Die gebürtige Badenerin, die mittlerweile in Zürich wohnt, präsentierte vergangenen Freitag ihr neuestes Album. Annika ist schon seit je her dem Trip-Hop-Stil treu. Dabei handelt es sich um elektronische Musik, mit langsamen, Hip-Hop ähnlichen Beats. Die Beschreibung mag irritieren, aber versuchte man das Konzert von Annakin am vergangenen Freitag im «Fjord» in Worte zu fassen, dann vielleicht so, dass dem Abend etwas Subaquatisches anhaftete.


Ob das an Annakins melancholischem Gesang lag, den lange gehaltenen Tönen, die zuweilen wie von weither kommendem Sirenengesang anmuteten, den schweren Beats oder am Bühnenbild, dem wellenartig fallenden schwarzen Vorhang, den vier dunkelgekleideten Gestalten auf der Bühne, die sich im blauem oder weissem Scheinwerferlicht rhythmisch sanft hin und her bewegten, wie Anemonen auf dem Meeresgrund, die bei Vollmond in den Wellen wogen.


Zuletzt war es wahrscheinlich die Kombination von alle dem. So ganz aus dem Nichts geholt ist das Sinnbild des Meeresgrunds aber nicht: Annakins Lieder, Songtexte und Videoclips bedienen sich selbst immer wieder am realen Naturraum und den Elementen, um einer Stimmung oder einem Gefühl Ausdruck zu verleihen, oder umgekehrt: Naturerfahrungen rufen bestimmte Gefühle hervor und werden musikalisch verarbeitet.


Das Verschwinden der Gletscher

Der Titelsong «The End of Eternity» ihres neuen Albums etwa, klagt über das Verschwinden der Gletscher. «Als ich da in den Bergen stand und sah, wie viel Eis geschmolzen ist, war ich schockiert. Das ‹ewige Eis› – ein Widerspruch!», erzählt Ann Kathrin Lüthi, wie sie im echten Leben heisst, dem Publikum vor dem Konzert.


Diese Erfahrung, das Schmelzen des Eises, das doch eigentlich nicht schmelzen durfte, inspirierte die Sängerin zu ihrem neuen Album. Die Angst vor Verlust und Veränderung, so scheint es, berührten sie innerlich. Und tatsächlich vermischen sich in ihren Liedern immer wieder äussere und innere (Gefühls-)Landschaften, bedingen und reflektieren einander.

Als die während des Konzerts mitwippenden Besucher am Ende des Abends das «Fjord» in Baden verlassen haben, dürfte es sich für die einen oder anderen angefühlt haben, als wäre man gerade an die Wasseroberfläche aufgetaucht. Zurück blieb lediglich ein Gefühl zufriedener Melancholie.