Theater
Das Kurtheater Baden startet mit einer Uraufführung

Das Mehrspartenhaus präsentiert die Saison 2013/14 – den Auftakt macht Charles Lewinskys Roman «Melnitz». Die Uraufführung läutet am 19. Oktober den Beginn der Spielzeit 2013/14 ein.

Elisabeth Feller
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Schaut her zu mir, hat die Regisseurin den Schauspielern gesagt
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Die ersten Melnitz-Proben auf der Bühne des Kurtheaters Baden
Melnitz-Regisseurin Adriana Altaras
Barbara Riecke, die künstlerische Leiterin des Kurtheaters rechts und Lara Albanesi, die administrative Leiterin im Zuschauerraum des Kurtheater
Das Kurtheater Baden eröffnet die Saison 2013/14 mit der Dramatisierung von Charles Lewinskys Roman «Melnitz»
Das sieht nach einer Überraschung aus

Schaut her zu mir, hat die Regisseurin den Schauspielern gesagt

Emanuel Freudiger

Als Charles Lewinsky gefragt wurde, ob er sich eine Bühnenfassung seines mehr als 700-seitigen Bestsellers «Melnitz» vorstellen könnte, sagte er: «Ihr seid doch meschugge, dass ihr das machen wollt.» Das Kurtheater Baden und wk kulturwerk von Walter Küng machen genau dies: Die beiden Koproduzenten hieven die Chronologie einer jüdischen Familie auf die Kurtheaterbühne. Damit kommen sie dem Schauspielhaus Zürich zuvor, das ebenfalls einen dramatisierten «Melnitz» auf seiner Wunschliste hat.

Die Badener Produktion ist ein «Lupf in jeder Beziehung», wie Barbara Riecke, die künstlerische Leiterin des Kurtheaters, anmerkt. «Doch es ist einer, der hierher passt. Wo anders sollte die Uraufführung stattfinden als in Baden, unweit der Aargauer Gemeinden Lengnau und Endingen, Dreh- und Angelpunkte von Lewinskys Geschichte?» Finanziert wird der Kraftakt (Budget: 400 000 Franken) u. a. vom Kanton Aargau, von der Stadt Baden, Stiftungen, Sponsoren und Privaten.

«Melnitz» soll im Ausland touren

Für die Autorin der Stückfassung und Regisseurin Adriana Altaras ist «Melnitz» eine Herzensangelegenheit. Die Berlinerin, selbst eine Jüdin, interessierte vor allem diese Frage brennend: «Wie geht es den Juden in der Schweiz.» Die intensive Auseinandersetzung mit dem Buch und Recherchen liessen Altaras zum Schluss kommen: «Sie wollten in der Schweizer Gesellschaft ankommen und haben es bis heute nicht geschafft.»

Die Augen der wortflinken Theaterfrau funkeln – ihr streitbares Vergnügen ist fast mit Händen zu greifen; vor allem dann, als die Gretchenfrage kommt: Weshalb muss ein Roman überhaupt dramatisiert werden? Nun ist Barbara Riecke am Ball: «Romane bieten oft eine komplexere Perspektive auf die Welt, als einzelne Figurenkonstellationen eines Stückes dies können. Sie sind deswegen als Ausdruck unserer schnelllebigen, mediengesättigten Gesellschaft bei Theatermenschen und Publikum gleichermassen beliebt.» Weil die Bühnen laut Riecke «permanent auf der Suche nach packenden Werken und Figuren sind», habe sich «Melnitz» angeboten.

Die Uraufführung läutet am 19. Oktober den Beginn der Spielzeit 2013/14 ein; daran schliessen sich vier weitere «Melnitz»-Aufführungen an. Die ersten Proben finden derzeit im Kurtheater Baden statt; nach der Sommerpause wird von September bis Oktober weitergeprobt. Während dieser Zeit steht das Kurtheater Baden für Fremdvermietungen nicht zur Verfügung. Anders gesagt: «Wir stellen für ‹Melnitz› Raum, Bühne und Manpower zur Verfügung», betont Riecke. Wie sieht die Zukunft der Bühnenfassung nach den Aufführungen in Baden aus? Die Produktion soll in weiteren Theatern in der Schweiz zu sehen sein und – so die Hoffnung – danach im Ausland touren.

Kein Spielplan ohne Klassiker

«Melnitz» ist nicht die einzige Koproduktion des Kurtheaters in der neuen Spielzeit. Das grösste Mehrsparten- und Gastspielhaus im Aargau tritt als Koproduzentin weiter bei «Der grosse Gatsby» des Theaters Marie sowie der Kinderoper «Zorro jagt den Carmenschatz» der argovia philharmonic (ehemals Aargauer Symphonie-Orchester) auf. Neben «Melnitz» stehen ab Herbst weitere Romanadaptionen auf dem Programm: «Tschick» nach dem Jugendroman von Wolfgang Herndorf; «Die Vermessung der Welt» von Daniel Kehlmann sowie «Ein fliehendes Pferd» von Martin Walser.

Mit «The King’s Speech» wird eine Besonderheit gezeigt: Ein Theaterstück, das zum Oscar-preisgekrönten Film und erneut zum Theaterstück wurde. Kein Spielplan ohne Klassiker wie etwa Goethes «Clavigo», Rostands «Cyrano de Bergerac», Calderóns «Das Leben ein Traum», Molières «Der Geizige» oder Kleists «Penthesilea». Das ist längst nicht alles, schliesslich hat sich das Kurtheater das Motto «Weiterspielen» gegeben.

Barbara Riecke verweist auf «Three Kingdoms» des englischen Erfolgsautors Simon Stephens. Für die künstlerische Leiterin «ein knallhartes Stück mit einer harten Sprache» – eines, das als Krimi beginnt und als Albtraum endet. Dass auch Opernliebhaber nicht zu kurz kommen werden, versteht sich: Werken von Rossini, Offenbach und Strauss stehen Musiktheaterproduktionen wie «Ars vivendi» oder «Figaro?» von Christian Henking (eine Auftragsarbeit des Theaters Biel Solothurn) gegenüber. Und was ist mit dem Tanz? Auch er ist selbstverständlich vertreten, etwa mit Produktionen im Rahmen von «Steps» sowie mit Gastspielen des Zürcher Junior Balletts und des Balletts Basel.

Kurtheater Baden, Uraufführung von «Melnitz», Sa, 19. Oktober, 19.30 Uhr. Programm unter www.kurtheater.ch

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