Baden

Das Gesicht als Spiegel der Seele

Die Installation «Feiertage» von Mats Staub erlaubt intime Einblicke in das Leben anderer. Mit nur wenigen, einfach scheinenden Fragen bringt er die Besucher dazu, ihr ganzes leben zu hinterfragen.

Auf alten Hölzern ehemaliger SBB-Paletten sind kleine Bildschirme angebracht, darauf sind nachdenkliche Gesichter zu erkennen – von alten und jungen Menschen, Männern und Frauen. Wir befinden uns an der Vernissage der Videoinstallation «Feiertage» des Künstlers Mats Staub im Theater im Kornhaus (ThiK).

Für die Installation stellte Staub verschiedensten Leuten jeweils neun Fragen, die sich mit einer Zahl beantworten lassen und filmte dabei den Prozess des Nachdenkens. Obschon dieser simplen Ausgangssituation bietet es den Zuschauern einen intimen Einblick in das Leben jener Personen, ohne dabei aber voyeuristisch zu wirken. Die reduktionistische Machart erlaubt es vielmehr, sich auf die Gesichter einzulassen und in detektivischer Kleinstarbeit deren Ausdrücke genau zu ergründen.

Nicht so simpel wie es scheint

Die interviewten Personen wussten nicht, welche Fragen ihnen gestellt werden würden. Zu Beginn sind diese auch noch ganz harmlos: «Wie alt bist du?», kann noch fast ohne ein Zögern beantwortet werden. Ganz so simpel, wie das Projekt auf den ersten Blick wirkt, ist es jedoch nicht: «Wie viele Freunde hast du, auf die du dich verlassen kannst?», lässt die Blicke der Befragten abschweifen – die Gesichter nehmen einen nachdenklichen Ausdruck an.

Auch als Zuschauer selbst kommt man ins Grübeln, versucht, die Fragen selbst zu beantworten. «Es ist auch eine Publikumsbefragung», erklärt Künstler Staub, «die Leute sollen miteinander ins Gespräch kommen.» Und wahrlich, man beginnt sich zu fragen, was nun genau ein guter Freund denn sei oder in wie viele Menschen man sich im Laufe des Lebens verliebt hatte.

Und so passt auch der Titel der interaktiven Ausstellung: «Feiertage». Diese Tage, so Staub, seien jene, an welchen man eine Zwischenbilanz zieht. Man sinniert über das eigene Leben und lässt vergangene Ereignisse noch einmal Revue passieren.

Videoinstallation im Theater im Kornhaus (ThiK): Bis zum 13. März vor und nach den Vorstellungen geöffnet.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1