeisterte Kreise» gewesen, die damals bereit gewesen seien, die schönsten Baudenkmäler zu opfern. Nur bis 1875 hielt der Bruggerturm diesen Strömungen stand. Dann fiel auch er.

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