Rund ein Dutzend Schmuckbesitzer, mehrheitlich ältere Damen, warten darauf, ihre Kostbarkeiten von Goldschmied Raphael Meyer und seinem Team begutachten zu lassen. Zwei Mitarbeiter prüfen den Goldgehalt des Schmucks und berechnen den Ankaufspreis. Am Mittwoch liegt der Preis für ein Gramm Schmuckgold bei 41.30 Franken – so hoch wie noch nie. Ist der Verkäufer mit dem Preis einverstanden, zahlt Meyer ihm das Geld aus – nachdem sich der Kunde ausgewiesen hat. «Wenn sich jemand weigert, seinen Ausweis zu zeigen, ist das verdächtig. Dann weisen wir den Verkäufer ab», sagt Meyer.

Goldkauf ist Vertrauenssache

Auch wenn ein Mann mit grösseren Mengen Damenschmuck auftaucht, sehen Meyer und seine Mitarbeiter genau hin und verlangen auch mal eine Quittung oder eine Erbschaftsbestätigung. «Man muss immer auf sein Bauchgefühl hören. Es gibt sowohl bei den Besitzern als auch bei den Händlern schwarze Schafe.» Auf Inserateseiten finden sich viele Anzeigen von Goldankäufern. Für Meyer gibt es klare Kriterien, auf die ein Schmuckbesitzer vor dem Verkauf achten soll. «Wenn ein Inserent nur seine Handynummer und keine Adresse angibt – vergessen Sie ihn, da werden Sie hundertprozentig über den Tisch gezogen».

Verkaufen statt aufbewahren

Meyer kauft nicht nur Goldschmuck, sondern auch Gegenstände aus Platin oder Silber. Wenn es einem Kunden schwer fällt, sich von seinem Schmuck zu trennen, rät Meyer zu Bedenkzeit. «Mir wurden schon alte Schmuckstücke angeboten, die zum Teil aus Menschenhaar von Vorfahren gefertigt waren. Die gibt man nicht gerne her.»

Die meisten Schmuckbesitzer kämen nicht, weil sie Geldsorgen hätten, sondern weil sie die Sachen nicht mehr bräuchten, sagt er. So auch Doris Sandmeier, die mit Gold- und Silberschmuckstücken nach Baden gekommen ist. «Bei mir zu Hause liegen die Sachen nur herum, ich trage sie nicht mehr», erzählt sie. Sandmeier ist zum ersten Mal an einer solchen Veranstaltung. Sie hat sich vorbereitet: «Ich habe das Inserat von Herrn Meyer gesehen und mich im Internet über ihn informiert.»

Ihren Schmuck wird Goldschmied Meyer später einschmelzen lassen. «Gold lässt sich, wie alle anderen Edelmetalle, zu 99,9 Prozent wieder verwerten», erzählt er. «Es ist das ideale Recyclingmaterial.»