Geri Müller (team) schaffte es, die Wählerschaft des team baden, der SP und der Grünen grossmehrheitlich hinter sich zu scharen, und übertraf als Einziger die Eindrittelmarke. Für das absolute Mehr - die Hälfte aller gültigen Stimmen plus eine - fehlten jedoch auch ihm 781 Stimmen. Ein zweiter Wahlgang wurde denn auch auf allen Seiten erwartet.

Dass Müller mit der linken Koalition das Spitzenresultat erreichen würde, erstaunt nicht, haben sich doch die bürgerlichen Stimmen auf zwei Kandidaten verteilt. Roger Huber wurde seiner Favoritenrolle bei den bürgerlichen Kandidaten gerecht. Mit Markus Schneiders Wahlergebnis, 86 Stimmen hinter Huber, ist nun alles darauf gespannt, wer in die zweite Runde steigt - und wer verzichtet. «Für uns ist es klar - ich treten wieder an», sagt FDP-Kandidat Huber. Die anderen liessen sich gestern noch nicht in die Karten blicken. Von «es ist alles offen» (Müller/team) bis «jetzt sind Gespräche nötig» (Schneider/CVP) war alles zu hören.

Stadtratswahlen haben Einfluss

Die Ausgangslage bei den Stadtratswahlen (Courvoisier/FDP und Müri/team fast gleich auf) könnte durchaus die Konstellation auch für den zweiten Wahlgang der Stadtammannwahl beeinflussen. Darum werden sich die Parteien davor hüten, irgendwelche Schnellschüsse abzugeben. Nicht einen Schnell-, dafür einen Warnschuss gab die CVP in einem Communiqué bereits gestern ab mit dem Titel: «Markus Schneider mit grösstem Potenzial für den zweiten Wahlgang.»

Szenario 1: Wollen die Bürgerlichen den Ammannsitz nicht leichtfertig der Linken überlassen und einen möglichst sicheren Sieg anpeilen, müssen sie sich auf einen Kandidaten einigen. Arithmetisch liegt darum eine Kandidatur Huber auf der Hand. Es heisst Müller gegen Huber.
az-Einschätzung: Wahrscheinlich.

Szenario 2: Mit Schneiders knappem Rückstand auf Huber ist bei der CVP der Ammann-Appetit nicht abgeflacht - im Gegenteil. Sie sucht das Gespräch mit FDP und SVP; die bürgerliche Mehrheit im Stadtrat und die Unterstützung des FDP-Kandidaten Courvoisier wird an die Bedingung geknüpft, dass Huber für Schneider das Feld räumen solle. Es heisst Müller gegen Schneider.
az-Einschätzung: Unwahrscheinlich.

Szenario 3: Die bürgerlichen Parteien können sich nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen und riskieren, dass Müller lachender Dritter wird. Es kommt zum zweiten Wahlgang mit Müller, Huber und Schneider.
az-Einschätzung: Gut möglich.

Szenario 4: Geri Müller sieht seine Felle mit der Nichtwahl im ersten Wahlgang davongeschwommen und verzichtet zugunsten von Schneider, der für die Linke das kleiner Übel ist als Huber. Es heisst Huber gegen Schneider.
az-Einschätzung: Unwahrscheinlich.