Der SRF-Moderator Roman Kilchsperger isst mit Gemeindeammann Markus Dieth ein Stück Rüeblitorte. Wer zuerst fertig ist, gewinnt. Eine gewagte Szene, die sich aber bei der 200. Sendung Donnstig-Jass durchaus so abspielen könnte. Der SRF-Moderator ist nicht zuletzt für seine Show-Einlagen mit der Lokalprominenz bekannt. Doch damit die Szene eine reale Chance hat, muss Wettingen zuerst das Jass-Duell gegen Bremgarten gewinnen. Die Siegergemeinde wird zum nächsten Austragungsort der Sendung.

Dass man das Staats-Fernsehen für Wettingen begeistern konnte, freut Ideen-Geberin Sandra Frauenfelder. Sie ist für die Standortförderung der Gemeinde zuständig und hatte die Idee, den «Donnstig-Jass» auf Wettingen einzuladen. «Ich suchte nach einer Möglichkeit, Wettingen über die Region hinaus bekannt zu machen», sagt Frauenfelder, «hier sind wir nicht so städtisch. Man kennt sich im Dorf und chlopft auch mal einen Jass. Da passt die Sendung sehr gut zu unserem Image.»

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Dass es bei einem Format zu bester Sendezeit um mehr geht als gutes Image, daraus macht die Marketingfachfrau keinen Hehl: «Wir sind natürlich an neuen guten Steuerzahlern interessiert», sagt sie. Doch mit einem Fernseh-Jass holt man noch keine Topverdiener in die Gemeinde.

Frauenfelder erklärt: «Es geht darum, auch den Wettingern wieder mal zu zeigen, dass wir viele schöne Flecken haben.» Der Schartenfels oder die Kloster-Halbinsel könnten dies im Trailer zu Beginn der Sendung vermitteln. «Wir wollen zeigen, dass die Wettinger stolz auf ihre Gemeinde sein dürfen.» Dieser Stolz solle die Einwohner motivieren, sich für die Gemeinde zu engagieren und ein positives Bild nach aussen zu tragen.

«Differenzler» bereitet Sorgen

Nun suchen beide Ortschaften einen Jass-König und eine -Königin sowie einen Jass-Prinzen oder eine -Prinzessin. Sie treten beim «Differenzler» gegeneinander an – «einem Jass, den die Leute in beiden Regionen eher weniger spielen im Gegensatz zum ‹Schieber›», sagt Stephan Troxler, Präsident des Bremgartner Organisationskomitees. «Ich bin selber begeisterter Jasser und weiss, beim ‹Differenzler› braucht es Erfahrung.»

Zudem habe man Respekt vor den Gegnern aus Wettingen. «Es gibt dort viele gute Jasser.» Und Wettingen habe zahlenmässig mit 20 000 Einwohnern mehr potenzielle Jass-Könige als Bremgarten mit 7600 Einwohnern, sagt Troxler. Trotzdem darf man Bremgarten nicht unterschätzen. Das Städtchen war bereits 1999 einmal Austragungsort des «Donnstig-Jass».

In einem Punkt gleichen sich die beiden Gemeinden: «Wir suchen noch dringend nach jungen Jassern zwischen 10 und 18 Jahren», sagt Sandra Frauenfelder. Da habe sich bisher niemand gemeldet. «Ansonsten haben wir bereits 20 Anmeldungen, obwohl wir erst am 18. Mai mittels Turnier im Rathaussaal ausjassen, wer in die Sendung darf.»

Gleich klingt es in Bremgarten: «Jassen gehört unter den ganz Jungen nicht mehr zu den Top-Hobbies», sagt Troxler, «und wenn, dann jassen sie eher den ‹Schieber›.» Nun hoffen beide Organisatoren, dass sich noch Jugendliche melden werden.

Finanzen bleiben im Lot

Der finanzielle Aufwand halte sich in Grenzen, beruhigt Frauenfelder: «Wir bezahlen für das Jassturnier im Rathaus lediglich die Gage für ‹Donnstig-Jass›-Schiedsrichter Daniel Müller und eine kleine Verpflegung für die Jasser.» Sollte die Sendung nach Wettingen kommen, dann sei vor allem Man-Power vom Werkhof und der Regionalpolizei gefragt.

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