Badenfahrt
Das kreative «Polygon» ist an der Badenfahrt das Gegenstück zum wilden Südgebiet

Musikalisch setzt das «Polygon» nicht auf Mainstream-Pop, sondern auf eine Vielfalt an Musikrichtungen. Für ein aussergewöhnliches Highlight sorgt das experimentierfreudige Blasorchester Baden-Wettingen.

Stefanie Garcia Lainez
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Schon vor zehn Jahren gehörte der Limmatraum zur Badenfahrt. Dieses Jahr belebt das «Polygon» dieses Gebiet.az Archiv/wal

Schon vor zehn Jahren gehörte der Limmatraum zur Badenfahrt. Dieses Jahr belebt das «Polygon» dieses Gebiet.az Archiv/wal

Walter Schwager

Seit wenigen Wochen sind sie überall in der Stadt zu sehen: die Plakate des «Polygon», des kleinen Festgebiets innerhalb der Badenfahrt. Ursprünglich war nur eine offizielle alternative Bühne beim Tränenbrünneli an der Limmat geplant. Doch aus dieser Idee entwickelte sich schliesslich ein eigener Mikrokosmos mit Bühne, Beiz, Bar und Lichtinstallation. «Das ‹Polygon› soll zum pulsierenden, alternativ-kulturellen Herzen der Badenfahrt werden», sagt Nico Schulthess, Gesamtverantwortlicher des «Polygon». Und er ergänzt: «Ganz nach dem Motto ‹Versus› wollen wir ein Gegenstück zur Hauptbühne und dem lauten, wilden Südgebiet der Badenfahrt bilden.»

Musikalisch setzt das «Polygon» nicht auf Mainstream-Pop, sondern auf eine Vielfalt an Musikrichtungen. Für ein aussergewöhnliches Highlight sorgt das experimentierfreudige Blasorchester Baden-Wettingen unter der Leitung von Christian Noth. Die rund 50 Musiker spielen jeweils am Samstag- und Sonntagmittag eine Komposition von Benedikt Hayoz zu den Klängen des Tränenbrünneli, dessen Plätschern mit Mikrofonen eingefangen, experimentell verändert und auf die Bühne übertragen wird. «Wir freuen uns, dass wir dieses spannende Projekt bei uns eingliedern durften», sagt Schulthess. Insgesamt treten 40 Bands an zehn Tagen auf der «Polygon»-Bühne auf. Darunter der «Jimi Hendrix aus dem Niger» Bombino oder «Meute» aus Deutschland, die mit Blasinstrumenten und Drums Elektro-Musik vertonen. Auch nationale Künstler wie die Berner Garage-Punker «The Monsters» oder lokale Grössen wie «Tompaul» oder «Ellas» gehören zu den Höhepunkten.

Nico Schulthess, Gesamtverantwortlicher des «Polygon» «Das ‹Polygon› soll zum pulsierenden, alternativ-kulturellen Herzen der Badenfahrtwerden.»

Nico Schulthess, Gesamtverantwortlicher des «Polygon» «Das ‹Polygon› soll zum pulsierenden, alternativ-kulturellen Herzen der Badenfahrtwerden.»

Chris Iseli

Einen weiteren Kontrastpunkt zu anderen Projekten der Badenfahrt setzt das «Polygon» mit «Miss Badenfahrt diVERSUS». Diese satirische Gegenveranstaltung zur Miss-Badenfahrt-Wahl moderiert die Wortkünstlerin Patti Basler.

Zum «Polygon» gehören nicht nur die Bühne, die vom «Biolade Bade» geführte Beiz, die Bar (betrieben vom Bremgartner Lokal «Stiefelchnächt») und die Installationen des Teams um Moritz Flachsmann, dessen vieleckige, mit Leuchtmitteln bestückten Skulpturen das Gelände in einen Lichtgarten verwandeln. Zum Festgebiet zählen auch das vom Kafi Royal betriebene Teehaus «Nour», die Beiz von «LeKartoon» und das Freiluftkino, bei dem das Film-Festival Fantoche zu Gast ist. «Das sind zwar eigenständige Projekte», sagt Schulthess. «Doch wir arbeiten eng mit unseren Nachbarn zusammen und und werden so eine vielseitige, in sich stimmige Umgebung kreieren.»

Crowdfunding: Festpässe für Flüchtlinge

Das «Polygon» und das Kafi Royal verkaufen auf der Plattform «wemakeit» ihre knapp 300 Festpässe und wollen damit Flüchtlinge unterstützen. Das Kafi Royal, das Deutschkurse für Asylsuchende im «Royal» anbietet, betreibt gemeinsam mit Flüchtlingen an der Badenfahrt das Teehaus «Nour». Wer nun auf «wemakeit» einen Festpass erwirbt, hat drei Möglichkeiten: Man kauft einen Fest-Pass für einen Flüchtling, für sich und einen Flüchtling oder nur für sich selbst. In jedem Fall unterstützt man mit einer kleinen Marge das «Polygon» sowie das «Nour». Die Aktion läuft noch bis zum 28. Juli. (az)

Verantwortlich für das «Polygon» sind das «Royal», das «Werkk», der Verein «Inox Live», das Festival «One of a Million» und das Open Air Wettingen. Sie setzen sich ein grosses Ziel: «Der alternative Mikrokosmos soll in Zukunft fester Bestandteil der Badenfahrt werden», sagt Schulthess. Deshalb haben die Verantwortlichen den Dachverein «Alternative Bühne Badenfahrt» gegründet und den vom Badenfahrt-OK zugesprochenen Beitrag auf eigenes Risiko verdoppelt. «Wir hätten etwas Kleines, Hübsches machen können», so Schulthess. «Wir sind aber überzeugt, dass wir etwas Grosses auf die Beine stellen können, das qualitativ hochstehend ist und das auch in Zukunft Bestand haben wird.»

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