Gebenstorf
Das Gold reichte Mario Stanco gerade mal für drei Flaschen Bier

Seit 17 Jahren sucht Mario Stanco Gold – noch hat er den ganz grossen Fund nicht gemacht. Auch nach vier Wochen im ecuadorianischen Dschungel steht für den 35-Jährigen fest: Auf den grossen Goldfund muss er sich weiter gedulden.

Martin Rupf
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35-Jähriger suchte seit 17 Jahren nach Gold
12 Bilder
Ob Mario hier wohl Gold findet
Mit dieser Anlage wird Geröll aus dem Fluss gepumt
Mario Stanco im Dschungel
Einheimischer sucht Gold
Hängebrücke
Auf dem Weg zum Fluss
Einheimische beim Goldsuchen
Einheimischer wäscht Gold
Hier kann das Gold verkauft werden
Abenteuer pur
Dschungel in Ecuador

35-Jähriger suchte seit 17 Jahren nach Gold

zvg

Viel schlimmer noch: «Ich hatte gehofft, rund 250 Gramm zu finden, die ich für rund 12500 Franken hätte verkaufen können, wodurch meine Reiseauslagen gedeckt gewesen wären», sagt Stanco. Am Ende landeten aber nur gerade 0,2 Gramm im Goldsäckchen – «damit konnte ich mir immerhin drei Flaschen Bier kaufen», sagt Stanco lachend. Die Reaktion zeigt, dass es ihm nicht primär um den grossen Fund geht, sondern vielmehr das Abenteuer im Fokus steht.

Am Anfang stand eine Schatzsuche

Vom Abenteuer- und Outdoorvirus wurde der Gebenstorfer früh befallen. «Mein Bruder und ich gingen als Kinder oft mit unserem Vater in die Berge fischen und zelten.» Später – in der Pfadi Baden und im Militär als Grenadier – habe seine Begeisterung für Outdoor und Survival weiter zugenommen. «Mit 18 Jahren beobachtete ich zum ersten Mal Goldwäscher im Napfgebiet – sogleich steckte mich das Goldfieber an», blickt Stanco zurück. Schon bald habe er sich Waschpfanne, Schaufel und einen kleinen Kanal gekauft und selber sein Glück versucht.

Doch es sollte nicht bei der Suche nach kleinen Goldkörnchen bleiben. Vor knapp zehn Jahren machten sich Stanco und zwei Pfadikollegen auf den Weg nach Ecuador, um dort im Übergangsgebiet zwischen Anden und Dschungel einen sagenumwobenen Schatz zu suchen. Nach rund drei Wochen kehrten die drei zwar mit leeren Händen, aber um ein grosses Abenteuer reicher in die Schweiz zurück.

Gleichzeitig war für den gelernten Zahntechniker klar: Er wollte Outdoor zu seinem Leben machen. «Für die Vorbereitung auf die Schatzsucher-Expedition habe ich unzählige Outdoor-Shops abgeklappert sowie Material verglichen und getestet.» Dabei habe er sich sehr viel Wissen angeeignet. Wissen, das er zusammen mit seiner Partnerin Daniela in das 2005 gegründete Outdoor-Geschäft Yanacocha am Theaterplatz in Baden einfliessen lässt.

Einheimische lachten ihn aus

Daniela teilt mit ihm nicht nur die Passion für Outdoor-Aktivitäten, sondern auch den Traum nach dem grossen Goldfund. «Sie ist fast angefressener als ich», sagt Stanco lachend. Gerade letztes Wochenende seien sie im Piemont gewesen, um Gold zu waschen.

Doch Ecuador habe ihn nie ganz losgelassen. «Zudem spiele ich schon länger mit dem Gedanken, eines Tages einen Flussabschnitt – einen sogenannten Claim – zu erwerben.» Wieso nicht in Ecuador? Mehrmals habe er das Ministerium in Quito angeschrieben, ob es einer Lizenz bedarf, wenn er in Ecuador Gold suchen wolle. «Weil ich nie eine Antwort erhielt, bin ich Anfang März auf gut Glück nach Südamerika gereist und habe persönlich auf dem Ministerium vorgesprochen.» Dort habe man ihm beschieden, dass er als normaler Tourist nicht nach Gold suchen dürfe. Was tun? «Ich entschied, nach Tena zu fahren und von dort in Tagesausflügen Flussabschnitte nach Gold abzusuchen – einfach möglichst abgelegen, damit mich niemand sieht», sagt Stanco.

Doch gerade diese Abgelegenheit war nicht ganz risikofrei. «Ich wusste ja nie, wem ich über den Weg laufe, und ob es auf grosse Begeisterung stösst, wenn ein Gringo auf fremdem Territorium nach Gold sucht.» Doch die Bedenken erwiesen sich als unberechtigt. «Schon nach wenigen Tagen traf ich einheimische Goldsucher; sie waren hell begeistert, dass ich den weiten Weg auf mich genommen hatte, um in Ecuador nach Gold zu suchen.» Wahrscheinlich hatten sie ihn auch nicht als grosse Konkurrenz empfunden. «Als sie meine Ausrüstung sahen, mussten sie schmunzeln.» Und als er ihnen offenbart habe, dass er in 17 Jahren ganze 13 Gramm Gold gefunden habe, «konnten sie nicht mehr vor Lachen». Die Einheimischen hätten ihm sogar ihre Goldwasch-Technik erklärt und ihn in ihrem Abschnitt einige Stunden waschen lassen.

Nach drei Wochen stiess dann auch noch Daniela dazu. «Obwohl wir den grossen Fund nicht gemacht haben, gönnten wir uns am Schluss der Reise noch eine Woche Galapagos», sagt Stanco. Trotz nur 0,2 Gramm Ecuador-Gold geben Mario Stanco und seine Partnerin nicht auf: «Es gibt in Australien und Neuseeland spannende Gebiete, dort wollen wir als Nächstes unser Glück versuchen.» Es eile ja nicht besonders, «solange der Goldpreis hoch bleibt».