K65
Das Kammerorchester ist 50-jährig und sucht jetzt das Abenteuer

Das K65 ist ein halbes Jahrhundert alt. Für das Kammerorchester ein Grund, mit Besonderem aufzuwarten. Der langjährige Dirigent Alexandre Clerc entschied sich für den Beginn des Jubeljähres für eine Soirée Tzigane – Zigeunerweisen.

Elisabeth Feller
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Dirigent Alexandre Clerc entschied sich für eine Soirée Tzigane. Archiv

Dirigent Alexandre Clerc entschied sich für eine Soirée Tzigane. Archiv

Walter Schwager

Wie feiert ein Orchester seinen 50. Geburtstag? Natürlich mit Musik. Bloss: Mit welcher? Das K65 und sein langjähriger Dirigent Alexandre Clerc entscheiden sich am Beginn des Jubeljahres für eine Soirée Tzigane – Zigeunerweisen.

Wer bei diesem Wort die Stirn runzelt, muss seine Reaktion überdenken. Das Programm ist, da mit Brahms› Ungarischen und Bartóks Rumänischen Tänzen angereichert, ausgesprochen sinnstiftend. Sowohl Brahms wie Bartók sind gerne auf Spurensuche gegangen – und in der Volksmusik fündig geworden.

Die beiden grossen Komponisten haben ganz genau hingehört und schwelgerische, süffige, aber auch schwermütige Tänze geschrieben. Mit ihnen steigt das K65 in ein Programm ein, das seine gepfefferte Würze und seine hinreissenden, virtuosen Glanzlichter durch das von Karel Boeschoten gegründete Roma-Ensemble Kalandos erhält. Dass ein holländischer Geiger als Primás einer ungarische Kapelle vorsteht ist abenteuerlich; eben: Kalandos.

Feuerwerk auf dem Cimbalom

Abenteuerlich ist auch das, was Boeschoten und seine vier Mitstreiter in verschwenderischer Fülle ausbreiten: Romanzen und Werbetänze aus Ungarn sowie Musik aus Rumänien. Der Übergang zwischen den vom K65 gespielten Stücken und jenen, wie aus der Laune des Augenblicks entsprungenen der Kalandos vollzieht sich nahtlos.

Bewundernswert, wie sich die zögerliche, eine quicke Fortsetzung herbeisehnende Einleitung des Cimbalom – eine Art Hackbrett – zu einem Feuerwerk über die Saiten wirbelnder Klöppel entwickelt. Gyula Czik heisst der Mann, der an diesem metallisch klingenden Instrument sitzt und zaubert.

Glücklicher Start ins Jubiläum

Nicht nur er: Auch Czaba Lukács tut das mit aberwitzigen Klarinettensoli, die in ein fabelhaft ausbalanciertes Rhythmusgerüst von Gyula Boni (Bratsche) und Zsolt Boni (Kontrabass) eingebunden sind. Das ist, zumal bei diesen klanglichen Schattierungen und dieser Intensität des Spiels wunderbar.

Doch was tut derweil das K65? Es hört zu. Bis seine Stunde schlägt: Es spielt gemeinsam mit dem Kalandos Ensemble. Und das verflixt gut. Oh ja, sie können es auch – die Solistin und die Solisten aus den eigenen Reihen. Vereint mit den Kalandos «servieren» sie die Stücke mit einer Spielfreude und Lockerheit, die einfach unverschämt Spass macht.

Mit einem Wort: Glücklicher hätte der Start ins Jubiläumsjahr nicht erfolgen können. Im Herbst nimmt sich das K65 erneut viel vor: eine Auftragskomposition von Fabian Müller und Beethovens Sinfonie Nr. 5, ein Mount Everest der sinfonischen Literatur, sowie ein Familienkonzert.