Baden
Das Herz des Thermalbads öffnet sich: Historische Hinterhofquelle wird für Besucher zugänglich

Im Bäderquartier sprudelt das Thermalwasser aus 21 verschiedenen Quellen. Doch wie das Wasser, das «Geschenk des Himmels», wie es Thermalbad­architekt Mario Botta nennt, aus der Erde blubbert, sieht man fast nie. Das ändert sich nun.

Pirmin Kramer
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Die Quelle befindet sich im Untergeschoss des Verenahofs. So sieht die Hinterhofquelle aus, die wohl schon die Römer nutzten und die auch das neue Thermalbad speisen wird.

Die Quelle befindet sich im Untergeschoss des Verenahofs. So sieht die Hinterhofquelle aus, die wohl schon die Römer nutzten und die auch das neue Thermalbad speisen wird.

Archiv Bild: zvg/fotografieschule.ch

«Die meisten Quellen befinden sich in privatem Besitz und liegen entweder unter den Strassen in Schächten oder in den Kellergeschossen der Gebäude rund um den Kurplatz verborgen», sagt der Badener Historiker Bruno Meier.

Eine der wichtigsten Badener Quellen überhaupt, die Hinterhofquelle im Untergeschoss zwischen Verenahof und Bären, wird jedoch in den kommenden Monaten für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Die Finanzierung sei gesichert, teilt der ­Bäderverein Baden mit, der die Idee zur Sichtbarmachung hatte. «Der Zugang zur Quelle wird Wirklichkeit, dank grosszügiger Beiträge der Stadt Baden und des Kantons Aargau.» Sie teilen sich die Kosten von 540'000 Franken je zur Hälfte.

Die Quelle befindet sich im Untergeschoss des Verenahofs.

Die Quelle befindet sich im Untergeschoss des Verenahofs.

Archiv Bild: zvg/fotografieschule.ch

Bruno Meier, der Vizepräsident des Bädervereins, freut sich sehr: «Die Hinterhofquelle ist eine der wichtigsten Quellen im Bäderviertel. Mit grosser Wahrscheinlichkeit haben bereits die Römer sie angezapft.» Die heute sichtbare Fassung datiert wahrscheinlich aus der Zeit vor 1800. «Sie wird auch das neue Thermalbad speisen, das im Oktober eröffnet», sagt Meier.

Für die Öffentlichkeit werde die Quelle als Jungbrunnen «inszeniert»; das Detailkonzept dazu wird jetzt erarbeitet. Dabei wird Licht eine grosse Rolle spielen, womöglich werde die Quelle ausgeleuchtet, ähnlich wie im Jahr 2011, als das eindrückliche Foto (siehe oben) entstand.

Zwei weitere Quellen werden zugänglich gemacht

Der Bäderverein wurde gegründet mit dem Ziel, die kulturelle Bedeutung der Thermen von Baden bekanntzumachen, die Identifikation der Bevölkerung mit den Bädern zu stärken und die nationale und internationale Positionierung von Baden als Bäderort zu unterstützen. «Wir hoffen, dass die Sichtbarmachung der Quelle auch bei der Bevölkerung in Baden etwas bewirkt», sagt Meier. «Wir dürften ruhig etwas stolzer sein auf die Thermen.» Neben der Hinterhofquelle werden weitere Quellen sichtbar gemacht – auch wenn sie nur bei Führungen zu sehen sein werden. Die Stiftung Gesundheitsförderung Bad Zurzach + Baden, die künftige Betreiberin des Thermalbades, wird gemäss Mitteilung des Bädervereins auch die Verenahof- und die Widchenquelle sowie die historischen Einzelbäder im Verenahof zugänglich machen.

Visualisierung: So soll das neue Thermalbad aussehen

Visualisierung: So soll das neue Thermalbad aussehen

zvg

Zumindest ein Teil des Kulturerbes der Bäder wird somit für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht. Wieder zugedeckt worden ist das Verenabad aus der Römerzeit, das diesen Frühling unterhalb des Kurplatzes freigelegt wurde.

Mit grosser Zufriedenheit äussert sich auch Pius Graf, Präsident des Bädervereins und Ammann von Ennetbaden. «Dass wir mit unseren Vorhaben in dieser Breite getragen werden und die Finanzierungen gesichert sind, ist für mich nicht selbstverständlich. Dies zeugt von der grossen Bedeutung, die die Bäder für diese Region und weit darüber hinaus haben.» Der Bäderverein verfolgt ein weiteres Projekt: Ein Kuratorenteam arbeitet derzeit an einem Programm zur zeitgenössischen Vermittlung des Bädererbes.