Karin Bächli (SP): «Konstruktiv und kollegial»

Die höchste Badenerin für die nächsten zwei Jahre ist eine Sozialdemokratin. In der konstituierenden Sitzung am Dienstag wählte der Einwohnerrat Karin Bächli einstimmig zu seiner Präsidentin. Bächli ist das amtsälteste Mitglied des Rates. Sie ist 1977 geboren, in Würenlingen aufgewachsen und zog im Jahr 2000 nach Baden. 2002 wurde sie für die SP in den Einwohnerrat gewählt.

Im vergangenen Herbst kandidierte sie als Stadträtin. Viele Badener waren überzeugt, dass Bächli – die den Ruf einer konsensorientierten Politikerin geniesst – den Sprung in die Exekutive schaffen würde. Quereinsteigerin Sandra Kohler schlug sie um 17 Stimmen. Die Lust auf das Ratspräsidium ist Bächli aber keineswegs vergangen. Auf die Frage, ob sie die Niederlage verdaut habe, sagt sie: «Ja, absolut.»

Sie sei zwar enttäuscht gewesen, aber sie freue sich nun sehr über die neue Aufgabe. Nach ihrer Wahl am Dienstag zitierte sie eine Songzeile von Patent Ochsner: «Es chunnt ebe so wie’s chunnt und so wie’s chunnt, chunnt’s ebe guet.» Nach einer KV-Lehre hat Bächli die Matura nachgeholt und anschliessend in Zürich und Lausanne Geografie und Agrarwirtschaft studiert. Als Verkehrsplanerin arbeitet sie seit zehn Jahren in einem Zürcher Ingenieurbüro.

Im vergangenen Herbst schloss sie ein Nachdiplomstudium als Mediatorin an der Uni Freiburg ab. Seit drei Jahren wohnt Bächli mit ihrem Mann, dem Historiker Fabian Furter, und ihren beiden Kindern auf der Allmend. Während ihrer Präsidialzeit werden die Schulraumplanung, die Neuausrichtung der «Langmatt» und die Veränderungen im Bäderquartier zentrale Themen sein. Es sei ihr ein grosses Anliegen, dass die Quartiere gut eingebunden sind. Sie könne sich durchaus vorstellen, einmal eine Einwohnerratssitzung in Dättwil oder in Rütihof abzuhalten, sagt Bächli.

Für ihre Präsidialzeit wünscht sie sich wieder eine bessere Diskussionskultur. Sie hoffe, dass zwischen Stadtrat, Einwohnerrat und Verwaltung, aber auch zwischen den Fraktionen, wieder ein konstruktiver und kollegialer Dialog entstehe. Den Anfang hat Bächli gemacht: Am Dienstagabend lud sie Ratsmitglieder, Stadtrat und Zuschauer ins Bäderquartier ein, um auf dem Kurplatz anzustossen und sich auszutauschen.

SVP-Mann Hansjörg Huser: «Ich bin kein Einzelplayer»

Das Wettinger Parlament hat vergangene Woche Hansjörg Huser einstimmig zum neuen Einwohnerratspräsidenten gewählt. Während der letzten zwei Jahre hatte der SVP-Einwohnerrat das Vizepräsidium inne. Obwohl Huser seit acht Jahren als Einwohnerrat politisiert, müsste man den 57-Jährigen eher als Familienmenschen denn als Politiker bezeichnen, zumal im Gespräch schnell klar wird, dass die Familie für ihn sehr wichtig ist. Sie hat ihn in Wettingen gehalten und in die Politik gebracht.

«Als Heidi und ich eine Familie gründeten, suchten wir zuerst lange in Wettingen und dann in der Region ein Haus», erzählt Huser, der im Dorf aufgewachsen ist. «Für mich war das Wichtigste, dass meine Frau und die Kinder sich wohlfühlen.» Fündig wurden sie mit etwas Glück letztlich doch in Wettingen. Hier ist er Ortsbürger, hier war er beinahe zehn Jahre Präsident des Tennisclubs und Handballer beim SV Lägern, bis er von seinem Bruder, dem ehemaligen Gemeinderat Daniel Huser, in die Politik geholt wurde.

«Dani musste mich zuerst überzeugen, dass ich kandidiere.» Doch dann wurde Hansjörg Huser auf Anhieb gewählt und war später für kurze Zeit SVP-Ortsparteipräsident ad interim. Dass er dereinst zum höchsten Wettinger gewählt werden sollte, hätte er nie gedacht. In der SVP-Fraktion hat er in den letzten Jahren an der Seite seiner Nichte, Michaela Huser, politisiert.

Einzelne politische Vorstösse gibt es von ihm nicht, seine Anliegen habe er immer über die Fraktion eingebracht. «Ich bin kein Einzelplayer, der die politische Aufmerksamkeit sucht», sagt er. «Wir müssen Wettingen als attraktive Arbeits- und Wohngemeinde weiterentwickeln.» Das schaffe man natürlich nicht, indem man nur spare. «Aber Investitionen sollen gut überlegt und sinnvoll sein», sagt der gelernte Banker.

Indes weiss Huser an einem anderen Ort zu sparen, nämlich bei der Zeit für Ratssitzungen. Als Einwohnerratspräsident werde er darauf achten, dass die Sitzungen noch effizienter werden. «Da werde ich auch das Gespräch mit den Fraktionen suchen und meine Erwartungen so weit wie möglich umsetzen.»

Christian Keller: «Ich bin ein überzeugter Grüner»

«Eigentlich sitze ich lieber im Rat, als hier vorne zu stehen», sagte Christian Keller, kurz nachdem er mit 34 von 36 möglichen Stimmen zum neuen Einwohnerratspräsidenten von Obersiggenthal gewählt wurde. Christian Keller ist der erste Grüne, der dieses Amt in der Gemeinde übernimmt, die von den bürgerlichen Parteien dominiert wird. «Dass ich nun höchster Obersiggenthaler sein darf, erfüllt mich und unsere Partei mit Stolz», sagt der 49-Jährige.

Es werde ihm sicher nicht immer leicht fallen, während der Einwohnerratssitzungen darauf zu verzichten, seine Meinung zu äussern, wie es das Amt verlange. «Ich bin mir aber bewusst, dass ich als Vorsitzender des Rates einen anderen Hut aufhabe und euch allen verpflichtet bin.»

In den vergangenen Jahren setzte sich Keller im Einwohnerrat vor allem bei Verkehrsthemen mit vehementen Voten für Fussgänger und Velofahrer ein, was nicht zuletzt auch mit seinem Beruf zu tun hat: Keller arbeitet beim Verband «Fussverkehr Schweiz». Und auch in sozialen Medien lässt er kaum eine Möglichkeit verstreichen, um für eine grüne Verkehrspolitik zu kämpfen. «Ja, ich bin ein überzeugter Grüner», sagt er. Aufgewachsen im Kanton Schwyz, lebt er gemeinsam mit seiner Partnerin seit rund 15 Jahren in Nussbaumen. «Ich mag die Nähe zur Stadt, und dass wir gleichzeitig einen etwas ländlichen Charakter bewahrt haben.»

Keller, der Geschichte und Germanistik an der Uni Basel studierte, sagte bei seiner Antrittsrede: «Im Wort Gemeinde steckt die gleiche Wortwurzel wie etwa in den Wörtern gemeinsam oder Gemeinschaft. Die Gemeinde, das Gemeinwesen, bezeichnet das, was wir gemeinsam haben, was uns verbindet. Wenn wir hier im Rat miteinander um eine Sache streiten, sollte uns immer auch bewusst sein, dass es unsere gemeinsame Sache ist, für die wir uns einsetzen.»

Der Einwohnerrat sei aber kein Kaffeekränzchen, sondern eine Arena, in der gestritten werde. «Allerdings treten wir nicht mit Keulen gegeneinander an.» Zur Würde des Rats gehöre auch, dass die Voten sachbezogen, kurz und klar seien. «Ich habe mir vorgenommen, für einen disziplinierten Ratsbetrieb und einen respektvollen Umgang miteinander zu sorgen.»