Wettingen

Das Mozart-Requiem für einmal anders – ideenreich und lebhaft

Die Schola hat eine Marathon-Leistung erbracht. MST

Die Schola hat eine Marathon-Leistung erbracht. MST

Die Schola Cantorum Wettingensis hat demausgedünnten Publikum einige Überraschungen geboten.

Dieses Konzert bedeutete für den Chor einen wahren Marathon. Eine Fünfviertelstunde Trauermusik mit wenigen Lichtblicken und noch weniger Verschnaufpausen. Fürchtete das Wettinger Publikum den Seelenschmetter und blieb zu Hause?

Das Konzert in der Kirche St. Anton war am Samstag für Schola-Verhältnisse schlecht besucht. Vielleicht lag es an musikalischen Konkurrenzveranstaltungen oder aber tatsächlich am Programm, gelangt doch Mozarts Requiem gerade im Frühjahr zuhauf zur Aufführung. Genau deshalb hätte sich ein Besuch gelohnt, denn das Publikum wurde mehrfach überrascht.

Voraus eine doppelte Ouvertüre

Der Dirigent Roland Fitzlaff gestaltete ideenreich. Er wählte die Levin-Fassung des Requiems, deren durchsichtige Instrumentation das Vokale in den Vordergrund rückt. Dem Requiem stellte Fitzlaff eine gleichsam doppelte Ouvertüre voran – mit «Schlusschor aus der Grabmusik» sowie «Maurerische Trauermusik», Werken von Mozart.

Der tiefe Bläserklang der Trauermusik etablierte die durchdringende triste Atmosphäre, in welcher sich das kraftvolle Requiem entfalten konnte. Es wurde zweimal mit Stücken aus der Lauretanischen Litanei unterbrochen. Die Einschübe unterstrichen den an der jeweiligen Stelle vorherrschenden Charakter des Heiligen Messe.

Auch interpretatorisch liess sich Fitzlaff viel Spielraum; die Schola zeigte sich, gerade die Dynamik und das Tempo betreffend, sehr inspiriert. So war der Auftritt erfrischend und lebhaft – trotz dem vorherrschenden tristen musikalischen Gestus.

Der voluminöse Klangkörper und die gepflegte Klangkultur zeichneten den Traditionschor aus. Man durfte ferner staunen, wie die Damen und Herren diffizile Intervalle und periphere Töne punktgenau intonierten. Einzig der Sopran bekundete hin und wieder Mühe, die Höhe zu halten. Überdies fielen wenige Stellen auf, da es dem Chor womöglich an letzter Sicherheit fehlte.

Solistisch wirkten Ruth Achermann (Sopran), Liliane Glanzmann (Alt), Tino Brütsch (Tenor) und Michael Raschle (Bass) – eine harmonierende Topbesetzung. Das Capriccio Barockorchester überzeugte mit seiner souveränen Leistung, zweifellos fühlte es sich trotz seines Namens auch mit dem klassischen Mozart vertraut.

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