In Vocks Gebiet liegt das Waldreservat Lägern, das für viele Tiere und Pflanzen einen optimalen Lebensraum bietet. Er zeigt unterhalb des Islochs auf eine grosse, dürre Fichte. Sie war im Jahr 2003 vom Borkenkäfer befallen. «Wir haben sie bewusst nicht gefällt, da bereits ein Buntspecht darin Junge grossgezogen hat.» Damit nahm er das Risiko in Kauf, dass die Borkenkäfer andere Bäume befielen. «Die Natur sorgt selber für den Ausgleich, die Vögel – darunter der Buntspecht – konnten die Borkenkäfer eindämmen.» Noch steht die grosse Fichte, sie verfällt aber mehr und mehr. Sie ist nicht tot, sondern Lebensraum für viele andere Käfer, Insekten und Pilze. Sie sorgen dafür, dass sich das Holz nach und nach zersetzt. Irgendwann wird sie umfallen und noch viel später wird von ihr nichts mehr zu sehen sein. In grob gefurchten Rinden können Hunderte von Insektenarten leben. Wenn sich bei absterbenden Bäumen die Rinde löst, entstehen sogenannte Rindentaschen. Auch sie sind willkommene Aufenthaltsräume, unter anderem für Fledermäuse.

Das älteste Naturwaldreservat

Der gesamte Lägernwald, einschliesslich Eigi und Greppe, liegt im Perimeter des Lägernschutzdekretes von 1977. Dieses verlangt, dass das Gebiet besonders rücksichtsvoll bewirtschaftet wird, Neubauten werden dort nur in Ausnahmefällen bewilligt. Der Wettinger Wald erstreckt sich über den gesamten Lägern-Südhang, von der Limmatklus bis zur Kantonsgrenze bei Otelfingen. Er umfasst auch die vorgelagerten Moränen- und Molassehügel südlich des Eigi bis zum Sulperg. 1998 wurde das Gebiet vom Isloch bis zur Kantonsgrenze zum Naturwaldreservat. Danach wurde die Holznutzung aufgegeben und weitere Eingriffe wurden auf das Notwendigste beschränkt. «Wir halten die Wanderwege offen», sagt Förster Vock. Der Schwerpunkt liegt im Bereich des Islochs, einer Senke unmittelbar vor der Kantonsgrenze. In dieser sammelt sich kalte Luft, was ihr den Namen Isloch einbrachte. Selbst im Hochsommer ist es dort noch merklich kühler als in der Umgebung. Das Naturwaldreservat Lägern ist das älteste im Kanton Aargau. Mit einem Nutzungsverzichtsvertrag über 50 Jahre zwischen dem Kanton und der Ortsbürgergemeinde Wettingen war vor 15 Jahren der Grundstein dafür gelegt worden.

Die Bäume wachsen ungestört

Rechtlich gesehen ist das Gebiet seit 15 Jahren weitgehend sich selbst überlassen. «Es fand aber schon 20 Jahre zuvor keine Nutzung mehr statt», sagt Vock. Es war viel zu beschwerlich, im unwegsamen Hang Bäume zu schlagen. Somit kann sich die Natur dort seit rund 35 Jahren selber entwickeln. Zu sehen ist das auch an den mächtigen, rund 40 m hohen Buchen, Eichen, Eschen, Ahorn, Fichten und Tannen. «Sie dürften 160 Jahre oder sogar noch älter sein», sagt Vock. Die Eichen könnten sogar seit 200 Jahren am Lägernhang gedeihen. Einige dieser Riesen stehen nicht mehr stolz, sondern sind gefallen. Vock weist auf einige Bäume hin, die 1999 vom Sturm «Lothar» gefällt wurden. Ihnen fehlt heute die Rinde, die abgebrochenen Äste ragen wie Knochen vom Stamm ab. An verschiedenen Stellen haben die Stämme Löcher und bieten einen fruchtbaren Boden für Pilze. Nach und nach entsteht aus einem abgestorbenen Baum wieder Erde und so ein Platz, in dem aus einem Keimling ein nächster Baum wachsen kann.

Seltene Pflanzen wieder entdeckt

Durch das Spezialreservat im Bereich des Grates, integriert im Naturwaldreservat Lägern, ist es möglich, dort mit Pflegeeingriffen den Lebensraum seltener und gefährdeter Tier- und Pflanzenarten zu erhalten und zu fördern. Die erste Auslichtung wurde 1992 ausgeführt. Auf die wieder stark besonnten und damit warmen Felsfluren kehrten Pflanzen und Tiere zurück, die fast ganz verschwunden waren. Als die Botanikerin Ursina Wiedemer 2002 beim ehemaligen Steinbruch Otelfingen die Vielblättrige Platterbse wieder entdeckte, war das eine Sensation. Die Pflanze galt seit 95 Jahren als ausgestorben. Rund 50 seltene und gefährdete Pflanzenarten würden im Bereich des Grates gedeihen, wie der Wettinger Botaniker Fabian Egloff 1991 feststellte.

Förster Vock beobachtete 1994 bereits drei Monate nach dem Lichtungsschlag bei den Felsfluren Tagloch Feuerlilien. «Das Naturwaldreservat Lägern bietet sowohl Totholz liebenden Käfern wie auf Licht angewiesenen Blütenpflanzen einen optimalen Lebensraum», betont er.