Seit zehn Jahren ist die Schulraumplanung in Baden ein heisses Thema. Vor dem Hintergrund wachsender Schülerzahlen und dem Systemwechsel auf sechs Primarschul- und drei Sekundarjahre legte der Stadtrat seine Strategie fest: Die Primarschüler sollen weiter in den Quartieren zur Schule gehen können, die Sekundarstufenschüler in der Burghalde unter ein Dach gebracht werden. Dazu wurden auch Standortanalysen durchgeführt.

Die Prognosen, ausgehend von den heutigen Schülerzahlen, den baulichen Entwicklungsgebieten und den Baureserven weisen auf dringenden Handlungsbedarf hin. Bei der Primarschule liegt der Zuwachs über 10 Jahre bei plus 41 Prozent, bei der Sekundarstufe bei plus 28 Prozent. Insbesondere im Schulkreis Innenstadt zeichnet sich ein Notstand ab. Heute besuchen 232 Kinder in 12 Klassen die Schule Innenstadt in den Schulhäusern Tannegg und Pfaffechappe. Im Schuljahr 2019/2020 werden 341 Kinder in 16 Klassen diese Schule besuchen.

Für das kommende Schuljahr 2017/2018 wird in den Schulhäusern Tannegg und Pfaffechappe die letzte Reserve als zusätzliches Klassenzimmer verwendet. Für das Schuljahr 2018/2019 ist für ein weiteres Klassenzimmer eine Lösung zu suchen. Mit der Konzentration der Sekundarstufe 1 auf dem Burghaldenareal werden in der Pfaffechappe die räumlichen Ressourcen für die Primarschule frei.

In den betreffenden Schulanlagen hat die Abteilung Liegenschaften den Unterhalt bewusst niedrig gehalten, und zwar im Hinblick auf vorgesehene Sanierungen und Erweiterungen. Damit wollte man nicht zuletzt Fehlausgaben vermeiden. Die dringend notwendigen Sanierungen betreffen die Schulanlagen Burghalde 1 und 2, die das Ende der Lebensdauer erreicht haben und auch haustechnisch auf veraltetem Stand sind. Dasselbe gilt für die Pfaffechappe.

Ohne raschen Unterhalt rechnet die Abteilung Immobilien dort mit Folgeschäden und steigenden Unterhaltskosten. Werden die vorgesehenen Projekte der Schulraumplanung 2020 nicht ausgeführt oder erheblich verzögert, ist der notwendige Unterhalt nicht weiter aufschiebbar.

Zugang für breite Öffentlichkeit

Im Bericht seitens der Schule hielt der ehemalige Geschäftsleiter Volksschule, Alex Grauwiler, Ende 2016 noch fest, dass auch die schulischen Aspekte berücksichtigt werden müssen. «Die Rahmenbedingungen und Anforderungen an eine zeitgemässe Schule haben sich in den vergangenen 40 Jahren stark verändert. Die moderne Schule hat unserer heutigen Wissensgesellschaft Rechnung zu tragen», erklärte Grauwiler. Er wies auch auf die Digitalisierung und deren Konsequenzen für das Lernen sowie die daran Beteiligten hin. Dazu kommen die Ganztageskonzepte (Blockzeiten, Mittagstische), die bereits Einzug gehalten haben.

«Unser Ziel muss sein, gute pädagogische Konzepte zu realisieren, das heisst Kinder gut auf ihrem Bildungsweg zu begleiten. Dazu müssen Räume geschaffen werden, die diese Konzepte ermöglichen. Nur wenn diese vorhanden seien, sind auch entsprechende Unterrichts- und Lernformen möglich, wie sie heute wissenschaftlich abgestützt als unumgänglich bezeichnet werden.»

Das Sekundarstufenzentrum soll als öffentliches Gebäude ebenfalls einer breiten Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Grauwiler: «Eine gute Schule charakterisiert sich durch ihr Zusammenspiel aus guter Pädagogik und einem gelungenen Schulbau sowie dem Kontext am jeweiligen Standort.»

Als unbestritten gilt in Baden, die Sekundarstufe 1 an einem Ort zu konzentrieren. Das wurde bereits mit dem Bildungskleeblatt diskutiert und von verschiedenen Kommissionen als Ziel festgelegt. Damit wird nicht zuletzt schulorganisatorisch die beste Lösung erreicht, unter anderem für die Durchlässigkeit zwischen den drei Oberstufenzügen und den ganzen Fachlehrbereich.

Projekt wurde abgespeckt

Am meisten zu Diskussionen Anlass geben die Kosten, denn das Projekt ist aufgegleist worden in einer Zeit, in der die Aktiensteuereingänge noch üppig waren. Doch weil diese kleiner werden, ist das Projekt um über 12 Mio. Franken abgespeckt worden. Auch die grosszügig ausgelegten Verkehrsflächen wurden reduziert. Vizeammann und Bauvorsteher Markus Schneider betonte wiederholt, dass es sich «nicht um einen Luxusbau» handle.

Weitere Einsparungen erhofft man sich bei der Vergabe. Allerdings werden ausserhalb des 98,5-Mio.-Kredits Kosten für die Sanierungen Burghalde 1, der Turnhalle 3 sowie der Anteil der Oberstufe für das Container-Provisorium auf dem Ländli dazukommen – total rund 16 Mio. Franken. Immerhin: Vom Bruttokredit (98,5 Mio.) lassen sich 6,55 Mio. Franken Kantonssubventionen und weitere 39 Mio. Franken abziehen, die aus den Gemeinden Birmenstorf, Ehrendingen und Ennetbaden der Stadt über Schulgelder zufliessen werden.