Baden
Das Kehl-Hochhaus muss 56 Alterswohnungen weichen

38 Millionen Franken kosten Neu- und Umbau des Alterszentrums. Finanziert wird das Ganze von der öffentlichen Hand und nicht von privaten Investoren. Diese wollten eine zu hohe Rendite.

manuel bühlmann
Merken
Drucken
Teilen
In den beiden geplanten Neubauten beim Alterszentrum Kehl finden 56 Alterswohnungen Platz. ZVG

In den beiden geplanten Neubauten beim Alterszentrum Kehl finden 56 Alterswohnungen Platz. ZVG

Das baufällige Hochhaus des Alterszentrums Kehl soll zwei Neubauten mit 56 Alterswohnungen weichen. Das Gebäude mit 40 Wohnungen ist in einem derart schlechten Zustand, dass es abgebrochen werden muss. Die Statik genügt den Ansprüchen an die Erdbebensicherheit nicht mehr, das Dach ist undicht, die engen Zimmer entsprechen nicht den heutigen Bedürfnissen. Gemäss Stadtrat macht eine Sanierung in betriebswirtschaftlicher Hinsicht keinen Sinn.

Alterszentrum Kehl muss finanziell flottgemacht werden

Will die Stadt im Alterszentrum Kehl die Betreuung für 130 ältere Menschen in all den Wohn-, Pflege- und Betreuungsformen sichern, so muss gehandelt werden. Dabei geht es nicht allein um den Neubau von Wohnungen (Artikel rechts), sondern gleichzeitig um die Sanierung der Finanzen. Will das «Kehl» weiter Wohn- und Pflegeplätze zu zahlbaren Taxen anbieten, müssen die Hypothekarschulden von über 8 Mio. Franken reduziert werden. «Wir brauchen Angebote für ältere Leute mit tiefen und mittleren Einkommen», sagt Stadträtin Daniela Oehrli, denn solche für hohe Einkommen seien zur Genüge vorhanden. Die Schulden rühren von Umbauten vor über 10 Jahren her sowie allein 2,3 Mio. Franken vom Loch, das in der Aargauischen Pensionskasse gestopft werden musste.
Die Schuldzinsen absorbierten jährlich so viel Geld, dass keine Rückstellungen für Projekte gemacht werden konnten, obschon die Bausubstanz des Hochhauses längst in alarmierendem Zustand war. Zudem trat die neue Verordnung über die Pflegefinanzierung just zu dem Zeitpunkt in Kraft, als das Kehl die kantonalen Subventionen hätte brauchen können. Neu beteiligt sich die öffentliche Hand nicht mehr an Heim-Investitionen, es gilt die Vollkostenrechnung für die Leistungsbezüger (Bewohner).


Weil sich die Baukosten der geplanten Pflegeerweiterung für 24 Betten auf 7 Mio. Franken erhöht hatten, verzichtete der Vorstand auf das Projekt, für das vom Stimmvolk im Jahr 2008 bereits eine Aktienkapitalerhöhung (Baubeitrag der Stadt) und ein Darlehen gesprochen wurde. Dieses Geld lag bislang brach und soll nun zur Entschuldung respektive für die Neubaupläne verwendet werden.
Die Stadt hat inzwischen für das Kehl und das Regionale Pflegezentrum Baden (RPB) Leistungsschwerpunkte festgelegt. Das Kehl bleibt Zentrum für betreutes Wohnen und Langzeitpflege im Alter, das RPB für Langzeit- und Spezialitätenpflege. Hierfür stehen nun weitere 50 Plätze im Sonnenblick in Wettingen zur Verfügung. Die Kooperation RPB und Kehl wird weiter verstärkt. Die Vision ist eine Holdinggesellschaft.

Bereits im vergangenen Februar erkor eine Jury den Beitrag «rendez-vous» des Zürcher Büros Bob Gysin und Partner AG zum Siegerprojekt, welches das Hochhaus ersetzen soll. Nun steht fest, wie viel der Neubau, die Erweiterung des Restaurantbetriebs und die Verbesserung der Infrastruktur kosten wird: Rund 38 Millionen Franken, inklusive zwei Millionen Reserve, rechnet der Stadtrat dafür ein. Der Betrag soll je zur Hälfte durch die öffentliche Hand und Hypotheken gedeckt werden.

Investoren wollten Rendite von bis zu 6,5 Prozent

Gespräche mit privaten Investoren seien zwar geführt worden, sagt SP-Stadträtin Daniela Oehrli. «Doch letztlich kam diese Option nicht infrage.» Denn die Investoren hätten eine Rendite von bis zu 6,5 Prozent erwartet, was die Mieten in die Höhe getrieben hätte. Ziel des Projekts ist es allerdings, Alterswohnungen für Mieter mit kleineren und mittleren Einkommen zu bauen. Nicht beteiligen an den Kosten wird sich die Gemeinde Ennetbaden, die bei einem früheren Projekt noch involviert war.

Der ursprüngliche Kostenrahmen von 21 Millionen Franken – wie 2008 vorgesehen – wird deutlich übertroffen. Daniela Oehrli begründet dies unter anderem mit den unterirdischen Parkplätzen, die damals nicht geplant waren. Da sich das Angebot auch an mobilisierte Bewohner richte, sei eine entsprechende Parkgelegenheit notwendig. Daneben hätten auch die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen und die neuen Erkenntnisse für den Bau hindernisfreier Alterswohnungen zu den Mehrkosten beigetragen.

Betreuung auf Abruf

Die Alterswohnungen sollen betreutes Wohnen ermöglichen. Die Mieter der hindernisfreien Wohnungen bleiben selbstständig, erhalten aber die Möglichkeit, jederzeit Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen. Sie können beispielsweise im integrierten Restaurant essen gehen oder in einem medizinischen Notfall eine Pflegekraft zu Hilfe rufen. «Die Dienstleistungen werden vom Alterszentrum Kehl und nicht von der Spitex angeboten», sagt Daniela Oehrli.

Bevor allerdings gebaut werden kann, muss das Badener Stimmvolk am 9. Juni die Finanzierung gutheissen. In einer zweiten Bauetappe würde ausserdem das Kehl-Langhaus durch neue Wohnungen ersetzt werden.