Wettingen
Das Gemeindebüro: wunderschön aber teuer

Der Einwohnerrat fordert eine stärkere Kostenkontrolle. Grund dafür ist das Gemeindebüro, das statt der budgetierten 1,4 Millionen Franken 1,698 Millionen kostete. Der Finanzkommission und den Fraktionen war diese Kostenüberschreitung zu viel.

Dieter Minder
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So wie Rahel Reber (rechts) bedienen die Mitarbeiterinnen der Einwohnerdienste die Kundinnen und Kunden im Gemeindebüro im Erdgeschoss des Rathauses. Links die Vitrine mit Geschenkartikeln von Wettingen (gestellte Szene ).

So wie Rahel Reber (rechts) bedienen die Mitarbeiterinnen der Einwohnerdienste die Kundinnen und Kunden im Gemeindebüro im Erdgeschoss des Rathauses. Links die Vitrine mit Geschenkartikeln von Wettingen (gestellte Szene ).

Dieter Minder

«Es ist eine wunderschöne kundenfreundliche Anlage», lobte Finanzkommissionspräsident Christian Wassmer das Gemeindebüro im Erdgeschoss des Wettinger Rathauses. Auch den Mitarbeiterinnen am Schalter wurde hohe Kompetenz und Freundlichkeit attestiert. Doch damit waren an der Einwohnerratssitzung vom Donnerstag die positiven Aussagen zu diesem Traktandum zu Ende: Das Gemeindebüro kostete 1,698 Millionen Franken statt der budgetierten 1,4 Millionen Franken.

Die Kostenüberschreitung von 23,2 Prozent war der Finanzkommission und den Fraktionen zu gross. Christian Pauli (FDP) forderte, eine «straffe Bauleitung und Kostenkontrolle.» Die SVP werde sich der Stimme enthalten, teilte Thomas Wolf mit. Die Partei gab so ihrem Missfallen Ausdruck: «Eine Ablehnung würde nichts bringen, das Geld ist ausgegeben.» Marie Louise Reinert (EVP/Forum 5430) fasste ihre Zweifel mit den Worten zusammen: «Hier wurde nicht geplant, was gebaut werden sollte, also wurde gebaut, was nicht geplant war.» In seiner Antwort sagte Gemeinderat Daniel Huser: «Der Gemeinderat hat Lehren aus dem Fall gezogen.» Vor allem bei Änderungen will er künftig restriktiver vorgehen.

Ebenfalls teurer wurde der Doppelkindergarten mit Tagesstruktur im Langäcker. Die Anlage kostet fast 3,69 Millionen Franken und damit 223 600 Franken mehr als vorgesehen. In beiden Fällen wurden die Mehrkosten begründet. Das akzeptierten die Parteien und genehmigten die Abrechnungen.

Lob für den Umbau

Nachdem das Elektrizitäts- und Wasserwerk (EWW) ins Betriebsgebäude Fohrhölzli gezogen war, wurde das Haus Landstrasse 89 zum Sitz der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal umgebaut. Der Kredit von rund 478 300 Franken wurde um 58 700 Franken unterschritten. Daniel Notter (Finanzkommission) lobte, dass die Arbeiten durch Unternehmen aus den Vertragsgemeinden der Repol ausgeführt wurden. Während der Debatte musste Einwohnerrat Martin Egloff (FDP) den Saal verlassen; er hatte den Umbau als Architekt geleitet. Die Abrechnung wurde einstimmig angenommen.

Zehn WCs müssen reichen

Bis auf weiteres müssen Wettingerinnen und Wettinger ihre Ausflüge in der Gemeinde entsorgungstechnisch gut planen. In einer Motion forderte Kirsten Ernst (SP) Abhilfe beziehungsweise neue WCs. Doch, so Gemeinderat Daniel Huser: «Der Gemeinderat will in Sachen öffentliche WCs weiterhin einen pragmatischen Kurs fahren.» Das heisst, es wird vorerst bei den zehn öffentlichen WC-Anlagen bleiben. Eine weitere könnte mit der Überbauung Zentrumsplatz 2 entstehen. Die Motion von Ernst wurde mit deren Einverständnis als Postulat überwiesen.

Mit der Wahl des neuen Ratsbüros machte das Gemeindeparlament den Weg für die beiden kommenden Jahre frei. Paul Koller (CVP) übernimmt für zwei Jahre den Spitzenplatz. Zu Kollers Stellvertreter wurden Hansjörg Huser (SVP) erkoren. Sowohl Koller wie Huser hatten 44 der möglichen 45 Stimmen erhalten. Ihre Kandidaturen waren unbestritten. Als Stimmenzähler wurden Dacfey Dzung (Wettigrüen) und Michael Merkli (BDP) gewählt. Dzung erhielt ebenfalls 44 Stimmen, während Merkli sich mit 38 begnügen musste.

Höchste Anerkennung

Zum Schluss der Sitzung wurde der auch aus dem Rat ausscheidende Ratspräsident Josef Wetzel (SP) verabschiedet. Für seine umsichtige und klare Führung erhielt er von allen Seiten höchste Anerkennung. Er hatte Wettingen als Mitglied der Verkehrskommission, als Einwohnerrat sowie als Mitglied der Geschäftsprüfungskommission und der Finanzkommission gedient. In seiner Schlussansprache bezeichnete Wetzel dies als lehrreiche Zeit: «Wissen, das ich vor sehr langer Zeit einmal in Staatskunde und in Einführungskursen zur Rechtskunde irgendwo im Gedächtnis abgelegt habe, hat plötzlich ein praktisches, im Alltag wichtiges Gesicht erhalten.»

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