Was gib es schöneres, als an einem Montagabend, den Wochenstart nur knapp überstanden, vor dem Fernseher zu sitzen und genüsslich entspannt bei der Sendung "Der Bachelor" abzuschalten? Anscheinend nichts, den Sender 3+ freut's, denn das zeigen die aktuellen Zuschauerzahlen, die letzte Woche den Rekord geknackt haben.

Alles andere als rekordverdächtig ist jedoch das Niveau der Sendung, das sich auf einer rasanten Talfahrt befindet. Und, ja es ist wirklich möglich: Es ist sogar noch tiefer als letzte Woche. Die Ladies tun aber auch alles dafür, sich gegenseitig zu unterbieten. Doch nicht alle preschen unten rein. Und das wird belohnt: Spreitenbacherin Mimi und Limmattalerin Elena sind beide weiter, unterschiedlicher könnten sie aber nicht sein. Ein Trauerspiel in drei Akten:

Erster Akt - Der Krieg um das beste Zimmer (es sehen alle gleich aus)

Vielversprechend beginnt Episode zwei mit dem Claim "Streit ist vorprogrammiert". Dabei könnte alles doch so perfekt sein. Traummann sucht Traumfrau, am Strand in Thailand. Aber nein, sonst wäre es ja nicht "Der Bachelor". Bei strahlendem Sonnenschein ziehen düstere Gewitterwolken auf, als Bachelor Joël verkündet, dass die 19 Ladies aufgeteilt werden. Hier zeigt sich wieder seine ausserordentliche Freude an Frauenkleidern (ist es vielleicht schon ein Fetisch?), da er sich nicht nur für Abendkleider, sondern auch für den Casual-Beach-Look - falls Sie sich fragen was das ist, es sind simple Strandkleider gemeint - begeistern kann.

Da Bachelor Joël nicht mit allen 19 Ladies gleichzeitig fertig wird, teilt er die Damen in zwei Gruppen ein. Gruppe eins bezieht in der Resortanlage ihre Zimmer, Gruppe zwei macht sich, bewaffnet mit einem Survival-Pack, auf zu einer einsamen kleinen Insel, auf der es trotzdem Strom für Kamera, Ton und Licht hat. So schlimm kann es dann also doch nicht sein.

 Episode 2 in Bildern:

Langweilig wird es aber beiden Gruppen nicht. Kaum abgereist, beginnt im Basislager der Krieg um das beste Zimmer. Die Verantwortlichen von 3+ mussten dies schon geahnt haben und teilten die Zimmer im Voraus ein, was den Konflikt jedoch nicht beruhigen konnte. Im Zentrum, schon wieder, Elena aus Dietikon. Sie beansprucht das grosse Ehebett für sich mit der Begründung "ich brauche schlafen gut". Alles klar, Elena. Die beiden Zimmergenossinnen Chelsea und Carolina, die sich zusammen ein kleines Bett teilen sollten, brauchen sicher keinen guten Schlaf. Carolina ist über ihre Mitbewohnerin gar nicht begeistert: "Ich kann mit der Frau gar nichts anfangen, sie raubt einem den letzten Nerv", sagt sie abschätzig. Elena sieht rot, bewirft Carolina mit Kissen und beleidigt sie beim Verlassen des Zimmers als Idiotin.

Doch keine Sorge, es geht noch etwas tiefer: Kandidatin Dragana will ihre Mitstreiterin Monika im Pool ertränken bis sie keine Luft mehr bekomme. Zudem "hat sie Cellulite am ganzen Körper wie meine Grossmutter", konstatiert Dragana weiter.

Gummischlangen, Schämpis oder Lapdance: So bezirzen die anderen Ladies Bachelor Joel – und das Siegesküsschen geht an ...

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Zweiter Akt - Überlebenskampf auf der einsamen Insel

Angekommen am schönen Strand macht sich die Gruppe zwei auf, ein Zeltlager zu errichten. Die Spreitenbacherin Mimi, mit ihren 20 Jahren das Kücken der Gruppe, wird von Bachelor Joël, ganz Gentleman eben, an den Strand getragen, damit sie nicht nass wird. Und das hätte er besser lassen sollen. Die Blicke, die Mimi erntet, sind gelinde gesagt "kritisch" und Daryana kommentiert: "Es hat mich gestört, dass er sie getragen hat. Aber das hat nichts zu bedeuten, sie hatte einfach nur Glück." Sie gönne dann übrigens keiner einzigen Teilnehmerin eine Rose, nur ihr selber stehe eine zu, sagt sie etwas später. Merken Sie sich diese Aussage bitte bis zum Schluss des Textes.

Bachelor Joël beauftragt einige Ladies mit dem Suchen von Brennholz. Zwei andere Damen, Daria und Aargauerin Serena, müssen den Znacht auftreiben und werden zum Fischen verdonnert, die restlichen Ladies stellen unter der Führung von Mimi die Zelte auf. Hier zeigt sich, dass man als Bachelorkandidatin nicht einfach dümmlich, laut und aufbrausend sein muss, sondern mit Humor und Intelligenz überzeugen kann. Danke Mimi, wir hoffen sehr, dass Du uns noch etwas erhalten bleibst. Denn während sie die Zelte aufstellt und im Anschluss auch noch Beeren pflückt (die beiden Fischerinnen haben, oh Wunder, nichts gefangen), steht Kandidatin Romy teilnahmslos daneben. "Ich schaue mir das von oben an, zu viele Köche verderben den Brei."

Doch anstelle von Mimi bekommt Romy ein Einzeldate. Und dort wird es dann richtig romantisch. Auf der verlassenen Insel gibt es eisgekühlten Champagner direkt am Strand, während Joël mit seinen Flirtkünsten brilliert. Sprachlich elegante Aussagen der beiden wie "Ich hoffe, ich kann etwas punkten bei dir" und "Ich mag Männer, die das Leben schätzen" stimmen jedoch eher depressiv als gefühlsduselig.

Dritter Akt - Die Fahrt mit der Luxusjacht. Eine Odyssee

Als die Adventuregruppe zurück zum Resort kommt, leben dort alle Ladies noch, die Mordgelüste hielten sich in Grenzen. Als Belohnung nimmt Joël diese Damen dann auf eine Luxusjacht mit, die in Wirklichkeit keine Luxusjacht ist, sondern einfach ein Segelboot. An dieser Stelle empfehlen wir Joël, den Hafen von St. Tropez zu besuchen, damit er einen schwimmenden Holzstamm mit Segel von einem Luxuskahn unterscheiden kann. Bitte, wir helfen gerne.

Diese Damen kämpfen um Bachelor Joel:

Auf dem Boot wird es dann wild. Monika besudelt sich absichtlich mit Champagner, Joël, der Arme, muss es ihr von den Brüsten weglecken, Marija zieht blank und Elena, der spanische Kanarienvogel, tanz ihm, sehr die Nähe suchend, etwas vor. Mit dem ersten Kuss wird dann Julia belohnt, welche dem Bachelor einen Lapdance spendierte und mit der Aussage "ich bin tatsächlich weniger oberflächlich als ich wirke", glänzte. Ein Wunder, trug sie von den bösen Blicken der anderen Ladies keine Verbrennungen dritten Grades davon.

Die Nacht der Rosen. Oder: Die Erlösung

Wir alle können aufatmen, Elena aus Dietikon ist ohne Probleme weiter und auch Mimi aus Spreitenbach bekommt eine Rose und ein Kompliment von Joël: "Mimi, du bist so süss, hol dir deine Rose."

Keine Rose gibt es für Florence, da der Bachelor eher freundschaftliche Gefühle für sie habe. Und auch für die Transfrau Daryana (man erinnere sich an ihre Aussage im zweiten Akt) gibt es leider keine Rose. Die beiden müssen ihre Koffer packen und nach Hause.

Alles in allem ein TV-Desaster, das die Hirnzellen im Serienfeuer absterben lässt. Trotzdem, sind wir doch ehrlich, freuen wir uns schon jetzt auf den nächsten Montag, wenn es mit 17 Ladies weitergeht.

Die ganze Sendung schauen unter: 3plus.tv/bachelor