Baden
Das Martinsbergquartier erhält einen richtigen Park

Die Gartenanlage des einstigen Martinsberggutes wird als Park neugestaltet. Der ABB-Parkplatz oberhalb der Wiesenstrasse wird renaturiert. Für das Wohnquartier bedeutet dies ein Gewinn.

Roman Huber
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Das sanierte historische Gebäude Wiesenstrasse 30, daneben der Kindergarten-Pavillon, der später entfernt wird. -rr-

Das sanierte historische Gebäude Wiesenstrasse 30, daneben der Kindergarten-Pavillon, der später entfernt wird. -rr-

Am Fuss des Martinsbergs ist ein neuer Park geplant. Der Einwohnerrat soll 200'000 Franken für die Projektierung beschliessen. Davon sind 115'000 für die Umgestaltung des Gartens Wiesenstrasse 30 vorgesehen, wo mit Baukosten von 1,5 Mio. Franken zu rechnen ist. 85'000 Franken beansprucht die Projektierung für den ehemaligen ABB-Parkplatz Wiesenstrasse, der für rund 400'000 Franken renaturiert werden soll.

Wiesenstrasse 30: Eine Historische Verpflichtung

Die Geschichte der Liegenschaft Wiesenstrasse 30, einstiges Bauerngut am Martinsbergfuss - daher die Bezeichnung Martinsberggut -, lässt sich laut Kunsthistoriker Fabian Furter bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie gilt samt Park als kulturhistorisch wertvoll. Vor der Zeit der BBC war es das Herrenhaus eines herrschaftlich geführten Landwirtschaftsbetriebes, der das gesamte grosse Haselfeld vor der Überbauung mit Industrie bewirtschaftete. Das Haus diente bis Ende des 19. Jahrhunderts als herrschaftlicher Sommersitz von Badener Aristokratenfamilien.

Einer der letzten dieser bedeutenden Bewohner war Theodor Boveri, langjähriger Direktor der elektrischen Abteilung und später Delegierter des Verwaltungsrates der BBC sowie Mitglied des Stadtrates. 1946 liess er das Haus umbauen, wie es sich bis vor kurzem noch präsentiert hat. Der Scheunenteil wurde abgebrochen. Das ursprüngliche Wohnhaus und das Pächterhaus wurden zu Solitärbauten umgebaut, die weiter bewohnt waren.

1966 wurde aus der Liegenschaft die erste Kinderkrippe der BBC, die damals eine Vorreiterrolle in sozialen Bereichen inne hatte; heute wird diese immer noch von den ABB-Kinderkrippen betrieben. Mit den Freiflächen ist im Rahmen der Umnutzung in Baden Nord auch das Haus in städtisches Eigentum gelangt. Für einen Kredit von rund 1,6 Millionen Franken wurde es umfassend saniert. (-rr-)

Ein eher «introvertierter Park»

In einem Fachgutachten wurde die historische Gartenanlage Wiesenstrasse 30 auf ihre Bedeutung hin geprüft und bewertet. Mit einem Massnahmenplan soll der Idealzustand dargestellt werden. Damit will man einerseits der Gartenanlage gerecht werden und ihr Potenzial ausschöpfen, andererseits die Ansprüche erfüllen, wie sie an einen öffentlichen Park gestellt werden. Ein neues Fussgängerwegnetz durch den Park wird die Innenstadt an die Erholungszone des Martinsbergs anbinden.

Dabei entstehen direkte Zugänge von und zur Martinsberg- und Wiesenstrasse. Laut Stadtrat wird sich die Anlage als eher introvertierter Garten charakterlich eindeutig von den übrigen öffentlichen Freiräumen der Stadt unterscheiden. Die Projektierung soll zeigen, wie man mit sinnvollen und wirtschaftlich vernünftigen Massnahmen in Etappen die Anlage realisieren kann.

Zum Planungsgebiet des Parkpflegewerks gehören auch die Liegenschaft Wiesenstrasse 28, die direkt ans Areal der ABB-Technikerschule und ihres Erweiterungsbaus grenzt, sowie der oberhalb der Wiesenstrasse liegende Parkplatz, der aufgehoben werden soll, und die Obstwiese am Fusse des Martinsberges.

Gemäss Entwicklungsrichtplan

Die neue Parkanlage wird dank der Entwicklungsrichtplanung im Gebiet Baden Nord ermöglicht. Gemäss Vertrag mit der ABB Immobilien AG sind insgesamt 6000 Quadratmeter Freifläche ins Eigentum der Stadt Baden übergegangen. Es handelt sich dabei um die beiden Areale ehemaliger ABB-Parkplatz und Liegenschaft Wiesenstrasse 30 mit Gartenanlage, wo die Stadt Baden den ABB-Kinderkrippen Gastrecht eingeräumt hat. Der Pavillon neben dem kulturhistorisch wertvollen Gebäude (Artikel unten), zurzeit als Kindergarten-Provisorium genutzt, soll später abgebrochen werden.

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