Das Thema ist keineswegs neu, doch es brennt seit einiger Zeit wieder unter den Nägeln. Darum haben Beni Knecht (SP) und Andy Bauer (SVP) eine Anfrage «Fortgesetzte nächtliche Güterzugfahrten auf der alten Nationalbahnlinie» eingereicht. Der Grund liegt darin, dass immer wieder tagsüber wie auch in der Nacht Güterzüge über die alte Nationalbahnstrecke Mellingen–Dättwil–Baden Oberstadt–
Wettingen fahren. Interventionen aus dem Quartier und von der Anwohnerschaft über den Stadtrat hätten jeweils nur vorübergehend zu Verbesserungen geführt, wird in der Anfrage aufgeführt.

Wegen Bauarbeiten in Zürich

Personenzüge fahren seit einigen Jahren nicht mehr auf dieser Strecke. Nachdem während der Arbeiten im Heitersbergtunnel im Frühjahr 2010 Güterzüge auch in der Nacht über die Nationalbahnstrecke umgeleitet worden waren, liessen die SBB auch in der nachfolgenden Zeit vereinzelt Nachtzüge durch die Badener Wohnquartiere verkehren. Die SBB sprachen von Ausnahmefällen und begründete sie mit den Bauarbeiten an der Durchmesserlinie in Zürich. Dies würde ein Ausweichen übers Furttal und die Nationalbahnlinie notwendig machen, lautete die Erklärung.

Bis zum Bauende im Jahr 2016 würden die Züge wiederholt ausweichen müssen. Doch die SBB suchten nach alternativen Trassierungen, um die Strecke wieder zu entlasten, habe es damals geheissen, erklären Knecht und Bauer. An den Nachtzügen habe sich leider nichts geändert, sodass man im Quartier sogar von Regelzügen ausgehen müsse.

427 Unterschriften gesammelt

Im Herbst 2010 wurden in den betroffenen Gebieten – primär im Meierhof-Quartier – 427 Unterschriften gesammelt. Damit sollte der Stadtrat unterstützt werden, um sich bei den SBB dafür einzusetzen, dass auf nächtliche Güterzüge gänzlich verzichtet würde. Erneut habe sich dann die Situation vorübergehend gebessert, doch bald darauf seien die Züge wieder gefahren, sagt Bauer.

Reto Schärli, Pressesprecher bei den SBB, bestätigt, dass auf dieser Strecke Güterzüge fahren würden, und zwar zu 80 Prozent am Tag (6 bis 22 Uhr) und zu 20 Prozent in der Nacht (22 bis 6 Uhr). «In den vergangenen Wochen waren es durchschnittlich vier bis fünf Güterzüge pro Tag und einer bis zwei pro Nacht», präzisiert Schärli die Anzahl, die aus Sicht der SBB wiederholt als sehr klein bezeichnet wird.

Quartier ohnehin lärmbelastet

Das Meierhofquartier würde schon zur Genüge unter dem Lärm des motorisierten Verkehrs auf der Mellingerstrasse leiden, die das Quartier nochmals zweiteile, sagt Knecht. «Die erfreuliche und erfolgreiche Arbeit der Quartierentwicklung soll nicht durch zusätzlichen Bahnlärm unterlaufen und infrage gestellt werden», führt der SP-Einwohnerrat aus.

Im Quartier ist man nicht mehr bereit, den Bahnlärm bis 2016 so hinzunehmen. Zudem hätten die SBB ja zur Genüge bewiesen, dass sie andere Möglichkeiten hätten. Auch wenn es nur wenige Züge seien, so würden sie die Lebensqualität dort erheblich beeinträchtigen, wo die Wohnhäuser direkt an der Bahnlinie liegen.

In ihrer Anfrage wollen Knecht und Bauer wissen, ob der Stadtrat jeweils über die nächtlichen Güterzüge Kenntnis erhalten würde. Die Fragesteller nimmt es zudem wunder, wer über die Linienführung entscheide und ob der Stadtrat beigezogen werde. Schliesslich wollen Knecht und Bauer vom Stadtrat wissen, ob er bereit sei, sich bei den SBB gegen Regelzüge auf dieser Strecke einzusetzen. Er soll bei den SBB auch nachfragen, ob man sich über die Lärmsituation im Quartier bewusst sei.

Andy Bauer und Beni Knecht richten ihren Blick auch in die Zukunft und fragen, welche Perspektiven der Stadtrat für die Nationalbahnstrecke sehe, nachdem schon verschiedene Ideen für eine Nutzung aufgeworfen worden seien. Die elementare Frage betreffend Bahnführung ist zudem, wann mit dem Bau des zweiten Heitersbergtunnels gerechnet werden kann, der dann das Quartier gänzlich vom Güterverkehr befreien würde.