Baden

Das neue Jahr startet mit einer Klangreise in fremde Welten

Kurt Grünenfelder (links), Luigi Archetti (Mitte) und Mario Marchisella entführen in sonderbare Klangwelten.

Kurt Grünenfelder (links), Luigi Archetti (Mitte) und Mario Marchisella entführen in sonderbare Klangwelten.

Mit experimenteller Musik startete der Kunstraum Baden nach den Weihnachtsferien ins neue Jahr.

Es klirrt und scheppert, als die Gitarre gegen den Heizkörper stösst – schräge Töne hallen durch den in kaltes Neonlicht getauchten Kunstraum gleich neben dem Bahnhof. Wir befinden uns mitten in der Ausstellung «Closed Circuits» vom Musiker und Künstler Luigi Archetti.

Zusammen mit Kurt Grünenfelder am Mikrofon und Mario Marchisella hinter dem Schlagzeug entführten die drei Männer das Publikum am Samstagabend in sonderbare musikalische Welten.

Eine andere Art der Realität

«Für einmal ist es nicht ganz so viel Krach und Geräusch, sondern auch sehr melodiös», sagt Rolf Bismarck, Projektverantwortlicher des Kunstraums zu Beginn des Konzerts. Und wahrlich, als Archetti die E-Gitarre zur Hand nimmt und erste Akkorde anschlägt, wirkt es überraschend harmonisch – ist man sich doch sonst vom Zürcher Künstler eher abstrakte Töne gewohnt.

Doch ganz von experimentellen Klängen verabschiedet hat sich Archetti dennoch nicht. So stellen nicht nur seine ausgestellten Bilder, sondern auch seine Musik noch immer eine Herausforderung an unsere Sinne dar.

«It’s another kind of reality», wispert Grünenfelder ins Mikrofon – und bringt es damit auf den Punkt. Was man an diesem Abend zu hören und sehen bekommt, ist alles andere als normal.

Mal schlägt Archetti mit einem Geigenbogen auf seine Lap-Steel-Gitarre, dann wieder macht sich Perkussionist Marchisella mit dem Synthesizer bemerkbar und kreiert Klänge, die entfernt an die Rufe eines Walfisches erinnern.

Grünenfelder seinerseits ist mehr Geschichtenerzähler, als Sänger. Mit den Händen im Hosensack steht er da und spricht seine Sätze ins Mikrofon, die sich nahtlos in die ungewohnte musikalische Kulisse einfügen.

Ein geschlossener Kreislauf

«Closed Circuits» nennt sich die Ausstellung von Archettis Werken, die noch bis Mitte März im Kunstraum zu sehen und hören ist. Sie dreht sich rund um den Mythos Rockmusik, wobei die Gitarre im Zentrum steht. Dies macht sich auch während des gesamten Konzertes der drei Männer in Schwarz bemerkbar.

Mal erinnern die Sound-Collagen an amerikanische Folk-Music und Blues, dann lassen sie die Stimmung der 70er-Jahre aufleben; nur um kurz darauf wieder in experimentelle Gefilde abzudriften.

Am Ende wird es dann noch einmal wild – sphärische Postrock-Anleihen weichen einem tobenden Dröhnen – immer verspielt und kraftvoll, mal leise, mal laut. Und doch seltsam eingängig.

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