Das sind Spiegelbilder des Lebens

Baden Malereien und Drahtobjekte von Christel Andrea Steier sowie Tonfiguren und Rakutafeln von Sascha Steiner verbinden sich in der Galerie Anixis zur kontrastreichen Ausstellung.

Ursula Burgherr
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Christel Andrea Steier und Sascha Steiner in der Galerie Anixis.UBU

Christel Andrea Steier und Sascha Steiner in der Galerie Anixis.UBU

«Innere Landschaften» nennt Steier ihre Serie von Ölbildern, die wie traumartige Sequenzen wirken. Immer wieder findet man auf ihren Exponaten spiegelglatte Wasserflächen – die Künstlerin verwendet das Motiv für die Reflexion mit dem eigenen Ich. Stimmungsvolle Lichtspiele am Himmel bringen die Hoffnung zum Ausdruck: «Von irgendwo her kommt immer ein Lichtschimmer, auf ein Tief folgt auch wieder ein Hoch», so die im Schwarzwald lebende Kreative zu ihren Sujets. Manchmal vermeint man im Hintergrund verschwommene Häuserzeilen zu entdecken. Oder ist es doch nur eine Täuschung? Das überlässt Steier dem Betrachter. Ganz persönliche Assoziationen und Gefühle zu wecken, ist eine wichtige Antriebsfeder für ihre Kunst. Farben benutzt sie bewusst als Energieträger. Im Eingangsbereich sticht ein Werk in Rottönen ins Auge, dessen strahlende Leuchtkraft an einen Sonnenaufgang erinnert. Gearbeitet wird nicht mit einem Pinsel sondern dem Zahnspachtel. Dadurch erhalten die Bilder eine eigenwillige rillenartige Struktur, die je nach Lichteinfall immer wieder anders schimmert. Ebenfalls aus der Hand von Christel Andrea Steier stammen die aus Draht geflochtenen Objekte, darunter eine Schale mit kleinen Glashüllen. In ihnen stecken kleine Papierröllchen, auf denen Menschen ganz besondere Erinnerungen aufgeschrieben haben. Sie bleiben für immer ein Geheimnis, umso mehr kann das Publikum seine Fantasie spielen lassen.

Weibsbilder aus Ton

Sascha Steiner aus Endingen fasziniert «die weiche Erde, die meinen Händen und meiner Fantasie unendliche Möglichkeiten der Gestaltung eröffnet.» Die Frauenfiguren aus Ton, welche sie in der Galerie Anixis präsentiert, sind witzig, voller Symbolik und zeugen durch ihre unterschiedlichen Strukturen und Glasuren vom grossen Können der Keramikerin. Das Weibsbild mit wehenden roten Haaren trägt einen kleinen schwarzen Kobold auf ihren breiten Schultern. Damit will die Aargauer Kunstschaffende darstellen, wie viele Verpflichtungen Frau von heute mit Job und Familie bewältigt. Die zweite Figur zeigt sich mit Armen voller Einkaufstüten. Lust am Shoppen – auch das ein Ausdruck von Weiblichkeit. Ein junges Mädchen trägt symbolisch für ihre gemachten und bevorstehenden Erfahrungen ein beladenes Schiff auf dem Kopf, das andere hält sich statt Handy einen Vogel ans Ohr. In Ergänzung zu den humorvollen Skulpturen zeigt Steiner mittels Raku-Technik gestaltete abstrakte Bildtafeln, die an Fels-, Schnee- und Unterwasserlandschaften erinnern. Dazu kommen tönerne Früchte, deren Form von kernartig herausspriessenden Gebilden aus Alteisen gespalten werden. Eine Parabel für ständig Neues, das aus Bestehendem hervorkommt. Die aktuelle Ausstellung in der Galerie Anixis setzt ein Zeichen dafür, wie viele positive Inspirationen Kunst geben kann.

Öffnungszeiten Galerie Anixis: Di, Mi, Fr und Sa, 14 bis 18 Uhr (5. Mai – im Rahmen von Kultour Baden, 17 bis 21 Uhr verschiedene Veranstaltungen). www.kultourinbaden.ch