Ennetbaden

Das Lebensmotto einer 67-Jährigen: «Du sollst spielen wie das Kind auf der Wiese»

Ein Beitrag ans Ennetbadener Jubiläum: Cäcilia Wameling Richon mit ihren Bildern.

Ein Beitrag ans Ennetbadener Jubiläum: Cäcilia Wameling Richon mit ihren Bildern.

Die Künstlerin Cäcilia Wameling Richon zeigt ihre Bilder in einer ganz besonderen Ausstellung zum 200-Jahr-Jubiläum von Ennetbaden.

Auf den ersten Blick wirken die Bildwelten der Künstlerin Cäcilia Wameling Richon im Gemeindehaus Ennetbaden abstrakt. Beim genauen Hinsehen sind plötzlich – wie bei sich auflösendem Nebel – Motive erkennbar.

Der «Schwanen». Das längst abgerissene Café Schief. Oder Pferdewagen der Firma Twerenbold in ihren Anfängen. Die Zeitdokumente stammen allesamt aus dem Gemeindeblatt Ennetbadener Post.

Mit einer speziellen Fototransfer-Technik hat Wameling die Schwarzweissbilder und ihre Malereien miteinander verwoben. Im Eingangsbereich fällt der Blick auf Stelen, die mit geheimnisvollen Symbolen bemalt sind. «Ursprünglich waren das weggeworfene Holzbretter, die ich im Abfall entdeckt habe», ­erzählt Wameling.

Mit ihren Werken beschliesst sie den diesjährigen Ausstellungszyklus im Gemeindehaus Ennetbaden. Dass seit 2008 im Treppenhaus des (dieses Jahr renovierten) Verwaltungsgebäudes regelmässig Künstlerinnen und Künstler aus der Region ihre Arbeiten zeigen können, ist ihrer Initiative als einstiges Mitglied der Kulturkommission zu verdanken.

Sie experimentiert mit verschiedenen Techniken

«Du sollst spielen wie das Kind auf der Wiese», ist das Lebensmotto der 67-Jährigen mit der stets etwas zerzaust wirkenden Frisur. Der «Out of the Bed»-Look ist ihr Markenzeichen. 1978 schloss Wameling in ihrer Heimatstadt Münster in Westfalen an der Fachhochschule für Design mit dem Diplom als visuelle Kommunikatorin ab.

Wegen ihres Schweizer Manns Bernard kam sie in den Aargau. Wameling experimentiert mit verschiedenen Techniken, die sie auch in Kursen in ihrem Atelier am Limmatauweg in Ennetbaden weitergibt. Obwohl ihr der grosse Erfolg verwehrt blieb, ging sie ihren künstlerischen Weg konsequent weiter.

Mit ihren Galerien in der Oberen und Unteren Halde, die sie von 1985 bis 2005 führte, erreichte Wameling regionale Bekanntheit. Beide Häuser musste sie verlassen, weil diese in andere Hände übergingen. Im Stroppel­areal in Untersiggenthal tankte sie neue Kräfte. Doch beim Gravieren eines alten Bleiglasfensters atmete sie feine Glassplitter ein. Seither sind ihre Bronchien dauerhaft geschädigt.

«Ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein»

Früher beteiligte sich Cäcilia Wameling noch öfters an Ausstellungen und machte an jeder Badenfahrt mit ihren extravaganten Exponaten von sich reden. Mittlerweile hat sie ihre Aktivitäten zurückgesteckt. «Ich merke, dass ich älter werde», gesteht sie und lacht im gleichen Moment wie ein junges Mädchen. Dann wird sie wieder ernst.

Mit Kunst zu existieren, sei nach einem grossen Markteinbruch in den Neunzigerjahren extrem schwierig geworden. Wameling ärgert sich zudem dar­über, dass die Szene mittlerweile von Hobbykünstlern überflutet wird, die teilweise wenig Ahnung von der Materie haben.

Sie liebt es, sich zurückzuziehen

Wenn Cäcilia Wameling Richon über das 300-jährige Chalet spricht, dass sie mit Mann Bernard im Waadtland besitzt, funkeln ihre Augen wieder unternehmungslustig. «Wir leben dort ohne Strom und waschen uns mit kaltem Quellwasser.»

Sie liebt es, sich mit ihrem jungen Bernhardiner-Sennenhund-Mischling in diese Einsamkeit zurückzuziehen. «Ich brauche nicht viel, um glücklich zu sein», bekundet sie, «im Gegenteil: ich würde gerne noch minimalistischer leben.»

Die Bilder und Objekte von Cäcilia Wameling Richon können noch bis zum 17. Februar im Gemeindehaus Ennetbaden besichtigt werden. Die Künstlerin ist am 21. und 22. Dezember von 12 bis 17 Uhr persönlich anwesend und führt auf Wunsch durch die Ausstellung.

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