Am 27. November stimmen die Wettinger über den Sanierungskredit von 46,5 Millionen Franken für das Sport- und Erholungszentrum Tägerhard ab. Im Vergleich zur Tägi-Abstimmung, die den Wettingern vor vier Jahren bevorstand, verhalten sich die Stimmbürger heuer, keine zwei Wochen vor dem Urnengang, auffallend still. Rückblende: Damals, 2012, als es um den Planungskredit für ein 84 Millionen Franken teures Tägi mit Aussenwarmwasserbecken, multifunktionaler Eishalle mit überdecktem Ausseneisfeld plus einer Tiefgarage ging, tobte in der damals grössten Gemeinde des Kantons ein Abstimmungskampf. Die Gruppierungen «Pro Tägi» und «IG Wettingen» kämpften für beziehungsweise gegen das 84-Millionen-Franken-Tägi: Ein visionärer Wurf sagten die einen, purer Luxus die anderen. In Wettingen kursierten Flugblätter, die Leserbriefspalten kannten nur noch dieses eine Thema. 

Es kam wie befürchtet oder eben erwünscht: Das Volk schickte die Vorlage mit deutlichen 58 Prozent Nein-Stimmen bachab. Hauptkritik: Das Projekt sei zu teuer. Dies war der repräsentativen Bevölkerungsumfrage zu entnehmen, die der Gemeinderat im Anschluss an das Volks-Nein durchführen liess. Die Studie zeigte auch, dass die Bevölkerung Eis- und Wassersport im Tägi befürwortet, aber auf ein Warmwasserbecken im Aussenbereich und eine multifunktionale Eishalle verzichten möchte.

Der Gemeinderat zog seine Lehren daraus. Er unterbreitete dem Stimmvolk zwei Jahre später den Planungskredit für ein redimensioniertes Tägi und sprach nun lediglich noch von einer Sanierung. Die Kosten schätzte er auf 43,6 Millionen Franken. Dieses Mal sagten die Stimmbürger Ja – und zwar mit wuchtigen
72 Prozent.

Inzwischen sind wieder zwei Jahre vergangen. Und nun liegt das definitive Tägi-Sanierungsprojekt vor. 46,5 Millionen Franken soll es kosten. Vom einstigen Luxus ist kaum etwas geblieben; von visionär kann keine Rede mehr sein. Zu Recht, denn das wollte die Mehrheit der Wettinger offenkundig nie.      

Schulden verunsichern

Nicht nur die Begleitkommission des Sanierungsprojekts ist überzeugt von der Vorlage. Auch der Einwohnerrat hat mit 38 Ja- zu 4 Nein-Stimmen bei 6 Enthaltungen am 1. September deutlich zugestimmt. Dem klaren Resultat ging eine zweistündige Debatte voraus. Im Fokus standen Kosten und Finanzierung des Projekts. Denn die Sanierung wird rund
3 Millionen Franken mehr kosten, als bei der ersten Kostenschätzung im Planungskredit 2014 genannt wurde. Der Einwohnerrat befürchtet, dass die Kosten wie so oft bei derart grossen Sanierungs- und Bauprojekten noch weiter steigen könnten. Er forderte deshalb Kostentransparenz und ein striktes Controlling. Auch dem Versprechen, dass das Generationenprojekt Tägi-Sanierung mit einem gleichbleibenden Steuerfuss von 95 Prozent realisiert werden kann, wollen nicht alle Glauben schenken. Der Gemeinderat versicherte mehrfach, dass die Schulden der Gemeinde zwar erheblich steigen werden, aber verkraftbar seien und ohne Steuerfusserhöhung mittelfristig wieder abgebaut werden könnten. Die Finanzkommission mahnte, diese Aussage sei mit Vorsicht zu geniessen. Was, wenn neue Investitionen auf die Gemeinde zu- kommen? Zusätzlicher Schulraum etwa, wie er im aktuellen Zwischenbericht zur Schulraumplanung bereits für das Jahr 2025 vorgemerkt ist? Die Fiko war denn auch geteilter Meinung: Sie stimmte dem Kreditbegehren mit vier Ja- zu einer Nein-Stimme und zwei Enthaltungen zu.

Fakt ist: Die Tägi-Sanierung hat ihren Preis.

Wünsche werden umgesetzt

Fakt ist auch: Die veraltete Eis- und Gebäudetechnik aus den 70er-Jahren muss zwingend saniert werden, ansonsten droht zumindest den Eisfeldern nach dieser Wintersaison das Aus.

Der Gemeinderat hat sich mit seiner Vorlage an die Wünsche der Wettinger Bevölkerung gehalten. Unter anderem sollen die Besucher künftig Bäder, Bistro, Eisfelder, Fitness und Tägi-Saal durch einen zentralen Eingang erreichen. Eines der beiden Eisfelder erhält ein Dach samt neuer Tribüne. Im Hallenbad wird es ein neues Kinderplanschbecken geben sowie eine neue Rutschbahn, und das Tägi bekommt eine behindertengerechte Garderobe.

Ein Tägi für die Mehrheit

Sicher: Es gibt jene Stimmen in der Region, die sagen, man habe damals, 2012, die Chance einer visionären Anlage mit überregionaler Ausstrahlung verpasst. Andere finden selbst die 46,5-Millionen-Franken-Variante noch zu viel des Guten oder hätten sich das Restaurant statt eines Bistros gewünscht oder eben doch eine Eishalle. Man wird es nie allen recht machen können. Aber die Wettinger bekommen mit der Sanierung ein Tägi, wie es die Mehrheit gewünscht hat. 

So kurz vor einem der wichtigsten Wettinger Abstimmungssonntage lässt die aktuelle Stille rund um das «Tägi» – abgesehen von wenigen kritischen Leserbriefen – vermuten, dass eine Mehrheit dem Gemeinderat und der Vorlage mit einem Ja an der Urne ihr Vertrauen aussprechen wird. Damit dürfte dem Generationenprojekt Tägi-Sanierung auf der Zielgeraden nichts mehr im Weg stehen.