So schnell kann es gehen: Noch vor gut zwei Monaten liess sich CVP-Stadtrat Reto Schmid auf die Frage einer möglichen Ammann-Kandidatur wie folgt zitieren: «Wenn mein Name ins Spiel gebracht würde, dann müsste ich mir sicher ernsthafte Gedanken darüber machen», (Aargauer Zeitung vom 6. April).

Doch nun kommt alles ganz anders. Gestern teilte die CVP Baden mit, dass Schmid bei den Erneuerungswahlen am 22. September 2013 nicht mehr zur Verfügung steht. Der 39-Jährige war während 15 Jahren Mitglied des Einwohnerrats und die letzten fünf Jahre Stadtrat für die CVP.

Auf die Frage, ob sein Rücktritt eine Trotzreaktion sei, weil er von seiner Partei nicht als Stadtammann-Kandidat aufgestellt worden sei, antwortet Schmid: «Ganz bestimmt nicht. Wenn schon, dann war es eher umgekehrt, dass man mich zu einer Kandidatur hat bewegen wollen.»

Energie für Familie und Geschäft

Der Entscheid sei ihm nicht leicht gefallen, habe er sich doch fast sein halbes Leben für die Lokalpolitik eingesetzt. «Die Politik in Baden hat mich immer fasziniert und ich habe mich stets gerne politisch für Baden eingesetzt. Ich habe mir den Entscheid deshalb sorgfältig überlegt und auch verschiedene Gespräche geführt», sagt Schmid.

In den vergangenen Wochen habe er immer stärker gespürt, dass es Zeit für einen privaten Richtungswechsel sei. Die Familie und das Geschäft seien das Wichtigste und würden seine volle Energie erfordern. Schmid: «Klar ich hätte aus taktischen Gründen nochmals für zwei Jahre antreten können, doch das wäre nicht mein Stil.»

Parteipräsident in den Startlöchern

Parteipräsident Matthias Gotter bedauert den Rückritt, «der sich nicht abgezeichnet hat». Aber er könne ihn nachvollziehen und respektiere ihn. «Die Chance, unsere beiden Sitze im Herbst zu verteidigen, stehen sehr gut, verfügen wir doch über fähige und erfahrene Kandidaten.»

Auf die Frage, ob er sich selbst zu diesen zähle, sagt Gotter: «Seit ich Präsident der CVP Baden bin, kommt es nach Lukas Voegele und Kurt Wiederkehr nun bereits zum dritten Mal vor, dass ein CVP-Stadtrat nicht wieder antritt. Ich kenne die Badener Politlandschaft bestens, nun ist die Zeit tatsächlich gekommen, mir das ernsthaft zu überlegen.»

Hört man sich vor allem bei den CVP-Einwohnerräten um, fallen die Reaktionen unterschiedlich aus. Der ehemalige Einwohnerratspräsident Toni Suter winkt ab: «Eher nein, im Herbst trete ich als Feuerwehrkommandant ab, was endlich zu etwas Entlastung führt.»

Auch Toni Ventre verneint Ambitionen: «Ich habe der Parteileitung bereits eine Absage erteilt.» Er sei privat und beruflich voll ausgelastet.

Noch offen lässt es Peter Conrad: «Ich schliesse es nicht aus, aber zuerst wird es Gespräche mit Familie, Geschäft und Partei geben.» Völlig bedeckt hält sich Mathias Schickel: «Jetzt muss parteiintern der beste Kandidat evaluiert werden.»

Mit Herzblut

Schon viel offensiver äussert sich Reto Huber: «Wenn man sich mit Herzblut für die Stadt einsetzt, dann spielt man immer mit diesem Gedanken.» Ihn würde das Amt auf jeden Fall reizen. Am Ende entscheide die Partei.

Doch es muss ja nicht zwingend ein Einwohnerrat sein. Auch die Badener Grossrätin Marianne Binder wäre eine Option. «Dazu nehme ich im Moment keine Stellung.»

Und Bernhard Schmid, bis vor einem Jahr im CVP-Vorstand Baden sagt: «Der Job wäre reizvoll aber für mich zurzeit nicht realistisch, da ich im Frühling eine Firma übernommen habe.»

Die CVP fällte gestern noch einen weiteren Entscheid: Stadtrat Markus Schneider kandidiert als Vizeammann. «Wir haben uns lange überlegt, ob und mit wem wir allenfalls den Ammann-Sitz von Geri Müller im Herbst angreifen sollen», sagt Matthias Gotter.

Man habe sich schliesslich – auch unter dem Eindruck der letzten Stadtammannwahlen – dagegen entschieden, weil man der Meinung sei, dass die Wähler nun Kontinuität verdient hätten.

Gotter: «Zudem wollen wir uns im Herbst neben der Verteidigung unserer zwei Stadtratssitze voll auf die Einwohnerratswahlen konzentrieren.» Mit Schneider habe die CVP einen sehr guten Vizeammann-Kandidaten.