Baden
Das Quartett «Bounce» zeigte Free Jazz ohne Gitarre und Piano

Das Quartett «Bounce» spielte im «Isebähnli» einen Mix von Free Jazz und Tanzmusik.

Jürg Blunschi
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Eine Band mit vier Freigeistern: Jonathan Maag, Julian Hesse, Andrey Tatarinets und Domi Chansorn (v.l.).

Eine Band mit vier Freigeistern: Jonathan Maag, Julian Hesse, Andrey Tatarinets und Domi Chansorn (v.l.).

Johannes Hänggli

«Bounce», lehrt uns das Jazzbuch aus alter Zeit, habe man einen ganz bestimmten mitreissenden Rhythmus genannt, entstanden in den 1930er-Jahren, zum Tanz gespielt von grossen Swing-Orchestern. Am Montag präsentierte der Verein «Jazz in Baden» anlässlich eines seiner Modern-Jazz-Konzerte im Stadt-Bistro Isebähnli ein Quartett, das sich gleichfalls «Bounce» nennt. Aus Bern kommend, besteht «Bounce» aus Jonathan Maag (Tenorsaxofon), Julian Hesse (Trompete, Flügelhorn), Andrey Tatarinets (Bass) und Domi Chansorn (Schlagzeug). Zwischen den Bläsern und der Rhythmusgruppe gibt es also kein akkordisches Instrument, weder Piano noch Gitarre.

Instrumentale Besetzungen dieser Art waren typisch für den Free Jazz, die abstrakteste, modernste Ausdrucksform des Jazz. Und hier wäre die Brücke zu schlagen: Lief die Musik von «Bounce» nicht entlang einer – etwas verrückt gedachten – Schnittstelle von Free Jazz und Tanzmusik?

«Bounce» spielten fast ausschliesslich und oft recht verwinkelte Eigenkompostionen, darunter zwei spannungsreiche Suiten. Die längere der beiden enthielt auch, ganz ungewohnt für diesen Stilbereich und kennzeichnend für die vier Freigeister, rührende Schönklänge.

Die Kompositionen, in langen und ausführlichen Arrangements und eigentlich recht streng strukturiert, wurden meist unisono von Saxofon und Trompete vorgestellt, um sich bald unmerklich in die Improvisationen und Soli zu zerfasern. Saxofonist Jonathan Maag fiel dabei durch einen grossen, warmen Sound auf, den er mit hitzigen Kürzeln bespickte; Trompeter Julian Hesse bewegte sich zwischen eckig angelegten Melodiebögen und eleganten Motiven.

Über weite Abschnitte wurde gemeinsam, kollektiv improvisiert. Die beiden Blasinstrumente schaukelten sich dabei in munterem, barockem Zusammenspiel auf, untermalt von den bärbeissigen, saftigen Linien des Bassisten Andrey Tatarinets. Gelegentlich zupfte Tatarinets auch markige repetitive Figuren, um solcherart die Musik zu befeuern.

Schlagzeuger Domi Chansorn seinerseits unterlegte kein regelmässiges Metrum, sondern erzeugte einen pulsierenden, leicht schwebenden Groove, balancierte zwischen deftigen Akzenten und sich in die Stille senkenden Geräuschen.

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