Der 49-jährige Vinzenz Wohlwend ist Anfang Jahr zum neuen Abt der Territorialabtei Wettingen-Mehrerau bei Bregenz geweiht worden. Er ist damit der 54. Abt in der Geschichte des Klosters Wettingen. Als Abtpräses der Mehrerauer Kongregation steht er zudem 21 Zisterzienserklöstern vor. Die Verbundenheit von Wettingen und Mehrerau besteht seit dem 19. Jahrhundert: 1841 beschloss der Grosse Rat des Kantons Aargau die Aufhebung aller Aargauer Klöster. Das hatte Folgen für Wettingen, die Klostergebäude wurden dem Aargauer Lehrerseminar zur Verfügung gestellt. Die Mönche mussten eine neue Heimat suchen – und fanden sie im Benediktinerkloster Mehrerau bei Bregenz in Vorarlberg. Seither besteht dort der Konvent Wettingen-Mehrerau. Wohlwend wurde in Grabs im Kanton St. Gallen geboren und wuchs in Schaan in Liechtenstein auf. Nach der Matura studierte er Theologie in Salzburg und Einsiedeln. Nach dem überraschenden Rücktritt von Abt Anselm van der Linde im Juli ernannte Papst Franziskus Vinzenz Wohlwend ab 1. August zum Administrator von Mehrerau und im November zum neuen Abt.

Van der Linde war erst ein Jahr im Amt, als das Kloster Mehrerau 2010 mit Missbrauchsklagen von ehemaligen Schülern des Gymnasiums konfrontiert wurde. Die Fälle hatten sich im in den 1960er- und 1970er-Jahren ereignet. Van der Linde sagte vor zwei Jahren zu dieser Zeitung, er habe das Kloster in einer Sache vertreten müssen, die er nie erlebt hatte. Die Aufarbeitung dieser «beschämenden und unverzeihlichen Ereignisse» hätten ihn «unglaubliche Kraft und Energie gekostet», teilte er laut «ORF» nach seinem Rücktritt letzten Sommer mit.

Rücktritt «mit Dankbarkeit»

Weiter sagte er, er lege sein Amt «nach zehn ereignisreichen, schwierigen, aber auch erfolgreichen Jahren mit Dankbarkeit und in grosser Demut nieder». Abt Anselm hatte in der Klosterkirche Wettingen jeweils die Firmungen gemacht.

Vinzenz Wohlwend hatte in einer ersten Reaktion nach der Ernennung zum Abt durch den Heiligen Stuhl erklärt, er werde sein Amt «in Demut gegenüber Gott und den ihm Anvertrauten wahrnehmen». Für das Kloster Mehrerau wünscht sich Wohlwend, «dass wir ein geistliches Zentrum sein wollen und können, wo sich Menschen mit Fragen und Sehnsüchten an uns wenden können». In einer Antrittspressekonferenz nannte der Abt die Missbrauchsfälle, die in der Mehrerau passiert sind, eine nach wie vor eine grosse Belastung.

An der Weihe von Vinzenz Wohlwend zum Abt Anfang dieses Jahres nahm unter anderem auch Regierungsrat Markus Dieth aus Wettingen teil. Die Verbundenheit von Wettingen und dem Kloster Mehrerau ist seit den 1970er-Jahren und der Gründung des Vereins «Freunde des Klosters Wettingen» wieder gewachsen.