Der Chefarzt des interdisziplinären Notfallzentrums (INZ) im Kantonsspital Baden ist hocherfreut. Für einmal nicht, weil Markus Schwendinger einem Patienten helfen konnte. Sondern, weil er und sein Team am Donnerstag den Erweiterungsbau in Betrieb nehmen durften.
«Es ist beeindruckend, was in so kurzer Zeit entstanden ist», sagt Schwendinger und blickt auf die hellen, grosszügigen Räumlichkeiten des neuen Traktes. Die Gänge und die Behandlungszimmer sind lichtdurchflutet, die Empfangstheke der Notfallpraxis in schlichtem Holz gehalten. An den Wänden hängen grosse Fotografien der Bäderstadt. «Wir haben bewusst Aufnahmen gewählt, die zu verschiedenen Tageszeiten gemacht wurden. Als Symbol dafür, dass wir rund um die Uhr für die Patienten da sind», sagt der Chefarzt.


Patientenzahlen stark gestiegen


Mit der Eröffnung des Kantonsspitals 1978 ging auch das Notfallzentrum in Betrieb (siehe Kontext unten). Seither ist die Anzahl der im INZ behandelter Patienten um das Sechsfache angewachsen: von 8089 auf 48 527 im vergangenen Jahr (siehe Grafik rechts). Das war denn auch der Grund, warum ein Erweiterungsbau nötig wurde. «Die Patientenzahlen sind stets gestiegen, die Räumlichkeiten sind aber dieselben geblieben», erklärt Schwendinger. Auch würden diese nicht mehr den heutigen Patientenbedürfnissen entsprechen.
Ein Blick in den alten Haupttrakt zeigt, was er damit meint. Der Platz für die Pflegestützpunkte und die Schockräume ist beschränkt. Die Gänge sind eng und einige Behandlungskojen, in denen Patienten erstversorgt werden, einzig durch Vorhänge getrennt. «Hier haben die Patienten kaum Privatsphäre», sagt Schwendinger. Mit sechs zusätzlichen Behandlungszimmern im Erweiterungsbau werde das Raumproblem gelöst und den Patienten die gewünschte Privatsphäre gewährt.
Während die Notfallpraxis in den rund 1200 Quadratmeter grossen Erweiterungsbau umzieht, nutzt die Notfallstation sowohl den alten wie auch den neuen Standort. «Im neuen Trakt haben wir ausserdem einen Pflegestützpunkt mehr», so der Chefarzt. Das sei wichtig: Die Wege zu den Patienten müssten so kurz wie möglich sein.


Provisorium bald abgebrochen


Der Erweiterungsbau kostete 4,2 Millionen Franken und wurde innerhalb eines halben Jahres erstellt. Dass dieser aus vorgefertigten Bauelementen besteht, ist gewollt. Denn das Notfallzentrum wird so nicht mehr lange existieren: 2018 soll mit dem rund 450 Millionen Franken teuren Neubau des Kantonsspitals begonnen werden (die az berichtete), nach dessen Inbetriebnahme wird dann der Haupttrakt – somit auch das INZ – abgebrochen. «Auf den ersten Blick mag es verrückt klingen, ein mehrere Millionen teures Provisorium zu bauen, wenn in wenigen Jahren das KSB neu erstellt wird», sagt Markus Schwendinger. Schon heute gelange das Notfallzentrum zu Spitzenzeiten an seine Grenzen. «Die Erweiterung war ein klares Bedürfnis», sagt auch Adrian Schmitter, CEO des KSB. So würde hier eine hohe Anzahl Patienten behandelt – mehr noch als im Inselspital Bern.
Dank des Erweiterungsbaus profitieren die Patienten auch von verkürzten Wartezeiten. Und: «Weil wir jetzt mehr Raum zur Verfügung haben, können wir die Behandlungsprozesse verbessern», sagt Schwendinger. Er ist zuversichtlich: Bereits 2007, als die Notfallpraxis im INZ eröffnet wurde, gab es eine Anpassung der Abläufe: «Das hat damals bestens geklappt. Vom ersten Tag an.»